Neue Coronaschutzverordnung: Mannschaftstraining ist wieder in Sicht

Öffnungsschritte für den Sport

Die ab kommenden Samstag gültige neue Coronaschutzverordnung des Landes NRW bietet auch für den Freizeit- und Amateur-Sport Öffnungsperspektiven. In Städten und Kreisen, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz stabil auf einen Wert unter 100 zurückgeht, wird die aktuell geltende bundesweite Notbremse aufgehoben.

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Gruppentraining für Kinder bis 14 Jahre war und ist vielerorts möglich. Nun hoffen auch ältere Nachwuchssportler (genauso Erwachsene) auf eine Rückkehr auf den Platz Foto: dpa

Von Stephan Arend

Altkreis (WB). Dort bleiben Sportveranstaltungen zwar untersagt. Es dürfen dann aber unter freiem Himmel wieder bis zu 20 Kinder bis zum Alter von einschließlich 14 Jahren zuzüglich zweier Aufsichtspersonen zusammen trainieren. Dieses „normale“ Mannschaftstraining war bereits im März auch im Altkreis Halle erlaubt, ehe steigende Infektionszahlen und die bundesweite Notbremse für Einschränkungen sorgten. Ebenfalls gilt wieder: Zwischen verschiedenen Personen oder Personengruppen, die gleichzeitig Sport auf Sportanlagen unter freiem Himmel treiben, ist dauerhaft ein Mindestabstand von fünf Metern einzuhalten. Anders als im März dürfen bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 demnächst aber auch ältere Nachwuchssportler und Erwachsene wieder in Gruppen von bis zu 20 Personen unter freiem Himmel trainieren, allerdings kontaktfrei.

Negative Tests

Mit Kontakten und ohne Personenbegrenzung dürfen draußen alle Altersgruppen trainieren, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 50 liegt. In diesem Fall dürfen auch Hallensportler (in Innenräumen) den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen. Dabei sind negative Schnell- oder Selbsttests sowie die Rückverfolgung die Voraussetzung. Allerdings müssen die Übungseinheiten als Mannschaft kontaktfrei über die Bühne gehen. Kontakte sind nur unter Einbehaltung der allgemeinen Beschränkungen (zum Beispiel Kontakt nur zwischen zwei Spielern) möglich. Es bleibt abzuwarten, ob der Inzidenzwert demnächst wirklich auf unter 50 sinkt und dann unter den genannten Trainingsbedingungen eine Vorbereitung auf mögliche Handball-Aufstiegsspiele im Juni möglich sind (siehe Text unten).

Das letzte Wort bei der Öffnung der Spielstätten haben (in Absprache mit den Vereinen) immer die Kommunen vor Ort. Die Coronaschutzverordnung lässt auch ein begrenztes Zuschaueraufkommen zu. Bei Inzidenzwerten unter 50 darf zum Beispiel in Hallen auf Sitzplätzen die Zuschauer-Kapazität bis zu 20 Prozent ausgeschöpft werden (maximal 250 Personen). Voraussetzung sind negative Tests der Besucher.

Teil der Lösung

Zuvor hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit seinen Regional- und Landesverbänden eine gemeinsame bundesweite Petition und Kampagne für den Amateur- und Breitensport mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gestartet. Unter der Überschrift „Draußen muss drin sein“ fordert die Initiative unabhängig von Inzidenzwerten die schnellstmögliche Wiederzulassung des organisierten Sportbetriebs unter freiem Himmel, zunächst im Training, anschließend im Wettkampfbetrieb.

Die Bundespolitik wird aufgefordert, die Beratungen über das Infektionsschutzgesetz für eine bundesweite Privilegierung des Sports für Kinder und Jugendliche zu nutzen. „Die Gesellschaft, insgesamt und insbesondere die Kinder und Jugendlichen, muss endlich aus der inzwischen mehr als ein Jahr anhaltenden Bewegungslosigkeit befreit werden. Mit Hilfe der bestehenden und bewährten Konzepte des Sports sowie der vielen Engagierten vor Ort können und müssen wir nun zeitnah sicher und verantwortungsvoll wieder starten“, fordert DOSB-Präsident Alfons Hörmann in einem Brief an die Fraktionsvorsitzenden der Regierungskoalition von CDU/CSU und SPD.

Er knüpft damit an den „Hilferuf“ von DOSB-Vizepräsident Andreas Silbersack an, der im Sportausschuss den drohenden Verlust einer ganzen Generation beschrieben hat. Mit Hilfe der bestehenden und bewährten Konzepte des Sports wie DOSB-Leitplanken, Übergangsregeln der Fachverbände oder DOSB-Hygiene-Standards sei der organisierte Sport mit seinen etwa 90.000 Vereinen und 27 Millionen Mitgliedern in der Lage, verantwortungsvoll Bewegungsangebote zu machen.

Unterstützung kommt auch aus der Wissenschaft. Erst kürzlich hatten führende Aerosol-Forscher auf das marginale Risiko von Infektionen unter Freiluftbedingungen hingewiesen. Jüngste Daten sehen nur 0,1 Prozent der Infektionen bei Aktivitäten im Außenbereich. Gleichzeitig zeigen Studien eindeutig, dass regelmäßiges Sporttreiben vor schweren Covid-Verläufen schützt. Auch Ernährungsforscher weisen auf Gesundheitsrisiken für Kinder durch Bewegungsmangel und falsche Ernährung hin. „In unseren Sportvereinen und einem unter klaren Regeln abgehaltenen Sportangebot liegt ein wertvoller Teil der Lösung bei der Bekämpfung der Pandemie“, erklärt Hörmann.

„Macht endlich auf“

Gundolf Walaschewski, Präsident des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW), bittet die heimischen Vereine darum, sich an der Petition zu beteiligen: „Wir haben unsere gesellschaftliche Verantwortung im Sport immer ernst genommen, haben auf Spiele und auch auf das Training verzichtet und uns konsequent an die Vorgaben der Politik abhängig von der Pandemieentwicklung gehalten. Jetzt aber sind wir an einem Punkt angekommen, wo wir abwägen müssen, was vor allem für unsere Kinder und Jugendlichen zwingend notwendig ist.“ Und das ist nach Meinung des FLVW das Training an der frischen Luft, auf Abstand aber in Gemeinschaft, draußen auf dem Platz oder der Laufbahn. Kinder und Jugendliche müssten sich bewegen, müssten andere Kinder und Jugendliche sehen, bräuchten Perspektiven.

„Wir müssen unserer Verantwortung dringend gerecht werden. 7,1 Millionen Mitglieder allein im Fußball fordern zu Recht, dass ihre bedrohliche Lage stärker als bisher wahrgenommen wird“, sagt Dr. Rainer Koch, zuständiger DFB-Vizepräsident für die Amateure, und appelliert an die Politik: „Wir wollen in der Sache weiterkommen und fordern den großen, längst überfälligen Befreiungsschlag für den Amateursport: Macht endlich unsere Plätze wieder auf!“

Pokalfinal-Aktion

Die aktuelle DFB-Kampagne und die Petition sollen einen wichtigen Schritt markieren. Die Aktion wird von umfassenden Aktivitäten im Online- und Social-Media-Bereich begleitet. Beim DFB-Pokalfinale am Donnerstag im Berliner Olympiastadion wird zudem ein Riesenbanner auf der Gegentribüne für die Petition werben. Die Petition für den Amateur- und Breitensport läuft drei Wochen.

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