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Zwischen sexy und gemütlich

So sehen die Trends der Frauenmode 2022 aus

Köln (dpa/tmn)

Zwei Stile prägen die Mode für Frühjahr und Sommer 2022: radikal bequem oder radikal sexy. Es ist entweder Alltag oder Ausgehen. Und doch finden sich Übergänge, etwa wenn die Jogginghose schick wird.

Von Simone Andrea Mayer, dpa

Sexy: Enganliegende Kleidung erlebt ihr Mode-Comeback. Bodycon nennt sich der Stil nun. Zum Beispiel auch zu sehen bei Gang (Jeans ca. 99 Euro). Foto: Gang/dpa-tmn

Haben Sie auch diese Sehnsucht nach Ausgehen, sich schick machen? Weg mit den Schlabberklamotten, her mit den knappen Oberteilen, den eng anliegenden Kleidern? Den Outfits voller Leben?

Das wird wiederkommen. Versprochen! Die Modeschauen zu den Kollektionen der Saison Frühjahr/Sommer waren voll davon. Die Frage wird vielleicht aber sein: Wann genau ist der Pandemie-Alltag wieder offen dafür? Und muss das Bequeme jetzt ganz weg?

Aber von Anfang an: Die Kollektionen der Designer und Modelabels sind sehr unterschiedlich, teils sogar widersprüchlich in sich. So finden sich für Frauen sehr feminine Outfits. Sie sind sexy, oft hauteng. Nach ein paar Jahren, in denen die Figur unter weiten Schnitten eigentlich nicht mehr zu sehen sein sollte, fällt diese Entwicklung ins andere Extrem auf.

Provokant zum eigenen Körper stehen

Der Trend zum Hautengen nennt sich jetzt «Bodycon» und geht auch einher mit bauchfreien Looks, oft nur mit einem (Bikini-)BH als Oberteil. Dazu hochgeschlitzte Röcke, wenn sie denn lang sind, vor allem aber superknappe Minis. Transparente Materialien und sogenannte Cut-outs - bewusst gesetzte Ausschnitte im Stoff - zeigen Haut an besonders reizvollen Stellen des Körpers.

Ab und an beobachtet man auch den Bondagestil. Die feinen Schnürungen und die Lack- und Lederriemen über große Teile des Körpers gibt es vor allem auf den Laufstegen oder bei den High-Fashion-Labels. Die Botschaft der Designer: Frauen sollen selbstbewusst, stolz und provokant zu ihrem Körper stehen.

Röcke, so kurz wie das Leben

Das Deutsche Mode-Institut (DMI) blickt bei der Interpretation dieser Stücke auf das, was uns alle derzeit am meisten bewegt: die Pandemie, ihre Folgen für unseren Alltag und die daraus entstehenden Sehnsüchte.

Die Analysten sprechen in ihren «11 Thesen für 22» daher von einer «unbändigen Lust auf Kleidung, die politisch unkorrekt sexy ist». Eine Mode, die Abenteuer nachholt und sich damit zurückholt, was uns die Pandemie gestohlen hat. «Jetzt wollen wir unsere Zeit nutzen und unsere Körper genießen», so das DMI.

Nach Kontaktbeschränkungen und Abstandhalten sei der Nachholbedarf nach Körperlichkeit so groß, dass selbst die Kleidung dieses Signal aussendet. Deswegen trage man jetzt eben unter anderem «Röcke, so kurz wie das Leben», so die Modeanalysten.

Freiheit und Lebenskraft am Körper tragen

«Wie ein Aufwachen», beschreibt auch Burberrys Chief Creative Officer, Riccardo Tisci, die Kollektion des Hauses. Sie soll nach den Lockdowns den Menschen die Freiheit zurückgeben, zu träumen und sich jung und lebendig zu fühlen.

Auch Brunello Cucinelli setzt hier an: Seine Kollektion solle zu einer positiven Stimmung beitragen, die Freude, Energie und Lebenskraft ausstrahlt. Man trage nicht mehr nur, was wirklich nötig ist, sondern es komme der Wunsch zurück, sich gut anzuziehen, heißt es im Kollektionsbericht. Das setzen die Designer um, indem sie die klassischen Schnitte, für die das Haus bekannt ist, mit fliegenden Federn, Pailletten und funkelnden Netzstoffen versehen.

Die 2000er sind zurück

Die knappe Mode bedient sich stilistisch zum Beispiel an den 60ern, etwa in Form von A-Linien-Kleider. Beim Blick in die Kollektionen flackern aber auch Erinnerungen an die späten 90er und frühen 2000er auf: Britney Spears lässt grüßen mit Low-Waist-Jeans und bauchfreien Spaghettiträger-Tops. In dem Zusammenhang wird gerne von der «Y2K»-Mode gesprochen (Y für «year», 2K für 2000).

«Y2K gehört definitiv zu den Modetrends, die Modeenthusiasten dieses Jahr am härtesten spalten», schreibt dazu übrigens die deutsche «Vogue» und spricht von einer Überraschung, dass ausgerechnet dieser Stil ein Comeback erleben darf.

Das ist nun der Punkt, an dem wir eine Frage klären müssen: Was tun Sie denn, wenn die superknappen, partytauglichen Outfits Sie nach zwei Jahren Pandemie ohne Ausgehen so gar nicht ansprechen? Sie können beruhigt sein: Die andere Seite der aktuellen Kollektionen für Frühjahr/Sommer 2022 besteht weiterhin aus dem Bequemen und dem Weiten.

Auch die weite Kleidung bleibt

Da sind weiterhin die Jogginghosen und andere gemütlich wirkende Hosenmodelle, da sind Hoodies und viele, viele weite Flatterhemdchen. Und zwar so, wie wir sie wollen: fürs Einkuscheln zu Hause ebenso wie fürs Rausgehen. Aber es gibt eine Weiterentwicklung des Stils.

Die Stücke erhalten in vielen Kollektionen einen Twist ins Elegante, so dass Jogginghose und Sweatpullover nun wahrhaftig büro- und ausgehtauglich sind. Sie konkurrieren sogar mit Anzug und Blazer. «Athflow» nennt sich dieser Trend.

Aber passen diese beiden Trends - das Enge und das Weite - zusammen in eine Saison? Ja, sehr gut sogar, und zwar konkurrenzfrei Seite an Seite. Das Dazwischen existiert nicht.

Haushohe Heels oder Schlappen mit Erdung

Gut lässt sich das anhand einer Analyse des Deutschen Modeinstituts zu den angesagten Frauenschuhen erklären, bei denen es diese Gegensätze ebenfalls gibt. Trendsetter können laut DMI an ihren Füßen derzeit flache Slides zum Reinschlüpfen tragen - oder Skyscraper Heels, die laut ihrem englischen Namen «haushoch» sind. Aber es kann keinen Trend zu mittelhohen Schuhen geben.

«Die Pandemie hat uns auch modisch polarisiert», führt das DMI aus. Wir seien entweder echt entspannt oder echt aufregend gekleidet. «Einkehr oder Ausgehen. Entweder konsequent Alltag oder konsequent Anlass. Tag oder Nacht. Radikal bequem oder radikal sexy.»

Diesen Spagat sieht man übrigens auch an den angesagten Kleidern und Röcken: Sie sind entweder fluffig-weit, so dass kaum die Figur darunter zu erahnen ist, oder körperbetont-eng.

Im Frühling noch verhüllter, im Sommer freier

Vor allem bei den Kollektionen, die im Vorfrühling bis Frühling auf den Markt kommen, stehen noch die bequemen Stücke stark im Fokus. Das mag am Wetter liegen, das uns hierzulande im Frühlingsregen oft noch auf die Couch verbannt. Aber auch daran, dass die Pandemie im Frühjahr noch stärker unseren Alltag im Griff haben könnte.

Echte Entspannung sollte es im Sommer geben, sagen die Medizinexperten. Und das haben die Designer gehört: Sie lassen dann eher die Jogginghosen zu Hause und setzen stärker auf sexy Mode, auf Stücke in starken fröhlichen Farben, mit Mustern und Motiven, die für das pralle Leben stehen.

Und auch auf eine Mode wie ein Sommerurlaub. Seine Kollektion «Hey Vacay» (Kurzform für das englische Wort «vacation») vergleicht das Label Oui zum Beispiel mit einem «Koffer voller Vorfreude».

Liv Bergen setzt nicht nur auf die Farbwelt von Fiji, den Malediven und Mauritius. Sondern man liest auf Shirts und Kleidern auch Sprüche wie «Daydrinking & Daydreaming» - um laut dem Label die letzten anstrengenden und zermürbenden Monate im Homeoffice und in Isolation zu vergessen. Wenn das nicht gute Aussichten sind.

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