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Lockerungen für den Amateursport werden begrüßt, aber vor zu großen Erwartungen wird gewarnt

Geduld ist gefragt

Altkreis.

Die Appelle im Vorfeld des Bund-Länder-Gespräche über die künftigen Corona-Maßnahmen sind erhört worden: Bei der schrittweisen Öffnung ist nach Individualsportarten wie Tennis oder Golf nun der gesamte Freizeit- und Amateursport einschließlich Mannschaftssport berücksichtigt worden (siehe Info-Box). Doch was bedeutet das konkret für die heimischen Vereine, für den Nachwuchs oder den Spielbetrieb?

Stephan Arend

Bleibt der Inzidenzwert Foto: Johannes Oetz

Oliver Erdmann ist Fußball-Jugendleiter der Spvg. Steinhagen und sieht die Beschlüsse von Mittwoch differenziert: Auf der einen Seite begrüßt er, dass es nun endlich die so lange geforderte Öffnungsperspektive gibt. Erdmann findet es aber überhaupt nicht hilfreich, „dass die Politik suggeriert, ab Montag können Kinder bis 14 Jahre wieder zum Training kommen.“ Genau so sei das Stufenmodell bei vielen Eltern und Initiativen angekommen: „Da haben viele am Donnerstag-Morgen gejubelt.“ Erdmann macht aber auf die Rahmenbedingungen aufmerksam, die beachtet werden müssen - und die in der Praxis eine sofortige Rückkehr zum Kindertraining verhindern.

So seien zum Beispiel die Sportanlagen in der Gemeinde Steinhagen derzeit nicht einmal geöffnet, obwohl Individualsport zu zweit seit einer Woche wieder erlaubt sei. Die Gemeinde werde über eine Öffnung erst dann nachdenken, wenn die Beschlussfassung von Mittwoch-Abend in der neuen NRW-Coronaschutzverordnung verankert sei. Erdmann: „Dann folgen die Absprachen mit den Vereinen, die Hygienekonzepte müssen durchgegangen und mögliche Anpassungen vorgenommen werden. Im Frühjahr 2020 hat dieser Prozess zwei bis drei Wochen gedauert.“ So nennt Spvg. Steinhagens Jugendleiter als verlässliches Datum für einen Trainingsbeginn den 6. April. Es mache Sinn, mit diesem Termin zu planen. „Und wenn mit der Gemeinde schon eher die Rückkehr zum Training abgestimmt wird, weil Konzepte aus dem Frühjahr ja bereits vorliegen, dann ist es umso besser.“ Bei stabilen Inzidenzwerten zwischen 50 und 100 ist nach Ostern auch Kontaktsport draußen wieder erlaubt, übrigens für alle und nicht nur für Kinder unter 14 Jahren. Außerdem ist noch offen, auf welches Gebiet sich die Inzidenzwerte beziehen.

Kinder-Training

Auch BV Werthers Jugendleiter Holger Margenau sieht noch einige Fragezeichen, die aus dem Weg geschafft werden müssen. Obwohl in Werther (wie auch in Halle) die städtischen Sportanlagen draußen für Individualsport zu zweit bereits geöffnet sind, bedeute das nicht, dass die Vereine sie zu Trainingszwecken automatisch sofort nutzen können. „Natürlich muss uns zunächst einmal die Stadt die Nutzung genehmigen.“ Auch müsse abgewartet werden, was eine Aussage von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der am Donnerstag im Düsseldorfer Landtag über die Bund-Länder-Beschlüsse unterrichtete, zu bedeuten habe. Laschet hatte gesagt, wenn alle Kinder demnächst einmal die Woche getestet würden, dann könnten auch bis zu 20 Kinder im Alter bis 14 Jahren draußen miteinander spielen. Im Bund-Länder-Beschluss ist dieser Öffnungsschritt ab dem 8. März allerdings ohne Test-Voraussetzungen vorgesehen.

Unabhängig davon will der BV Werther seinen jüngsten Nachwuchskickern so schnell wie möglich die Rückkehr auf den Rasen ermöglichen. „Wir haben ja im Sommer zeitweise ein Mannschaftstraining ohne Kontakte angeboten und werden versuchen, das vielleicht noch nächste Woche hinzubekommen“, sagt Margenau. Um die Situation auf dem Platz zu entzerren, könnte dann zunächst jedes Team nur einmal in der Woche trainieren. Wann auch immer der genaue Termin sein wird: Für BV Werthers Jugendleiter ist eines am wichtigsten: „Die Kinder müssen wieder in Bewegung kommen. Und der Beschluss von Mittwoch sorgt so oder so für eine Perspektive, weil nach Ostern auf jeden Fall wieder trainiert werden kann, wenn die Inzidenz nicht auf über 100 ansteigt.“

Auch für Oliver Erdmann ist die Rückkehr auf den Platz entscheidend. Dagegen genieße der Spielbetrieb für die Jugend überhaupt keine Priorität: „Ich brauche keine Meisterschaftsspiele mehr in dieser Saison. Wir müssen doch erst einmal hoffen, dass der Inzidenzwert stabil unter 100 bleibt. Und die Vereine sind so gut vernetzt, dass sie sofort Testspiele vereinbaren können, wenn diese wieder möglich sind“ Mit Blick auf die niedrigeren Werte in Bielefeld - und mögliche schnellere Öffnungsschritte in der Nachbarschaft - möchte Steinhagens Jugendleiter auch den Solidaritätsgedanken mit in die Diskussion bringen: „Ich hoffe nicht, dass zum Beispiel unsere Spieler, die in Steinhagen noch nicht trainieren dürfen, zum Beispiel zu einem Probetraining in Wellensiek eingeladen werden.“

Re-Start im Fußball

Interessant ist die Frage, ob nach der Verabschiedungs des Stufenmodells ein Re-Start und eine Wertung der Saison im Erwachsenenbereich wahrscheinlicher geworden ist. In Westfalen müssten in einer Liga 50 Prozent der Begegnungen absolviert werden, damit es Auf- und Absteiger gibt. Aufgrund der unterschiedlichen Staffelgrößen müssen noch zehn bis 13 Spieltage in der Männer-Oberliga, neun bis zehn Spieltage in der Männer-Landesliga, aber nur noch drei Spieltage in der Frauen-Kreisliga absolviert werden, damit es einen Abschluss mit Wertung gibt. Das Präsidium des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) will in der nächsten Woche die Situation erörtern. Zunächst muss aber zunächst die neue Coronaschutzverordnung des Landes vorliegen. Der Landessportbund interpretiert dann gewöhnlich, was in den verschiedenen Sportarten möglich ist und was nicht. Bei der kommenden FLVW-Sitzung sind auch die Kreisvorsitzenden dabei. Einer von ihnen ist Markus Baumann, „Chef“ des Fußballkreises Bielefeld. Baumann hält aktuell den 6. April als Trainingsbeginn für realistisch, weil ab dem 5. April (Ostermontag) bei einer Inzidenz bis 100 auch Kontaktsport erlaubt sein wird. In NRW liegt dieser Wert derzeit bei über 60. Theoretisch könnte ein Mannschaftstraining auch schon ab dem 22. März stattfinden, wenn der Inzidenzwert unter 50 liegt oder bei einem Wert zwischen 50 bis 100 alle Beteiligten einen tagesaktuellen Schnell- oder Selbsttest vorlegen. Baumann hält es zwar noch für möglich, dass „Spitz auf Knopf“ 50 Prozent der Saisonspiele absolviert werden. Gehe man aber von vier Wochen Vorbereitungszeit aus, würden nur noch der Mai und Juni für die ausstehenden Meisterschaftsspiele bleiben. „Und diese müssten vor dem 30. Juni beendet sein, weil auch noch ein Puffer für Entscheidungsspiele bleiben muss“, gibt Baumann zu bedenken. Außerdem weist der Kreisvorsitzende auf regionale Unterschiede hin. Das beginnt damit, dass zum Beispiel in der Westfalenliga Bielefelder Teams (dort lag der Inzidenzwert am Donnerstag bei 29,3) eventuell eher wieder trainieren könnten als der Nachbar SC Peckeloh aus dem Kreis Gütersloh (Inzidenzwert am Donnerstag 51,2) Auch muss immer damit gerechnet werden, dass Partien ausfallen, weil einzelne Teams aus Regionen kommen könnten, in denen der Inzidenzwert auf über 100 ansteigt. So sieht Markus Baumann auch aufgrund der Chancengleichheit Probleme, die Saison mit Wertung zu Ende zu spielen.

Hallensport

Während in fast allen Hallensportarten die Saison bereits ohne Wertung abgebrochen ist und das Stufenmodell somit für den Wiedereinstieg ins Training von Bedeutung ist, stehen für die Handballer in Westfalen noch freiwillige Aufstiegs- sowie regionale Pokalrunden im Raum. Natürlich brauchen zum Beispiel auch die Oberliga-Handballer der Sportfreunde Loxten eine ausreichende Vorbereitungszeit, um einen Platz in der 3. Liga zu erkämpfen. Bei Inzidenzwerten über 50 ist im Stufenplan allerdings kein Kontaktsport drinnen vorgesehen. Kontaktfrei darf in Hallen ab 22. März bei Inzidenzwerten unter 50 oder mit Tests bei Werten über 50 und ab dem 5. April bei Werten zwischen 50 und 100 trainiert werden.

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