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Vertreter von Sportvereinen diskutieren mit Bundestagsabgeordneten über Probleme und Perspektiven

„Geld ist das geringste Problem“

Altkreis.

Normalerweise sind Turnhallen, Schwimmbäder, Fußballstadien oder andere Sportstätten ihr Metier. Jetzt haben sich mehr als 40 engagierte Aktive aus verschiedenen Sportvereinen des Kreises Gütersloh im Internet getroffen, um in einer Videokonferenz über die Probleme und Zukunftsperspektiven des Sports zu diskutieren.

Sören Voss

Mehr als 40 Aktive aus ganz verschiedenen heimischen Sportvereinen haben mit Politikern über Probleme und Zukunftsperspektiven diskutiert. Foto: Sören Voss

Initiiert hatte das digitale Sportforum die Gütersloher SPD-Bundestagsabgeordnete Elvan Korkmaz-Emre. Neben Hans Feuß als Vorsitzendem des Kreissportbundes und Dagmar Freitag als Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages nahm eine bunte Mischung aus Vereinsvertretern teil.

In einem waren sich die Sportler, egal ob Boxer, Snooker-Spieler, Kegler oder Handballer, einig. Der Corona-Lockdown trifft alle hart, ihnen fehlen das soziale Miteinander, der Ausgleich die Struktur des gewohnten Alltags. Die unterschiedlichen Regelungen der Bundesländer seien fragwürdig. Axel Brinkmann vom Schwimmclub Steinhagen-Amshausen kritisierte die fehlende Differenzierung nach dem Risiko der Sportarten und stellte außerdem ein mehrstufiges Konzept zur Diskussion, das die Inzidenzwerte berücksichtigt.

Keine Mehrheit auf Bundesebene für Lockerungen des Sports: Die erfahrene Bundestagspolitikerin Dagmar Freitag verriet, dass sie sich ebenfalls einen Vertrauensvorschuss für Sport mit verantwortungsvollen und situationsspezifischen Hygienekonzepten wünsche, sich dafür aber aktuell auf Bundesebene keine Mehrheit finde.

„Wir müssen Wege finden“, forderte Freitag, „wie wir den Sport am Laufen halten können. Wir können die Akzeptanz für die Einschränkungen erhöhen, wenn wir sinnvolle Dinge wie das Schwimmen, das im Ernstfall Leben retten kann, nicht verbieten.“

Außerdem bestätigten alle Sportarten die Tendenz, von der diese Zeitung bereits am 28. November berichtet hatte: Ausbleibende Neuanmeldungen stellen die Vereine vor große Herausforderungen.

Pilotprojekt in Borgholzhausen: Einen Lösungsansatz stellte Andreas Rädel aus dem Stadtsportverband Borgholzhausen vor. Hier hat die Kommune 30.000 Euro für einen „Vereinsmanager“ bewilligt, der alle Clubs des Stadtgebietes bei administrativen Tätigkeiten unterstützt. „Es ist ein Pilotprojekt, die Stelle ist auf drei Jahre befristet“, erläuterte Rädel.

Freitag versprach, dass sich die Vereine auf finanzielle Unterstützung der Politik verlassen können. Sie verwies auf die Erhöhung der Ehrenamtspauschale auf 840 Euro pro Jahr oder die angehobenen Sätze des steuerfreien Übungsleiterhonorars (jetzt 3000 Euro). Vereine könnten Gelder beim Landessportbund auch im kommenden Jahr weiterhin beantragen, außerdem würden kommunale Sportstätten zusätzlich gefördert. „Das sind Möglichkeiten, die es in der Vergangenheit nicht gegeben hat. Geld ist das geringste Problem. Wo wir helfen können, tun wir das gerne“, sagte Freitag. Insgesamt lobte sie die kreativen Ideen der Ehrenamtlichen und die positive Stimmung der Runde: „Die Kreativität beeindruckt mich nachhaltig. Danke, das unterscheidet Sie von den Schwarzmalern auf Bundesebene.“

Stricker will nach vorne schauen: Reinhard Stricker, Vorsitzender des Haller Stadtsportverbandes, stimmte zu: „Wir müssen nach vorne schauen, Mitglieder aktivieren.“ Ein verbessertes Zusammenspiel zwischen Sport und Politik forderte Peter Hatschbach, der Geschäftsführer des Kreissportbundes: „Die Politik sollte die Vereine als demokratischen Mitstreiter mehr in die Organisation der Pandemiebekämpfung einbinden. Organisierter Sport in Kleingruppen draußen mit Hygienekonzept ist effektiver als unkontrollierte Black-Friday-Einkaufsstraßen.“

Sport als Teil der Lösung: Hans Feuß, der Vorsitzendes des Kreissportbundes schloss die Runde mit einem Appell: „Meldet euch als Sportler, tretet den Politikern in der Kommune, im Land und im Bund auf die Füße. Bringt euch ein. Wir sind als Sport Teil der Lösung.“

„Die Politik ist zu weit weg“: Während sich einige Vereinsvertreter eine Wiederholung des Sportforums wünschen, war Andreas Wessels von der rund zweistündigen Diskussion enttäuscht. Der Vorsitzende der Spvg. Steinhagen sagte: „Ich hatte mir mehr erhofft. Mein Eindruck war, dass einige der Teilnehmer die Pandemie zu locker nehmen. Ich finde es richtig, momentan keinen Sport zuzulassen. Die Einhaltung des Abstands ist einfach nicht kon-trollierbar und für uns sind die vielen Spiele hintereinander an einer Sportstätte das größte Problem. Vielleicht sollte man Zuschauer ganz ausschließen.“

Vor allem das Konzept der Schwimmer hat Wessels gefallen: „Da haben sie sich wirklich Gedanken gemacht. Es ist transparent und vielleicht lässt es sich auf andere Sportarten übertragen. Mir hat die Runde gezeigt, dass die Politik doch recht weit weg ist, wenn von Unterstützung der Bundesligen oder Olympia-Qualifikationen gesprochen wird, obwohl wir zu mehr als 90 Prozent Breitensportler sind. Die Fördergelder haben wir geprüft, fallen aber durch alle Raster, weil wir beispielsweise die Mitgliedsbeiträge Anfang und Mitte des Jahres einziehen und deshalb im November oder Dezember keine Einnahmeausfälle haben. Es bleibt unser Problem, Leute für den Sport zu begeistern.“

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