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Handball: Saison in Westfalen endet vorzeitig – Landesliga-Vize mit Option zum Aufstieg

Werther jubelt über Wildcard

Halle. Nach langwierigen Diskussionen hat der Handballverband Westfalen (HVW) am Sonntag um 16 Uhr in einer Pressemitteilung die Spielzeit 2019/20 offiziell für beendet erklärt und gleichzeitig erläutert, wie die Abschlusstabellen erstellt worden sind. Den Zuschlag erhielt hierbei das „norwegische Modell”: Die bis zum 12. März erreichten Punkte werden durch die Anzahl der absolvierten Spiele geteilt, das Ergebnis mit 100 multipliziert und auf eine Stelle nach dem Komma gerundet. Bei Quotientengleichheit entscheiden weitere nachrangige Kriterien, wie der direkte Vergleich oder die Tordifferenz.

Sören Voss und Gunnar Feicht

Die Aufstiegschance ist da: Wenn sich Marius Kruse & Co. dafür entscheiden, können sie künftig mit TV Werther Verbandsliga-Tore bejubeln. Foto: Sören Voss

„Die Wertung nach der Quotientenregelung stellt nach erfolgter ausführlicher Abwägung die beste Lösung dar, indem sie die bisherige Saison mit all den bereits erbrachten Leistungen sowie die unterschiedliche Spielanzahl der Vereine berücksichtigt”, erklärt der HVW in seiner Mitteilung. Schon zuvor hatte der Verband festgelegt, dass es bei Abbruch der Spielzeit keine Absteiger, sondern nur Aufsteiger geben werde. Neu hinzu kommen, und das überraschte viele Vereine, Wildcards für Mannschaften, die nur ganz knapp hinter dem Tabellenführer platziert sind. Wer „maximal einen Rückstand von 39,9 Quotientenpunkte auf die jeweilig letzte aufstiegsberechtigte Mannschaft der Staffel” hat, darf bis zum 20. Mai entscheiden, ob er aufsteigen möchte.

Neben der TG Hörste, die als Meister der Frauen-Landesliga fix aufsteigt, können von dieser Sonderregel aus dem Altkreis der TV Werther (Männer-Landesliga),TuS Brockhagen (Frauen-Verbandsliga) und TuS Borgholzhausen (Frauen-Landesliga) profitieren. Anders ist die Sachlage in der Männer-Oberliga, in der SF Loxten nur 6,7 Quotientenpunkte hinter Meister Hamm liegt. Da aber die Dritte Liga in die Zuständigkeit des Deutschen Handballbundes fällt, erhalten die Frösche nach jetzigem Stand keine Wildcard.

Das WESTFALEN-BLATT hat Reaktionen aus den Altkreis-Vereinen gesammelt.

SF Loxten (Männer-Oberliga)

„Die Vizemeisterschaft ist für uns ein super Ergebnis”, stellt SFL-Vorsitzender Andy Evers, unabhängig von weiteren Entscheidungen der Verbandsgremien, fest. Dass sie jetzt keine Aufstiegsmöglichkeit erhalten, sei für die Frösche „kein Beinbruch”, da „wir sowieso für die Oberliga geplant haben. Und die ist in der nächsten Saison für die Zuschauer mit den vielen Derbys sogar die attraktivere Spielklasse”, findet Evers. Aber vielleicht gibt es doch noch eine Möglichkeit, über die Hintertür den Aufstieg zu schaffen. Der Deutsche Handballbund will sich in Kürze zur Zukunft der Profligen äußern. Sollte die Entscheidung in der dritten Liga auf vier Staffeln mit je 18 Mannschaften fallen, würden noch zwei Nachrücker-Vereine gesucht. Loxten ist derzeit zweitbester Oberliga-Vizemeister (in der Quotientenregelung ist nur HVI Usedom besser) und dürfte sich Hoffnungen darauf machen, als 72. Team in die Spielklasse zu rutschen. Evers: „Wir warten entspannt ab. Falls wir nachrücken dürfen, nehmen wir es gerne mit.” Donnerstag will der DHB nähere Informationen veröffentlichen.

TV Werther (Männer-Landesliga)

Eigentlich hatte sich Coach Carsten Gahlmann auf einen gemütlichen Nachmittag auf dem Sofa eingestellt, ehe die Mitteilung des Verbandes sein Handy vor Nachrichten überschwappen ließ. „Die Jungs haben sich im Chat erst geärgert, dass sie ohne Harz in Neuenkirchen spielen müssen. Dann haben sie kapiert, dass wir aufsteigen dürfen, und sich gefreut”, grinste Gahlmann. Richtig fassen konnte er es nicht: „Völlig verrückt. Damit haben wie nie im Leben gerechnet.”

Ob das großzügige Angebot auch angenommen wird, konnte der Coach noch nicht beantworten: „Wir werden es in Ruhe besprechen. Meine Meinung ist nicht so wichtig, die Entscheidung wird die Mannschaft selbst treffen.” Beim Planungsgespräch hatte der Trainer gemeinsam mit Carsten Remmerbach und den Wilhelm-Brüdern (Vertreter der künftigen Spielgemeinschaft HSG Werther/Borgholzhausen) für die neue Saison einen Platz im oberen Landesligabereich angepeilt - jetzt könnte am Wertherberg nach 16 Jahren wieder Verbandsliga-Handball gespielt werden. In einem Video-Chat wollen sich die Spieler und ihr Trainer beraten. Gahlmann: „Emotionslos gesehen hat beides Vor- und Nachteile. Ich lasse mich überraschen.”

TG Hörste (Frauen- und Männer-Landesliga)

Die Verbandsentscheidung bestätigt die Landesliga-Meisterschaft der TGH-Frauen (32:2 Punkte), ist aber gerade wegen der Wildcard-Regelung wie ein Peitschenhieb für die Landesliga-Männer des Klubs: Als Landesliga-Dritter mit 25:13 Punkten scheitern sie hauchdünn an der Quotientenpunkte-Grenze, die bei 39,9 Zählern Rückstand auf den Meister einen roten Strich zieht: 133,9 Quotienten-Punkte hätten der TGH zur Wildcard gereicht, 131,6 werden für die Hörster nach dem gültigen Schlüssel errechnet.

„Für unsere Damen ist es der verdienteste Aufstieg aller Zeiten. Für die Herren finde ich es extrem bitter und auch nicht gerecht, gerade wenn es schon einen Massenaufstieg gibt. Die Logik, wie da die Grenze gezogen wurde, erschließt sich mir nicht.“ Thomas Wöstmann, Sportlicher Leiter der TGH verweist darauf, dass die Mannschaft 2017/18 Dritter wurde, 2018/19 dann bekanntlich punktgleich mit Aufsteiger TuS Brockhagen (je 46:6 Zähler) – und jetzt schaut sie wieder in die Röhre.

TuS Brockhagen (Frauen-Verbandsliga)

Das Frauenteam des TuS erscheint in der vom Verband errechneten Abschlusstabelle in gelber Farbe – aufstiegsberechtigt als Verbandsliga-Zweiter. „Für uns kommt das völlig überraschend. Wir müssen uns jetzt erst mal über die Online-Medien zusammen schalten und intern beraten, ob es sinnvoll ist, die Oberliga-Chance wahrzunehmen“, sagte Trainer Yannick Hansel. Dabei hat er auch im Blick, dass der Tabellendritte Bielefeld-Jöllenbeck und in der Parallelstaffel sogar die Plätze zwei bis fünf Aufstiegsanrecht hätten. „Damit könnte die Oberliga bis zu 20 Teams haben, das muss man spieltechnisch erst mal regeln. Aber grundsätzlich ist die gefundene Lösung fair“, findet Hansel.

TuS Borgholzhausen (Frauen-Landesliga)

„Wenn ich aufsteige, dann will ich das in der Sporthalle feiern und nicht auf einem Spaziergang in Ascheloh.“ Trainer Ralph Tscheche brachte die Verwunderung beim Frauen-Landesligisten auf den Punkt: Das norwegische Modell hievt den Liga-Vierten vom 12. März auf Platz drei der errechneten Abschlusstabelle, nur 36,5 Quotientenpunkte hinter Meister Ahlener SG. Unter diesen Umständen hätte der Aufstieg aus Tscheches Sicht ein Geschmäckle, sein Bauchgefühl spricht 60:40 dagegen, aber Team und Verein müssen jetzt entscheiden.

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