1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Lokalsport
  4. >
  5. Halle
  6. >
  7. Das Zeitfenster wird immer kleiner

  8. >

Wie viel Vorbereitung brauchen die Fußballer? Davon hängt ab, ob die Fortsetzung des Spielbetriebes realistisch ist

Das Zeitfenster wird immer kleiner

Bund und Länder haben sich auf eine Verlängerung des Lockdowns um drei weitere Wochen geeinigt. Für die Zeit danach sollen Perspektiven aufgezeigt werden. Das betrifft auch den Amateursport. Die Beschlüsse der Bund-Länder-Beratungen sind in diesem Punkt aber vage geblieben.

wn

Ob Westfalenligist SC Peckeloh oder Landesligist Spvg. Steinhagen in dieser Saison noch einmal spielen, steht mehr denn je in den Sternen. Foto: Sören Voss

Altkreis (WB/star). Die Appelle der Sportminister-Konferenz, den Sport bei den kommenden Lockerungen zu berücksichtigen (befürwortet wurde ein stufenweises Vorgehen zur vollumfänglichen Wiederaufnahme des Sportbetriebs im Einklang mit den Zielen des Gesundheits- und Infektionsschutzes), sind damit nicht erhört worden. Denn weitere Öffnungsschritte sollen dem Beschluss zufolge erst bei einer Inzidenz von höchstens 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb einer Woche erfolgen. Ziel sei eine sichere und gerechte Öffnungsstrategie.

Erst die Kinder

Entscheidend für die heimischen Sportler wird sein, was in diesem Zusammenhang in der neuen Corona-Schutzverordnung des Landes NRW für den Sport festgelegt wird. Der Landessportbund hatte in Gesprächen mit der Landesregierung ein Stufenmodell zur Öffnung des Sportbetriebes vorgestellt. Außerdem hatte der LSB gefordert, den Vereinssport für Kinder und Jugendliche am Kita-und Schulbetrieb auszurichten (WB vom 5. Februar). Manfred Schnieders, Vizepräsident des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen, bestätigte am Donnerstag gegenüber dem Online-Portal FuPa Gespräche mit der Politik: „Eine Entscheidung gibt es jedoch noch nicht.“ Klar sei aber, dass die Rückkehr zum Training schrittweise und unter den bekannten Hygiene-Auflagen erfolgen muss. Schnieders betonte zudem, dass ein Trainingsbeginn der Senioren dem der Kinder „nachgeordnet“ sei.

Vor allem wegen der Ausbreitung von ansteckenderen Varianten des Coronavirus müssen Millionen Freizeit-Sportler weiter auf ihren Trainings- und Wettkampfbetrieb verzichten. Wegen des anhaltenden Stillstands hatten Sport-Dachverbände immer wieder auf die wachsenden Sorgen der Vereine hingewiesen, die Rückgänge bei Mitgliedern und beim Engagement im Ehrenamt befürchten bzw. bereits verzeichnen.

Der Handballverband Westfalen hatte schon zuvor die reguläre Saison abgebrochen und stattdessen freiwillige Pokal- und Aufstiegsrunden ab April oder Mai in Aussicht gestellt. Die nächste virtuelle Konferenz ist nun für kommenden Donnerstag geplant. Während sich die heimischen Volleyballer schon vor einigen Wochen für eine Fortsetzung der Saison ausgesprochen und die nächste Verbandstagung für den 2. März angesetzt ist, ist die Saison der Badminton-Spieler bereits ohne Wertung abgebrochen worden.

Baumanns Rechnung

Ziel der heimischen Fußballer bleibt es, dass mindestens 50 Prozent der Spiele einer Staffel ausgetragen werden und dann die Serie gewertet werden kann. Solange das bis zum 30. Juni möglich ist, soll die Saison in Westfalen nicht abgebrochen werden. Laut Markus Baumann, Vorsitzender des Fußballkreises Bielefeld, müsste nach den Osterferien ab dem 11. April, aber spätestens am 18. April wieder um Punkte gekickt werden, um die Spielzeit ohne Probleme mit Auf- und Absteigern zu beenden. Baumann selbst zeigte sich schon vor den jüngsten Bund-Länder-Gesprächen skeptisch: „Ich glaube, das wird nichts mehr. Schon bei einem Inzidenzwert von 35 haben wir schließlich im Herbst über eine Unterbrechung der Saison nachgedacht.“

Die jüngsten Beschlüsse und die nur vagen Aussagen für den Amateursport verbreiten keinen neuen Optimismus: „Im Sommer trainieren die Vereine nach vier Wochen wieder und bereiten sich sechs Wochen auf die Saison vor. Jetzt ruht der Spielbetrieb schon länger als vier Monate.“ Baumann stellt folgende Rechnung auf: Um mindestens vier Wochen Vorbereitungszeit zu haben, müsste Mitte März ein vollumfängliches Mannschaftstraining möglich sein. Für ihn ein nicht realistisches Szenario.

Westfalen

Auch für FLVW-Vizepräsident Manfred Schnieders ist die Länge der Vorbereitungszeit maßgeblich dafür entscheidend, ob der Ligabetrieb noch einmal aufgenommen werden kann: „Wenn die Mehrheit sagt, sie benötige beispielsweise sechs bis acht Wochen Vorbereitung, dann muss allen klar sein, dass wir die Spielzeit wahrscheinlich abbrechen müssen. Reichen zwei bis vier Wochen aus, könnten wir eventuell noch 50 Prozent aller Partien spielen.“ Die Befragung der Vereine soll möglichst schnell in den überkreislichen Spielklassen und den Kreisen durchgeführt werden.

Hessen

Ein Blick über die Landesgrenze zeigt, dass viele Amateur-Fußballer und Funktionäre noch guter Dinge sind, eine Spielzeit mit Wertung durchführen zu können. „Während unserer jüngsten Online-Konferenz waren sich alle 32 Kreisfußballwarte und die Mitglieder des Verbandspräsidiums einig, dass wir die Hinrunde abschließen und damit Auf- und Absteiger ermitteln wollen. Dabei würden wir auch den Kompromiss eingehen, dass ohne Zuschauer gespielt wird“, sagt Stefan Schindler, Kreisfußballwart des hessischen Fußballkreises Hofgeismar-Wolfhagen. Ein Vorteil in seinem Sportkreis seien die kleine Staffeln mit nur 14 oder 15 Mannschaften: „Die meisten Teams haben nur noch fünf oder sechs Spiele vor sich, um die Hinrunde abzuschließen“, so Schindler schon vor den Bund-Länder-Beschlüssen am Mittwoch, die nichts an dieser Ausgangslage geändert haben.

Niedersachsen

Gleiches gilt beim Blick nach Niedersachsen. „Es ist alles sehr bedauerlich. Mein Telefon klingelt inzwischen aber nicht mehr so häufig. Wir können ja im Moment auch nichts machen. Klar ist, dass wir die Saison unbedingt sportlich zu Ende bringen wollen. Und ich denke, die Chance dafür ist noch immer gegeben. Wir in Niedersachsen hätten die Option, die Spielzeit vom eigentlichen Endtermin 30. Juni bis zum 21. Juli zu verlängern“, sagt August Borchers, Vorsitzender des Fußballkreises Holzminden.

In dieser Kreisliga spielen zum Beispiel nur zwölf Mannschaften. Es haben alle Teams schon sieben oder acht Partien absolviert. Spätester Termin der Wiederaufnahme wäre Ende April, Anfang Mai. „Auch weil es bei uns wahrscheinlich keinen Kreispokal-Wettbewerb geben wird, könnten wir das Programm noch gut durchziehen“, so Borchers. Interessant ist auch die ganz andere Ausgangslage im Vergleich zu Westfalen. So sei eine Annullierung der Saison kein Thema. Borchers: „Wenn es zum Abbruch kommen sollte, läuft es wie im vergangenen Jahr – dann werden die Auf- und Absteiger mit Hilfe der Quotienten-Regelung ermittelt. Und das auch, wenn nicht 50 Prozent der Spiele erreicht werden sollten.“

Angesichts dieser Gemengelage sorgt eine Einschätzung des Landessportbundes Niedersachsen (LSB) für Aufregung - auch und vor allem bei den Fußballern. Der LSB war von der Landesregierung dazu aufgefordert worden, Stellung zu einer möglichen stufenweisen Lockerung im Sport zu beziehen. Der dreistufige LSB-Plan sieht erst im letzten Schritt ab dem 23. Juli die Rückkehr zum Kontaktsport und gewohnten Sportbetrieb vor. „Zu diesem Zeitplan des LSB, der für uns weder plausibel noch akzeptabel ist, sagen wir in aller Deutlichkeit nur ein Wort. Und dieses heißt: Nein“, äußerte Günter Distelrath, Präsident des Fußball-Verbandes Niedersachsen, verärgert deutliche Kritik.

Hamburg

Wie unterschiedlich die Situation deutschlandweit eingeschätzt wird, unterstreicht das Beispiel Hamburg. Schon in der vergangenen Woche hat sich dort der Fußballverband für den Abbruch der Saison entschieden. Das Aus soll bei einem außerordentlichen Verbandstag im März besiegelt werden.

Startseite