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Wie bereite ich den Hund auf den Büroalltag vor?

Berlin/Potsdam (dpa/tmn)

Viele Familien haben sich in der Corona-Zeit Welpen angeschafft. Die kennen das Alleinebleiben noch nicht - und ältere Hunde sind aus der Übung. Mit der Rückkehr ins Büro muss nun eine Strategie her.

Von Marie von der Tann, dpa

Um das stufenweise Alleinsein des Hundes zu trainieren, sollte der Vierbeiner zunächst eine Komfortzone mit Decke oder Hundebett bekommen, wo er sich gerne aufhält und entspannt. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Plötzlich nicht mehr allein zu Hause: Homeoffice machte möglich, dass Haustiere und ihre Besitzer den ganzen Tag miteinander verbringen konnten. Für Hunde ein Jackpot, denn sie sind schließlich äußerst ungern ohne Gesellschaft.

Inzwischen holen viele Firmen ihre Mitarbeiter zurück in die Büros, Hunde müssen sich also wieder temporär von ihren Herrchen trennen. Wie bringe ich das meinem Hund nach eineinhalb Jahren vorsichtig bei - und welche Alternativen gibt es? Fünf Fragen und Antworten.

Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich meinen Hund allein zu Hause lasse?

«Nicht unbedingt», sagt Ulrike Seumel, Trainerin für Menschen mit Hund aus Potsdam. «Es ist von Hund zu Hund verschieden: Manche genießen das Alleinsein über ein paar Stunden sogar, weil sie dann entspannt schlafen können.» Viele Hunde möchten aber gerne bei ihren Menschen sein, schließlich sind sie eng an ihren Besitzer gebunden.

Ein ganzer Arbeitstag ist allerdings in der Regel zu lang - für Blase und Psyche. Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten empfiehlt, einen Hund nicht länger als vier Stunden allein zu lassen. Seumel hält fünf bis sechs Stunden für machbar, wenn der Hund daran gewöhnt ist.

Mein Hund war noch nie allein, wie bringe ich es ihm bei?

«Das Training erfolgt stufenweise», sagt Seumel. Erstmal brauche der Hund eine Komfortzone in der Wohnung. Das kann eine Decke, ein Hundebett oder eine Box sein, die positiv behaftet ist - wo er sich freiwillig aufhält, entspannt ist und sich beschäftigen kann. «Im nächsten Schritt sollte das Tier lernen, dass man nicht immer ansprechbar ist», so die Hundetrainerin. Denkbar ist zum Beispiel, den Hund immer gezielt zu ignorieren, wenn man am Schreibtisch sitzt.

«Ignorieren heißt dabei aber wirklich ignorieren und nicht, ihn wieder zurück auf die Decke zu schicken oder «Nein» zu sagen, wenn er Aufmerksamkeit einfordert.» Dabei kann ein Kindergitter helfen. Als nächstes wird eine Zimmertür geschlossen und der Hund im Raum allein gelassen. Klappt das, ist es Zeit für Vorbereitungen zum Rausgehen: Schuhe anziehen, Schlüssel einpacken, auf die Toilette gehen. «Manche Hunde haben hier einen spezifischen Auslöser», sagt Seumel. Merkt man das, kann man daran arbeiten.

Wenn auch Anziehen und Co. ohne Randale funktionieren und der Hund entspannt ist, können Halter erstmals die Wohnung verlassen. «Ich empfehle, den Hund dabei über einen Videoanruf oder eine Kamera zu beobachten. Denn auch wenn er nicht bellt und nichts kaputt macht, kann er sehr gestresst sein», rät Seumel.

Das erkenne man daran, dass er unruhig ist, hechelt oder sich die ganze Zeit umsieht. Dann muss man einen Schritt zurück gehen und noch einmal an der temporären Trennung in der Wohnung arbeiten, rät sie. In der Regel gibt es aber mit dem Haus verlassen keine Probleme mehr, wenn die Schritte zuvor funktionieren.

Trotzdem sollten die ersten Male Alleinlassen natürlich nicht zu lang sein. Es sei außerdem empfehlenswert, sich nicht weit von der Wohnung zu entfernen, so Seumel. So ist man schnell wieder zurück, wenn etwas schief geht. Um einen positiven Lerneffekt zu erreichen, ist das Ziel, zurück zu sein, während der Hund entspannt ist. Den Emotionen kann man dann freien Lauf lassen: «Dann darf und sollte er fröhlich begrüßt werden.»

Sollte ich nach eineinhalb Jahren auch noch einmal mit einem älteren Hund üben?

«Ja», sagt Seumel. «Mit älteren Hunden geht man dieselben eben beschriebenen Schritte durch.» In der Regel werde es aber sehr schnell gehen, wenn der Hund das Alleinbleiben früher schon problemlos gemeistert hat.

Wie schaffe ich es, dass mein Hund mit ins Büro darf?

«Es lohnt sich immer zu fragen und mit den Vorgesetzten darüber zu sprechen, ob man seinen Hund mitbringen darf», so Sarah Ross von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. «Ein Hund am Arbeitsplatz wirkt stressmindernd und kann das gesamte Arbeitsklima positiv beeinflussen.»

Doch es sind nicht immer die rationalen Argumente, die zählen. Markus Beyer vom Bundesverband Bürohund (BVBH) weiß, dass man sensibel vorgehen muss: «Das Thema ist hochemotional. Einige Kollegen haben Angst vor Hunden, andere Angst vor Veränderung und lehnen deshalb Hunde ab, wieder andere haben Allergien.»

Auf alle Hundeskeptiker müsse man zugehen und sie fragen: «Was müsste passieren, dass Hunde für dich okay wären.» Das könne beispielsweise eine Leinenpflicht in Gängen sein oder eine Sanktion für Halter, deren Hunde sich nicht wie abgesprochen benehmen. Für Allergiker muss es außerdem die nötige Sicherheit geben, nicht mit den Hunden in Berührung kommen zu müssen. Das könne man regeln, indem man zum Beispiel Konferenzräume oder Aufzüge in «Hunde erlaubt» und «Hunde nicht erlaubt» aufteile.

In der Regel muss die Entscheidung für oder gegen Hunde aber von der Unternehmensführung kommen. Überzeugen müsse man deshalb vor allem die Personalabteilung und den Chef. Hier könnten wiederum rationale Argumente wie «Der Arbeitsplatz wird attraktiver und die Bewerbungen besser» oder «Hundebesitzer sind dann eher mal dazu bereit, Überstunden abzuleisten, denn der Hund wartet nicht sehnsüchtig zuhause» helfen.

Mein Hund bleibt nicht allein und darf nicht mit ins Büro - was kann ich tun?

Manchmal hilft alles nichts, der Hund bleibt im Büro verboten und jegliches Alleinbleibe-Training fruchtet nicht. Oder man möchte den Hund einfach nicht mitnehmen oder allein lassen - auch dafür gibt es gute Gründe. Der Hund hat im Büro und beim Alleinbleiben Stress, zum Beispiel. Oder man kann ihm nicht genügend Auslauf bieten. Dann ist etwa eine Fremdbetreuung denkbar. Aber wie finde ich die?

Hundetrainerin Seumel rät, darauf zu achten, dass ein Hundesitter die gleichen Werte vertritt und ähnlich mit dem Hund umgeht wie man selbst. «Mir wäre zum Beispiel wichtig, dass er keine Gewalt anwendet und Bedürfnisse wahrnimmt.» Handelt es sich um einen Dogwalker mit einer größeren Gruppe von Hunden, sei es immer ein gutes Zeichen, wenn dieser einen zu einem Probespaziergang mit der Gruppe einlädt. «So können sich Hunde und Menschen kennenlernen und der Walker kriegt einen Eindruck vom Charakter des Tieres.»

Ähnliches gilt für die Wahl einer Hunde-Tagesstätte. Hier unbedingt die Einrichtungen besichtigen und schauen, wie sie Hund und Besitzer gefallen. Gute Empfehlungen können meist andere Hundebesitzer geben. Da gute Einrichtungen und Walker beliebt sind, sollte man mit Vorlauf nach einer Betreuung suchen, so Seumel. Ebenfalls eine Idee ist es laut Vier Pfoten, sich mit anderen Hundebesitzern zusammen zu tun und gegenseitig die Tiere zu betreuen.

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