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Verbandspräsident Robert Hampe fordert die Rückkehr auf die Tennis-Plätze - zumal in Niedersachsen gespielt wird

„Eine Lösung muss schnell her“

Altkreis

Seit fast dreieinhalb Monaten darf in den Tennishallen Nordrhein-Westfalens kein Ball mehr geschlagen werden. Ein mittlerweile „untragbarer Zustand“, findet WTV-Verbandspräsident Robert Hampe. Er richtet einen eindeutigen Appell an die Politik und fordert zeitnahe Konzepte für das Ermöglichen des Tennissports in Westfalen und ganz NRW: „Eine Lösung muss schnell her.“

Stephan Arend

Kindertraining mit Profis - ein Bild aus den „guten, alten Zeiten“ vor Corona. Derzeit darf in NRW gar nicht Tennis gespielt werden. Foto:

Eine von den NRW-Tennisverbänden unterstützte Klage vor dem Oberverwaltungsgericht Münster gegen das Verbot von Hallentennis hatte im Dezember keinen Erfolg. Hampe verweist auf den in der vergangenen Woche vom Landessportbund NRW veröffentlichten Stufenplan (das WB berichtete bereits). „Dieser zeichnet ein realistisches Szenario, wie eine Rückkehr in den Vereinssport gelingen kann – auch für die Individualsportart Tennis. Diesem Vorschlag darf die Politik nicht ausweichen, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit nicht verlieren will“, so der langjährige Verbandspräsident. Er befindet sich in stetigem Austausch mit den Behörden, ist das ständige Vertrösten allerdings leid.

Einzel: keine Gefahr

Ähnlich sieht es der neue DTB-Präsident Dietloff von Arnim. Der Düsseldorfer erläuterte in einem Interview, dass man die Politik überzeugen müsse. „Wir müssen deutlich machen, dass wir Teil der Lösung und nicht Teil des Problems sind. Von einem normalen Einzelspielbetrieb im Tennis geht keine Gefahr aus. Es gibt, vor allem auch bei Kindern und Jugendlichen, einen großen Bedarf an Bewegung. Dem wollen wir Rechnung tragen und müssen nun daran arbeiten, die Politik davon zu überzeugen.“

Vielen heimischen Tennisspielern fällt es auch deshalb schwer, das Hallentennis-Verbot in NRW zu akzeptieren, weil in anderen Bundesländern gespielt werden darf. Der WTV berichtet von zahlreichen Spielern, die aus dem Ruhrgebiet und aus Ostwestfalen nach Niedersachen und aus dem Sauerland ins benachbarte Hessen fahren - und den Tennishallen dort florierende Umsätze bescheren würden. Wartezeiten von drei Wochen seien die Regel, während wenige Kilometer entfernt in NRW Tennisschulen und Hallenbetreiber um ihre Existenz bangen.

Jeden Tag Training

Ein Paradebeispiel ist der größte heimische Verein TC Blau-Weiß Halle. Viele (Nachwuchs-) Spieler nutzen auch im Winter das Angebot der Breakpoint-Akademie, die eigentlich Training im Sportpark Halle anbietet. Dort ruht zwar seit Ende Oktober der Spielbetrieb. Doch die Übungseinheiten finden dennoch statt - im benachbarten Niedersachsen. „Wir trainieren dort jeden Tag - am Wochenende elf Stunden auf drei Plätzen, an den anderen Tagen drei bis sechs Stunden auf ein bis zwei Plätzen“, berichtet Breakpoint-Coach Christopher Koderisch. So schlagen mit ganz wenigen Ausnahmen alle 60 Trainingsteilnehmer weiterhin auf. „Auch die Eltern ziehen mit und nehmen für eine Stunde Tennis in manchen Fällen zwei Stunden Fahrt in Kauf. Manche Kinder kommen mit der Erlaubnis der Schule auch morgens, wenn sie zum Beispiel keine festen Online-Unterrichtszeiten haben“, sagt Koderisch. Eigentlich ist nur Einzeltraining erlaubt. Geschwister-Kinder dürfen aber auch zu zweit auf dem Platz stehen. Das erleichtere die Planung und die Zusammenstellung der Gruppen. Für hauptberufliche Trainer wie Koderisch bedeutet der Umzug nach Niedersachsen zwar mehr Aufwand (Organisation, Fahrtzeiten) für weniger Stunden. Doch es überwiegt die Erleichterung, weiterhin den Beruf ausüben zu können: „Ich bin sehr zufrieden und mir ist bewusst, dass andere Berufsgruppen derzeit gar nicht arbeiten dürfen.“So wie der 78-jährige Vater von Christopher Koderisch derzeit regelmäßig über die Landesgrenze fährt, um seinem Hobby Tennis nachzugehen, buchen auch Spieler aus den heimischen Vereinen teils mit langem Vorlauf freie Hallenplätze in Osnabrück und Umgebung.

Großes Fragezeichen

Dass in NRW noch in dieser Wintersaison in der Halle gespielt werden darf, das ist zumindest fraglich. Die Hoffnungen der knapp 300.000 Tennisspieler in NRW richten sich vor allem auf die Sommer-Saison. Viele Vereine wollen ihre Plätze schon im März bespielbar machen, sofern es dann das Wetter zulässt. „Wie es geht, coronakonform Tennis zu spielen, haben die Vereine und ihre Mitglieder bereits im vergangenen Sommer gezeigt. Mit der Verantwortung, schon Anfang Mai 2020 als eine der ersten Sportarten wieder auf die Plätze zu dürfen, wurde hervorragend umgegangen“, so Robert Hampe in der Erklärung auf der WTV-Seite.

Früh draußen starten

Christopher Koderisch glaubt nicht, in den kommenden Wochen Training in der heimischen Halle anbieten zu können. Vielmehr setzt er darauf, dass möglichst früh wieder draußen gespielt werden darf und kann. Von kühleren Temperaturen im Frühjahr werden sich seine Schützlinge auf alle Fälle nicht abschrecken lassen. Schließlich haben sie noch im November draußen trainiert, bevor die verschärften Lockdown-Bedingungen in NRW auch das unmöglich gemacht hatten.

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