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Sport in Corona-Zeiten: Vor einem Flickenteppich wird ausdrücklich gewarnt

Appell für Kinder- und Jugendtraining

Halle. (WB). Die Präsidenten der Regional- und Landesverbände im Deutschen Fußball-Bund (DFB) haben sich gemeinsam mit DFB-Präsident Fritz Keller nachdrücklich dafür ausgesprochen, bundesweit den Trainingsbetrieb im Amateursport wieder zuzulassen. Der an die Politik gerichtete Appell bezieht sich in erster Linie auf die Möglichkeit des organisierten Sporttreibens für Kinder und Jugendliche unter freiem Himmel und schließt dabei ausdrücklich nicht nur den Fußball ein. Genau diesen Schritt hat Mecklenburg-Vorpommern bereits eigenmächtig vollzogen. Hier dürfen Vereine Nachwuchstraining anbieten.

Stephan Arend

Geht es nach DFB-Präsident Fritz Keller und den Landesverbänden sollen Kinder und Jugendliche draußen trainieren dürfen, so wie in Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Jens Horstmann

DFB-Präsident Fritz Keller erklärt: „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, für die Gesundheit, die Gesellschaft und nicht zuletzt für unsere Kinder. Nach allen bisher vorliegenden Erkenntnissen und Zahlen birgt die Ausübung von Freiluftsport – auch in Mannschaftssportarten – kaum ein Ansteckungsrisiko.“ Zudem gibt Keller zu bedenken, dass aktiver Sport verschiedene gesundheitsförderliche Aspekte stärke und eine hohe gesellschaftliche und soziale Bedeutung habe, ohne in diesen schwierigen Zeiten für eine erhöhte Gefährdung zu sorgen. „Vor diesem Hintergrund und in Verbindung mit den bewährten Hygienekonzepten ist es wichtig, vor allem Kindern und Jugendlichen schnell wieder die Möglichkeit zu bieten, ihren Bewegungsdrang gemeinsam im sportlichen Trainingsbetrieb auszuleben. Sport ist wichtiger denn je.“

Holger Bellinghoff, Vizepräsident Jugend im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen, ergänzt: „Wir unterstützen die gemeinsame Bestrebung vollumfänglich. Die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs entspricht vieler Rückmeldungen von Vereinen und Eltern, die sich mit dieser Bitte an uns gewandt haben.“

Es gibt auch Bedenken

Natürlich befürwortet auch BV Werthers Jugendleiter Holger Margenau die schnellstmögliche Rückkehr der Kinder und Jugendlichen auf den Trainingsplatz. „Organisatorisch ist das überhaupt kein Problem schnell zu reagieren, da die Trainer und Spieler alle gut miteinander vernetzt sind. Und ich sehe auch keine Gefahr, wenn nur trainiert wird und nicht zu Auswärtsspielen durch den Kreis gefahren wird.“ Auf der anderen Seite gibt Margenau mit Blick auf andere beschränkte Freizeitmöglichkeiten zu Bedenken: „Wir sind eine Solidargemeinschaft und müssen Vorbild sein.“ Wichtiger als die Frage, ob wieder trainiert werden darf, ist für BV Werthers Jugendleiter eine einheitliche Lösung statt eines Flickenteppichs. Davon, dass einzelne Bundesländer vorpreschen, hält er überhaupt nichts und glaubt, dass darunter die Akzeptanz für Einschränkungen leidet. Außerdem sieht Margenau noch ein ganz anderes Problem für Vereine in Grenzgebieten: „Wenn zum Beispiel in Niedersachsen der Trainingsbetrieb erlaubt ist, in Nordrhein-Westfalen aber nicht, kann es durchaus sein, dass ein Jugendspieler des TuS Solbad zur TSG Dissen wechselt, weil er ja dort trainieren darf.“

Auch SC Peckelohs Jan Fahrenwald sieht den Vorstoß differenziert. „Für die Kinder freue ich mich, wenn sie ihrem Bewegungsdrank nachkommen können – gerade für die, die in einer Wohnung ohne Garten und vielleicht auch ohne Balkon leben, ist das Training wichtig.“ Fahrenwald sieht auf dem Platz auch keine Ansteckungsgefahr. Der Fußball-Obmann und Jugendtrainer gibt aber zu bedenken: „Andere Bereiche wie das Hotel- und Gaststättengewerbe sind trotz guter Hygienekonzepte auch dicht. Es sollte doch möglich sein, dass sich alle bundesweit vier Wochen einschränken.“ Fahrenwald sieht bei unterschiedlichen Regelungen ebenfalls Akzeptanz-Probleme.

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