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Volleyball: Interview mit SC Halles Aufstiegstrainer Bori Rzeha

Etwas Spritgeld und viel Idealismus

Haller Wand: Dennis Luckas und Aaron Geiß blocken diesen Angriffsversuch. Das wird in der Oberliga ungleich schwieriger. Foto: Anna Rzeha

Halle  (WB). Die Volleyball-Herrenmannschaft des SC Halle hat mit dem Oberliga-Aufstieg den größten Erfolg der Vereinsgeschichte perfekt gemacht. Im großen WESTFALEN-BLATT-Interview blickt Trainer Bori Rzeha auch auf die Anfänge der Mannschaft zurück, verrät das Erfolgsgeheimnis und macht sich Gedanken über die Zukunft der Abteilung.

Ihre Kinder spielen selbst, auch Ihre Frau war Trainerin. Die gesamte Familie Rzeha scheint vom Volleyball-Virus infiziert zu sein. Gibt es bei Familientreffen eigentlich auch andere Themen?

Bori Rzeha: Volleyball ist schon ein großes Thema in unserer Familie. Auch die Enkel sind mit ihren vier und sieben Jahren in einem Alter, in dem sie bei den Spielen auf der Tribüne dabei sind und ihre ersten Schläge ausprobieren. Sie sind schon richtige Fans von Nationalspielerin Louisa Lippmann, mit der meine Tochter Anna befreundet ist. Aber wir haben natürlich auch andere Themen wie zum Beispiel das Café im Böckstiegel-Museum, das Anna kürzlich übernommen hat.

Der Aufstieg der Herren-Mannschaft in die Oberliga ist der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Wie fühlt sich dieser mit etwas Abstand an?

Rzeha: Ich bin stolz, weil wir zehn Jahre darauf hingearbeitet haben. Die Betonung liegt auf wir. Das war eine Teamleistung. Ich habe mir auch von anderen Trainern wie zum Beispiel von Susanna Turner etwas abgeguckt und den Kontakt zu Verbandstrainer Peter Pouri gesucht. Seit 2016 leite ich das Training gemeinsam mit meinem Schwiegersohn Dennis Luckas, der bei Post SV Bielefeld auch in der 2. Bundesliga gespielt und eine Menge Erfahrung hat.

Wie und wann hat die Erfolgsgeschichte des Teams begonnen?

Rzeha: Die hat 2009 in der Kreisliga mit Anfängern begonnen. Wir sind mit Jugendlichen als dritte Mannschaft angetreten, waren zu Beginn nur sechs Spieler, so dass keiner ausfallen durfte. Am Anfang waren aus der heutigen Mannschaft schon Maximilian Köhne und Philip Rosenthal dabei. In der zweiten Saison ist dann Cedric Dessin dazugekommen. Wie die anderen auch hatte Maxi Köhne in der Schule die ersten Berührungspunkte mit Volleyball. Sein damaliger Sportlehrer kam kurz zuvor aus Bulgarien und hat zu ihm gesagt: »Ich sprechen besser deutsch als du spielen Volleyball.«

Wie hat sich die Mannschaft in den Jahren personell verändert?

Rzeha: 2016 haben wir die besten Spieler aus der ersten und zweiten Mannschaft zu einem Team zusammengefasst, nachdem wir uns zuvor in der Landesliga im Aufstiegsrennen gegenseitig die Punkte weggenommen hatten. Außerdem haben sich in den Jahren viele Spieler aus anderen Vereinen dem SC Halle angeschlossen. Aaron Geiß und Tejas Kosfeld sind aus Steinhagen gekommen, Dominik Rzeha vom Post SV Bielefeld, Johannes Katzer aus Paderborn, Nico Schlüter und Michel Thies aus Asemissen. David Rietz hat in Delbrück sogar etwas Zweitliga-Erfahrung gesammelt. Und Henning Herrndörfer, der zuvor für Post SV Bielefeld gespielt hat, hat als Kapitän eine Schlüsselrolle in unserer Mannschaft.

Muss die Mannschaft verstärkt werden, um in der Oberliga mithalten zu können?

Rzeha: Der Sprung von der Verbandsliga in die Oberliga ist in der Tat sehr groß, größer als zum Beispiel der Sprung von der Landesliga in die Verbandsliga. Es gibt ein, zwei Kandidaten, die Interesse haben, zum SC Halle zu wechseln. Und natürlich ist es rein sportlich wichtig, dass wir uns verstärken. Das würde aber auch bedeuten, dass einige Spieler, die den Aufstieg erkämpft haben, ihren Stammplatz verlieren würden. Darüber müssen wir mit allen Beteiligten sprechen und die richtige Balance finden.

Ein Beispiel für Oberliga-Sport im Altkreis Halle sind die erfolgreichen Loxtener Handballer. Deren Spiele verfolgen 500 bis 800 Zuschauer. Wie groß ist das Interesse am Volleyball auf ähnlichem Niveau?

Rzeha: Das kann man nicht vergleichen. Bei uns wird kein Eintrittsgeld genommen. Beim Volleyball kommt das Gros der Zuschauer aus der eigenen Abteilung, die Eltern und Geschwister schauen zu. Wir werden versuchen, in der nächsten Saison die Heimspiele der Verbandsliga-Damen und Oberliga-Herren hintereinander zu legen, so dass sich die Spieler gegenseitig unterstützen können. Dazu muss das Damenteam aber erst einmal den Klassenerhalt schaffen.

Wie sieht es finanziell aus. Verdienen Volleyball-Spieler des SC Halle in der Oberliga Geld?

Rzeha: Die Spieler bekommen etwas Spritgeld. Doch das behalten sie nicht für sich selbst, sondern zahlen es in die Mannschaftskasse ein. Das Geld geht dann für eine Feier drauf oder es werden davon Einspielshirts gekauft.

Stimmt der Eindruck, dass Teamgeist groß geschrieben wird?

Rzeha: Auf jeden Fall. Ein gutes Beispiel ist unser »Trainingslager« im Herbst. Die Dänemark-Fahrt hat nicht zuletzt diese Mannschaft wieder aufleben lassen. Da ist viel Idealismus im Spiel. Wir wohnen in Selbstversorger-Häusern, haben zwei drei Trainingseinheiten und verabreden uns mit einem dänischen Zweitligisten zu einem Testspiel.

Welche Änderungen bringt der Oberliga-Aufstieg außer einer größeren sportlichen Qualität mit sich?

Rzeha: Die Schiedsrichter werden zwar vom Verband gestellt. Aber wir müssen in der Oberligasaison mehr als 1000 Euro für sie bezahlen. Außerdem muss unser Verein auch einen Schiedsrichter stellen, der in der Oberliga oder noch höher eingesetzt wird. Zum Glück gibt es jemanden, der das macht. Ansonsten hätten wir weitere 2000 Euro zahlen müssen. Und natürlich steigen in der Oberliga auch die Fahrtkosten.

Sind Sie auch in der nächsten Saison Trainer der Oberliga-Mannschaft?

Rzeha: Ich habe selbst nicht in diesen hohen Klassen gespielt und nur selten »richtige« Trainer gehabt. Es war zum Beispiel in dieser Saison wichtig, dass Henning Herrndörfer mit seiner Erfahrung viele taktische Dinge auf dem Feld geregelt hat. Ich trete gerne ins zweite Glied zurück und stehe als Co-Trainer zur Verfügung, wenn sich ein geeigneter Trainer finden würde. Doch es wird schwierig, einen solchen Coach zu finanzieren.

Eine Oberliga-Mannschaft als Aushängeschild allein macht noch keinen erfolgreichen Verein aus. Stimmt auch der Unterbau?

Rzeha: Unsere U16-Mädchen sind in dieser Saison Bezirksliga-Meister geworden. Die zweite Damenmannschaft hat als Kreisliga-Meister den Aufstieg in die Bezirksklasse gefeiert. Und die zweite Herrenmannschaft kann aus eigener Kraft den Wiederaufstieg in die Landesliga schaffen. Auch diese Erfolge sind für die Zukunft wichtig. Unsere Abteilung hat 180 Mitglieder. Wir haben zwei Herren- und zwei Damenteams sowie drei Jugend- und eine Hobbymannschaft. Gerade im Nachwuchsbereich müssen wir uns in Zukunft noch besser und breiter aufstellen.

Kinder und Jugendliche haben bei ihrer Freizeitgestaltung so viel Auswahl wie noch nie. Wie kommen junge Sportler in einen Volleyball-Verein?

Rzeha: Unser Spieler David Rietz ist Lehrer am Evangelischen Gymnasium in Werther. Er bietet am Samstag-Vormittag dort eine Volleyball-AG an. Die Resonanz ist gut, es kommen oft 20 bis 25 Kinder. Um allen gerecht zu werden, wird David von Spielern aus unserem Verein unterstützt. Wir würden gerne auch mit Haller Schulen zusammenarbeiten. Das hängt aber auch davon ab, ob Lehrer oder Schulleitung eine Affinität für Volleyball haben.

Warum sollen Kinder und Jugendliche Volleyball spielen?

Rzeha: Ein früherer Trainer hat einmal gesagt: »Beim Volleyball lernst du so viel für das Leben.« Das stimmt, wenn ich zum Beispiel an Teamfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, Ausdauer und Geduld denke.

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