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Makeover für Siem Reap

Angkor-Tourismus in neuem Gewand

Siem Reap (dpa/tmn)

Siem Reap ist das Tor zu den Tempeln von Angkor. Die Stadt hat die Corona-Pandemie zur Runderneuerung genutzt. Die Tourismusbranche will nun vieles besser machen - auch dank neuer Attraktionen.

Von Carola Frentzen, dpa

Die Tempelanlagen von Angkor waren bis zum 15. Jahrhundert das Zentrum des Khmer-Königreichs. Foto: Robert Günther/dpa-tmn

Angkor. Der Name klingt Historikern, Tempelfans und Asienreisenden aus allen Teilen der Welt wie Musik in den Ohren. Bei den meisten Globetrottern steht ein Besuch der versunkenen Khmer-Metropole im nördlichen Kambodscha ganz oben auf der Bucketlist. Jahrzehntelang war die Zahl der Touristen, die die Unesco-Welterbestätte bestaunten, stetig gewachsen.

Das Resultat: Das Hotel-, Restaurant- und Pub-Angebot im nahe gelegenen Siem Reap nahm massiv zu. Aus dem verschlafenen Ort, der aus kaum mehr als ein paar Straßen mit französischen Kolonialbauten bestand, ist eine Stadt mit rund 250 000 Einwohnern geworden.

Insbesondere die «Pub Street» im Zentrum avancierte zur Backpacker-Meile - zur Freude feierfreudiger Rucksacktouristen und zum Schrecken anderer, die sich bei der Erfüllung ihres Angkor-Traums eher Ruhe und Frieden wünschen. Der Massentourismus brachte viel Müll mit sich, aber auch viel Lärm und Nippes.

Dann kam die Corona-Pandemie, und Kambodscha schloss viele Monate lang seine Grenzen. Seit November 2021 können Ausländer zwar wieder einreisen - das ersehnte Comeback der Touristenströme lässt aber auf sich warten. Dabei hat sich in Siem Reap vieles zum Guten verändert.

Andächtige Stille zum Sonnenaufgang - ohne Selfie-Sticks

Zunächst aber ein Blick auf die Tempel: Morgens um 5.00 Uhr warten wenige Dutzend Touristinnen und Touristen vor dem größten religiösen Bauwerk der Welt auf den Sonnenaufgang. Einige von ihnen sitzen andächtig im Gras und blicken still auf die Front des Tempels, dessen lotusartige Türme sich langsam vom Licht des Morgenhimmels abheben.

Ob der berühmteste Komplex Angkor Wat, die mystischen Ruinen von Angkor Thom mit ihren markanten Gesichter-Türmen oder Ta Prohm mit seinen Baumwurzeln, die allerorts die alten Mauern überwuchern: Noch können Reisende die einmaligen Anlagen so erleben, wie sie sich wohl vor 100 Jahren präsentierten. Wild, rätselhaft - und ohne Selfie-Sticks und Massenandrang.

Bilder von leeren Tempeln sorgen für Ungläubigkeit

«Jetzt ist wohl die beste Zeit, um die Tempel zu besichtigen, weil es noch so ruhig ist», sagt Dennis de Groot, Generalmanager des Raffles Grand d'Angkor. Das älteste und berühmteste Hotel von Siem Reap hat im Juni gleichzeitig mit seiner Wiedereröffnung nach der Pandemie seinen 90. Geburtstag gefeiert.

«Wenn ich Leuten zu Hause Bilder von den leeren Tempeln schicke, dann können sie es kaum glauben», sagt der Niederländer. Aus seiner Sicht ist die geringe Gästezahl vor allem auf die gestiegenen Preise für internationale Flüge zurückzuführen.

«Zwei Jahre lang gab es fast gar keinen Tourismus in Angkor. Jetzt geht es zwar wieder los, aber nur sehr schleppend», sagt auch Nick Ray, Autor des «Lonely Planet»-Reiseführers Kambodscha.

Bis Ende des Jahres werden wieder mehr Gäste aus vielen anderen Ländern erwartet. «Die Branche ist einigermaßen optimistisch», sagt Ray. Der Dezember und Januar gelten mit trockenem Wetter und angenehmen Temperaturen als beste Reisezeit für die Region.

Sicherer unterwegs auf den Straßen Siem Reaps

Was sie vorfinden werden, mag viele überraschen. Die Regierung Kambodschas hat die touristenlose Zeit genutzt, um Siem Reap ein Makeover zu verpassen. Umgerechnet rund 150 Millionen Euro wurden investiert, Straßen neu zu asphaltieren, bessere Gehwege zu schaffen, neue Laternen und Ampelanlagen einzurichten und ein modernes Entwässerungs- und Abwassersystem zu installieren.

Wer Siem Reap in den Jahren vor der Pandemie gekannt hat, erlebt tatsächlich eine Überraschung. Das Städtchen ist viel sauberer, die Straßen sind breit und schlaglochfrei. Es gibt breite Bürgersteige. Neue Radwege führen bis zu den wenige Kilometer entfernten Tempeln.

Der friedliche Siem Reap River, der durch den Ort fließt und früher von Müll fast verstopft war, glänzt abfallfrei in der Sonne. Die Pub Street mit ihren zahlreichen Kneipen gibt es zwar weiterhin, aber in anderen Stadtteilen warten coole Cafés und schicke Boutique-Hotels auf Gäste mit gehobeneren Ansprüchen.

Und genau auf diese Besucherinnen und Besucher hoffen die Behörden in Kambodscha nun - ebenso wie in anderen Touristen-Hotspots dieser südostasiatischen Region, darunter Thailand und Vietnam.

Weg vom reinen Bucketlist-Reiseziel

Einig scheinen sich Hoteliers und Reiseveranstalter vor allem in einem Punkt: Angkor und Siem Reap sollen künftig mehr sein als eine einmalige Lebenserfahrung, mehr sein als ein reiner Bucketlist-Trip. Stattdessen wollen sie die Region in ein Reiseziel verwandeln, in das Touristen wiederkehren und in dem sie länger verweilen als nur zwei bis drei Nächte und dann weiterreisen.

Dazu sollen auch neue Attraktionen beitragen: ein Botanischer Garten, ein Aquarium, Golfplätze, Ziplining, Exkursionen ins landschaftlich herrliche Umland und ein Elefantenreservat. Hier sollen einst für Tempelbesuche missbrauchte Dickhäuter ihren Lebensabend genießen, nachdem touristische Elefantenritte 2019 verboten wurden.

Es gibt auch Überlegungen, das Eintrittskarten-Modell für die Tempel zu verändern. Bisher haben sich besonders größere Besuchergruppen auf die drei wichtigsten Tempel konzentriert und diese an einem einzigen Tag «abgearbeitet»: Angkor Wat, Bayon und Ta Prohm. Die Folge ist Massenandrang an den Haupttempeln.

In Zukunft könnte es Tickets geben, mit denen Gäste pro Tag nur einen der drei großen Tempel erkunden dürfen. Um sie alle zu sehen, müssten sie mindestens drei Tage bleiben. Dass die Tempel weniger überfüllt werden, ist natürlich nur ein Teil der Rechnung. Der zweite Teil: Mehr Übernachtungen würden dem gesamten Tourismussektor nutzen.

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