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So plant der Fußball-Verband: Spielbetrieb pausiert weiter - und keine Turniere bis zum 30. Juni

Frühester Termin für den Re-Start ist April

Altkreis

Der Fußball-Spielbetrieb in den Amateur- und Jugendklassen des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) wird frühestens am 1. April wieder starten. Darauf haben sich die spielleitenden Stellen des Verbandes und der Kreise nun geeinigt. Mit Kommentar

Stephan Arend

Auch die die großen Turniere wie der U8/U9-Cup in Steinhagen müssen in diesem Jahr erneut abgesagt werden. Foto: Nico Seifert

. Grundlage für die Entscheidung ist die aktuelle Verfügungslage sowie ein angemessener Zeitraum zur Vorbereitung der Mannschaften. Bis mindestens zum 14. Februar sind laut der aktuellen Coronaschutzverordnung weder Trainings- noch der Spielbetrieb zulässig. Darüber hinaus rechnen die Verbands- und Kreisfunktionäre nicht damit, dass bereits im März wieder Fußball im Wettkampfbetrieb möglich ist. „Bestenfalls erfolgt dann eine stufenweise Rückkehr auf die Plätze, die zumindest den Trainingsbetrieb ermöglicht“, hofft Manfred Schnieders auf Lockerungen für den Sport im Frühjahr. Eine Garantie für den vorgelegten Zeitplan gebe es allerdings nicht, so der Vizepräsident Amateurfußball.

„Wir können weiterhin nur ‚auf Sicht fahren‘ und müssen darauf hoffen, dass die Inzidenzwerte sinken und Lockerungen für den Breitensport beschlossen werden“, ergänzt Reinhold Spohn, der dem Verbands-Fußball-Ausschuss (VFA) vorsitzt.

Auch der Verbands-Jugend-Ausschuss (VJA) hält einen früheren Re-Start-Termin für ausgeschlossen und setzt alle Meisterschafts- und Pokalspiele bis mindestens zum 31. März ab. Darüber hinaus einigten sich der Verband und die 29 FLVW-Kreise, bis mindestens zum 30. Juni keine Turniere oder ähnliche Sportveranstaltungen zu genehmigen. Somit sind wie schon im Vorjahr internationale Jugendturniere wie die der Spvg. Steinhagen (U8 und U9 am 26./27. Juni bzw. das Mädchenturnier am 19./20. Juni) und des SC Peckeloh (U11-Cup vom 21. bis 23. Juni) ebenso nicht möglich wie der Sparkassen-Cup des SC Halle mit namhaften E-Junioren-Teams aus ganz Deutschland (29./30. Mai). „Seit März 2020 lässt die Coronaschutzverordnung derartige Veranstaltungen mit vielen Menschen nicht zu – trotz zwischenzeitlicher Lockerungen. Auch in diesem Jahr werden wir leider auf Pfingstturniere oder ähnliches verzichten müssen“, bedauert Holger Bellinghoff (Vizepräsident Jugend).

Oliver Erdmann, Jugendleiter der Spvg. Steinhagen, berichtet, dass für die U8/U9-Turniere schon namhafte Teams wie RB Leipzig, Bayer Leverkusen oder Schalke 04 zugesagt hätten. Eine Verlegung nach hinten komme nicht in Frage, weil dann andere Turniere stattfinden und der Terminkalender der Teams schon voll ist. „Uns war bewusst, dass es so kommen kann, und deshalb haben wir nicht fest mit den Einnahmen gerechnet. Doch natürlich fehlen uns jetzt schon im zweiten Jahr eben diese Erlöse für unsere Jugendarbeit“, erklärt Erdmann.

In den kommenden Wochen werden der FLVW und die Kreise den Kontakt zu den Vereinen per Videokonferenz intensivieren. Zudem wird es verschiedene virtuelle Dialog-Formate geben, bei denen Vereine und Verband in den Austausch treten können.

Markus Baumann, Vorsitzender des Fußballkreises Bielefeld, war bei den Beratungen am Donnerstag dabei. Er hat eine klare persönliche Meinung zur Saisonfortsetzung: „Ich glaube, das wird nichts mehr. Schon bei einem Inzidenzwert von 35 haben wir im Herbst über eine Unterbrechung der Saison nachgedacht und diese bei einem Wert von 50 eingestellt. Und natürlich muss sich der Fußball und der Sport allgemein hinten anstellen, solange zum Beispiel die Schulen nicht geöffnet sind.“ Dennoch betont Baumann, dass der Verband zum jetzigen Zeitpunkt die Saison nicht abbrechen kann. Das liege daran, dass im Vorfeld der Serie 2020/21 eventuelle Abbruch-Szenarien in der Spielordnung des Westdeutschen Fußball-Verbandes fest verankert worden seien. Hier heißt es:

1. Können aufgrund der Coronavirus-Pandemie weniger als 50 Prozent der Spiele einer Staffel durchgeführt werden, bleibt das Spieljahr ohne Wertung. Es gibt keine Meister, Auf- oder Absteiger. Zurückziehungen werden berücksichtigt.

2. Kann aufgrund der Coronavirus-Pandemie das Spieljahr nicht beendet werden, sind aber mindestens 50 Prozent der Spiele einer Staffel durchgeführt, so entscheidet der Tabellenstand unter Anwendung einer Quotienten-Regelung über Meister, Auf- und Absteiger.

3. Haben in einer Staffel zwei oder mehrere Mannschaften dieselben höchsten oder niedrigsten Punktzahlen, so findet ein Entscheidungsspiel auf neutralem Platz statt. Bei den Vereinen der anderen Spielklassen finden grundsätzlich Entscheidungsspiele statt.

Würde der FLVW also bereits jetzt die Saison abbrechen, obwohl der Wettkampfbetrieb später doch noch möglich ist, wäre der Verband rechtlich angreifbar. Zudem würde der FLVW den Mannschaften, die Aussicht auf einen Aufstieg haben, diese Chance verwehren. Ebenso könnte der Verband von Vereinen wegen entgangener Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen zur Kasse gebeten werden.

Markus Baumann weist zudem auf unterschiedliche Staffelgrößen hin. Während die Männer-Oberliga mit 21 Teams bei weitem noch nicht einmal die Hälfte der Partien absolviert hat, muss in der Bielefelder Frauen-Kreisliga jedes Team nur noch drei Spiele austragen, um die komplette Hinrunde abzuschließen. „Außerdem gibt es andere Fußballkreise, die kleinere Staffelgrößen haben und die schon viel weiter sind als wir. Wo man es noch schaffen kann, eine Saison mit Wertung hinzubekommen, sollte man es auch versuchen“, sagt Baumann - in dem Wissen, dass dann zum Beispiel die eine B-Liga-Staffel mit Auf- und Absteigern gewertet werden könnte, die Saison in der Parallelgruppe aber annulliert werden müsste.

Masters 2021?

Wie lange Corona auch den heimischen Sport noch im Griff hat, das vermag niemand zu sagen. Die Sehnsucht nach Normalität ist groß. Und natürlich müssen und wollen Vereine und Funktionäre die Zukunft planen. So hat Markus Baumann zum Beispiel schon damit begonnen, die Hallennutzung für die Bielefelder Stadtmeisterschaften Ende des Jahres zu beantragen - hoffentlich nicht umsonst. Baumann: „Bis zu den Stadtmeisterschaften oder dem Masters im Altkreis sind es ja noch mehr als zehn Monate. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass diese Turniere 2021 so ablaufen wie 2019 mit 800 Endrunden-Fans in der Versmolder Sparkassen-Arena oder 1000 Zuschauern in der Vorrunde in Bielefeld.“

Kommentar

Es stimmt: Anders als zum Beispiel die Handballer oder Badminton-Spieler haben die Fußballer bezüglich der Fortsetzung und Wertung der Serie 2020/21 noch keine Planungssicherheit. So fordern nun einige einen sofortigen Abbruch der Saison, andere würden eine Wertung nach nur 50 Prozent der Spiele als unfair empfinden. Beides ist unangebracht. Die Spielordnung für die heimischen Fußballer ist vor der Saison angepasst worden, um für eben jene ungewisse Corona-Zeiten gewappnet zu sein, die nun zeitliche Vorhersagen so schwierig machen. Fußball wird nicht nur auf dem Rasen nach Regeln gespielt. Diese Regeln waren allen Vereinen bekannt, als der erste Anpfiff ertönt ist. Und (ohne Wertung) „abgepfiffen“ wird eben erst dann, wenn 50 Prozent der Partien nicht mehr bis zum 30. Juni ausgetragen werden können. Stephan Arend

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