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Heimische Experten äußern sich zu den Auswirkungen der Handball-WM

Was vom Wintermärchen übrig bleibt

Halle (WB). Lassen sich Taktik und Regelauslegung auf den Altkreissport übertragen? Die WB-Sportredakteure Gunnar Feicht und Stephan Arend haben bei heimischen Experten nachgefragt.

Am Kreis bleibt es nicht nur beim Trikotziehen. Sind Handballer trotzdem fairer als Fußballer? Foto: imago

Können Fußballer von den Handballern lernen?

Daniel Eikelmann (Trainer des BV Werther): Beim Handball geht es Schlag auf Schlag. Die Spieler haben keine Zeit zu diskutieren oder für Schauspielerei, weil sonst der Gegner den nächsten Angriff in Überzahl spielt. Aber sind die Handballer generell fairer? Am Kreis wird bestimmt nicht nur am Trikot gezogen...

Rudelbildungen und das Gemeckere gehören beim Fußball leider auch deshalb dazu, weil das in der Bundesliga vorgelebt wird. Da sind die Handball-Profis bessere Vorbilder. Ich finde auch, dass eine Handball-Regel dem Fußball gut tun würde. Wird ein Spieler auf dem Feld behandelt, muss er drei Angriffe draußen bleiben. Wenn Fußballer nach einer Behandlung erst nach zwei Minuten weiterspielen dürften, würde man so manche Schauspieleinlage verhindern.

Aber auch der Handball kann vom Fußball lernen. Zum Beispiel waren die Regenerationsphasen bei der WM zu kurz.

Wird jetzt immer so kleinlich gepfiffen?

Andreas Schäper (Schiedsrichter TG Hörste): Wir pfeifen seit Jahren bei der Bestrafung nach einer klaren Progressionslinie »Ermahnung, Verwarnung, Hinausstellung«. Davon sind viele WM-Schiedsrichter mit ihrer sehr kleinlichen Auslegung abgewichen, was in die falsche Richtung führt: Der Angreifer neigt viel mehr dazu, sich fallen zu lassen – und in den Schlussminuten, wenn es mal richtig hart wird, werden Fouls gar nicht mehr angemessen geahndet. Viele WM-Schiedsrichter haben sich mit ihrer Gestik zu sehr in den Vordergrund gespielt. Andreas Schäper Foto:

Für uns gilt weiterhin: Möglichst wenig auffallen, die Zweikämpfe danach beurteilen, ob der angegriffene Spieler die Körperkontrolle zu verlieren droht und konsequent progressiv bestrafen. Die Diskussion um die Regelauslegung bei der Weltmeisterschaft wird sich normalisieren, der Einfluss auf die unteren Spielklassen bleibt gering.

Macht »empty goal bei Amateuren Sinn?

Yannik Hansel (Trainer TuS Brockhagen): Bei Ballbesitz ohne Torwart anzugreifen, macht vielleicht in Spielklassen ab Oberliga Sinn, aber auch bei den Profis ist das Risiko extrem hoch. Die Abläufe – gerade auch für das schnelle Umschalten bei Ballverlust – kann man bei zwei, drei Trainingseinheiten pro Woche gar nicht so nachhaltig einüben, dass es etwas bringt. In der B-Lizenz-Ausbildung hat das Spielen mit einem zusätzlichen Feldspieler oder ohne Torwart nur eine geringe Rolle gespielt.

Generell wird sich im Handball-Alltag unserer Spielklassen nach der Weltmeisterschaft nicht viel ändern, schon wegen der erheblichen Unterschiede in Athletik und Dynamik zu den Profis. Ich hoffe auch nicht, dass sich die kleinliche Regelauslegung durchsetzt, denn die Schiedsrichter nehmen sich dadurch den Spielraum. Wirklich harte Fouls lassen sich am Ende nicht mehr angemessen bestrafen.

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