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Fußball

Nachts am Schweinebrunnen

Versmold-Peckeloh

Markus Kleine-Tebbe hat seinen Vertrag beim Fußball-Westfalenligisten SC Peckeloh bis Sommer 2022 verlängert, geht somit in sein achtes Trainerjahr (das WB berichtete am 14. November). Im WB-Gespräch blickt der 45-Jährige auf eine ereignisreiche Zeit beim SCP zurück und kann sich vorstellen, noch viele weitere Jahre zu bleiben.

Stephan Arend

Ungewöhnliche und erfolgreiche Konstellation: Markus Kleine-Tebbe geht in sein achtes Jahr als SCP-Coach. Fußball-Obmann Jan Fahrenwald unterstützt ihn als Co-Trainer. Foto: Soeren Voss

Wie kommt der SC Peckeloh durch den erneuten Lockdown und was sind ihre Hoffnungen?

Markus Kleine-Tebbe: Ein Lauftraining in Zweiergruppen ist noch möglich. Außerdem finden donnerstags online Kraft- und Stabiübungen unter der Anleitung von Sebastian Selchert statt. Ich gehe davon aus, dass es von Seiten der Politik bald negative Nachrichten geben und dieses Jahr auch kein Training mehr möglich sein wird. Ich hoffe, dass wir im Januar mit der Vorbereitung starten können.

Vor fast genau sieben Jahren haben sie beim SC Peckeloh zugesagt. Wissen sie noch, wo es das entscheidende Gespräch gegeben hat?

Kleine-Tebbe: Bei Jan Fahrenwald in der Küche. Unser Betreuer Thorsten Hermann war auch dabei. Ich weiß gar nicht, ob er damals zum Vorstand gehört hat. Ich kann mir schon vorstellen, dass sich Peckeloher Urgesteine wie Julian Dellbrügge gewundert haben, dass ihr Verein einen Oesterweger verpflichtet. Ich weiß schließlich aus Erzählungen meines Vaters, dass Zuschauer beider Vereine früher auch schon mal mit Regenschirmen aufeinander los gegangen sind.

Können Sie sich auch an das erste Punktespiel erinnern?

Kleine-Tebbe: Ich glaube, wir haben 2: 0 gegen Bad Oeynhausen gewonnen. Torschützen waren Matthias Gök und Marvin Heinsch, der wie Tom Weber den Sprung von der A-Jugend in die Landesliga-Startformation geschafft hat.

Und wie ging das erste Derby gegen Steinhagen aus?

Kleine-Tebbe: Ein spektakuläres 4: 4 in Steinhagen nach 1:3-Rückstand und 4:3-Führung und vier Toren von Sebastian Herrmann.

Sebastian Herrmann war nicht nur in dieser Partie der Peckeloher Spielverderber. Hat der SCP eigentlich mal versucht, ihn abzuwerben?

Kleine-Tebbe: Wir waren immer daran interessiert, die besten heimischen Spieler in unseren Reihen zu haben. Da gab es natürlich auch Kontakte zu Basti. Aber ernsthafte Verhandlungen hat es nie gegeben. Er wollte Steinhagen ja auch gar nicht verlassen.

Wie würden sie das Verhältnis zum langjährigen Rivalen Steinhagen beschreiben?

Kleine-Tebbe: Es gab eine gesunde Rivalität. Steinhagen stand in der Landesliga lange Zeit über uns. Bei uns wollte jeder, dass sich das Blatt wendet. Deshalb war es auch so wichtig, das Hallenmasters zu gewinnen und so das Gefühl zu haben, die Nummer eins im Altkreis zu sein. Einmal habe ich die Steinhagener Jungs beim Skispringen in Willingen auf Siggis Hütte getroffen und ihnen eine Runde spendiert.

Welche Siege bleiben vor allem in Erinnerung?

Kleine-Tebbe: Unseren ersten Kreispokalsieg 2015, ein spektakuläres 4: 3 in Oesterweg gegen TuS Jöllenbeck, werde ich nicht vergessen, ebenso den ersten Masters-Titel unter meiner Regie 2014. Damals sind wir in der Nacht mit Timo Kirchhoff zum Schweinebrunnen und haben dort Fotos mit dem Pokal gemacht. Um vier Uhr morgens haben wir bei Jan Fahrenwald angerufen, um uns zum Frühstück einzuladen. Seine Frau ist ans Telefon gegangen. Ich glaube, sie fand das nicht so witzig.

Ihre Masters-Bilanz dürfte einzigartig sein...

Kleine-Tebbe: Wir haben fünf Mal gewonnen und überhaupt nur ein Spiel verloren. Das war 2017 das Halbfinale gegen Häger. Wer es einmal erlebt, mit Peckeloh das Masters zu gewinnen, der will immer wieder gewinnen. Die Fans sind unglaublich, waren sogar vorher beim Training mit Trommeln dabei und haben uns heiß gemacht. Die Masters-Siege waren die Sahne auf der Torte.

Wie stufen sie den Westfalenliga-Aufstieg ein?

Kleine-Tebbe: Das letzte Jahr war perfekt. Toller Fußball, tolle Kameradschaft, tolle Konstanz und als Lohn der erste Westfalenliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte. Im kleinen gallischen Dorf am A... der Welt wird jetzt Westfalenliga gespielt. So werden wir auf jeden Fall von einigen Gegnern wahr genommen.

Was hat sie in all den Jahren am meisten enttäuscht?

Kleine-Tebbe: Wenn uns ein Spieler trotz vorheriger Zusage kurz vor Ende der Wechselfrist doch verlassen hat. Früher hat einer in der Kabine gefragt, wer bleibt? Dann hat man sich gemeldet oder nicht und die Sache war klar. Heute muss man mit Spielern mehrfach sprechen, wenn man sie halten will. Früher war klar, dass man bei seinem Verein bleibt und später dort Altherren spielt. Heute suchen Spieler noch mit über 30 eine neue Herausforderung.

Wie war die Entwicklung des SCP zum Westfalenligisten möglich?

Kleine-Tebbe: Vor allem Jan Fahrenwald, aber auch einige Leute im Hintergrund haben mit großem Zeitaufwand, Leidenschaft und einer klaren Vorstellung den SCP zur Nummer eins im Altkreis und zum Westfalenligisten gemacht. Wir versuchen, die größten Talente aus der Region zu verpflichten. Das gelingt nicht immer, aber oft. Und wichtig ist uns auch, sportliche Erfolge und ein familiäres Gemeinschaftsgefühl zu verbinden.

Was bedeutet das konkret?

Kleine-Tebbe: Wir essen nach dem Spiel gemeinsam, fahren mit dem Bus zu Auswärtsspielen. Bei Zu-Null-Siegen grillt unser Betreuerteam für uns. Überhaupt sorgen Flicken (Torsten Hermann) und Jockel (Jörg Banik) mit ihrem perfekten Waschservice dafür, dass die Jungs außer einer Kulturtasche nichts mitbringen müssen, auch zum Training nicht. Alles liegt bereit, selbst die Handschuhe im Winter. All das macht den SC Peckeloh auch aus.

Können sie sich vorstellen, den Verein zu verlassen und woanders Trainer zu sein?

Kleine-Tebbe: Wenn ich nicht davon überzeugt gewesen wäre, weiterhin längerfristig hier Trainer sein zu wollen, dann hätte ich nicht verlängern dürfen. Aber ich weiß natürlich, dass nicht jeder mich mega findet. Und klar kann es passieren, dass irgendwann einmal vielleicht dann andere Verantwortliche neue Wege gehen wollen. Im Moment kann ich mir aber nicht vorstellen, dass ich von unserem Fußball-Obmann Jan Fahrenwald gefeuert werde. Wenn er das Trainer-Team rauswirft, muss Jan ja als Co-Trainer selber gehen (lacht).

Wie empfinden sie persönlich die Coronazeit?

Kleine-Tebbe: Als bedrückend und traurig. Und wenn man einen neuen Job antritt und dann in der Probezeit Homeoffice und Kurzarbeit anstehen, macht das sogar Angst. Ich habe auch beruflich als Außendienstler viele Kontakte zu Menschen. Die fallen weg, genauso wie bei mir Besuche im Fitnessstudio oder das Tennisspielen. Das alles fehlt mir sehr. Ich weiß aber, dass dieser Verzicht eine Kleinigkeit ist, damit gerade gefährdete Menschen gesund bleiben.

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