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Fußball: Der Ex- Steinhagener Daniel Schröder beweist auch im Ruhrpott seine Klasse

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Steinhagen (WB). Zwei Jahre stürmte Daniel Schröder für die Spvg. Steinhagen in der Fußball-Landesliga, ehe er aus beruflichen Gründen 2017 ins Ruhrgebiet zog. Im Sommer wechselt der großgewachsene Angreifer nun zur SpVg Schonnebeck und erhält etwas unverhofft eine zweite Chance auf Oberliga-Fußball.

Jens Horstmann

Foto: Stephan Arend

Aber der Reihe nach. Aktuell lebt Daniel Schröder im Raum Essen. Als der Polizist dorthin versetzt wurde, musste er auch fußballerisch seine Zelte am Cronsbach abbrechen. „Eigentlich habe ich nur ein Jahr richtig in Steinhagen gespielt, im zweiten Jahr war ich ja aus beruflichen Gründen nur noch selten da. Aber ich habe bis heute noch Kontakt zu den Jungs wie Basti Herrmann oder Benni Schoebel. Ich verfolge das Geschehen im Altkreis weiterhin und checke sonntags nach dem Spiel auf dem Sofa erstmal das Steinhagener Ergebnis. In den letzten Jahren ist da ja eine Menge passiert.“

In Essen schleppte ihn dann ein Arbeitskollege mit zum Training der SpVgg Steele. Wie sich herausstellen sollte, ein echter Glücksfall für den Bezirksligisten. Denn nach zehn Treffern in seiner ersten Saison schoss Schröder das Team im zweiten Jahr mit 21 Toren in die Landesliga. „Damit hatte vor der Spielzeit bei uns eigentlich niemand gerechnet. Aber die Saison lief einfach perfekt.“

In der Landesliga verließ die Elf aus dem Essener Stadtteil aber schnell das Glück. Die ersten neun Saisonspiele gingen alle verloren. „Es haben sich in der Vorbereitung gleich drei Stammspieler schwer verletzt. Und unser Kader ist nicht so breit, dass wir das locker auffangen können.“ Immerhin hat Steele mittlerweile 17 Punkte gesammelt und nur noch sechs Zähler Rückstand zum rettenden Ufer. Auch dank der überragenden Torquote Schröders: 17 Mal netzte er in den bisherigen 21 Saisonspielen ein: „Ich habe wie in Steinhagen zunächst links vorne gespielt. Aber dann bin ich irgendwann ins Sturmzentrum gerückt.“

Mit Blick auf die Torquote war das sicher nicht die schlechteste Idee. Aber auch wenn es am Ende nicht zum Klassenerhalt reichen sollte, zahlt sich die gute Saison des 25-Jährigen aus. Zur neuen Saison wechselt Schröder zum Spvg. Schonnebeck, aktuell Dritter der Oberliga Niederrhein. Und das womöglich als Landesligaabsteiger. Wie ist das zu erklären? „Die Vereine hier sind ganz gut vernetzt und so sind die wohl auf mich gekommen“, erklärt Schröder lachend.

Seine fußballerischen Stärken betrachtet er ganz nüchtern, fast schon zurückhaltend: „Ich glaube ich habe einen guten Instinkt und auch ein gutes Tempo. Ich brauche den Ball nicht andauernd, sondern warte gerne auf den richtigen Moment. Vielleicht nehmen mich die Verteidiger deswegen auch irgendwann nicht mehr so wahr.“ Das einwöchige Probetraining in Schonnebeck hat zwar etwas geschlaucht, aber auch Appetit auf mehr gemacht: „Ich hatte eigentlich überlegt, wieder zurück nach Bielefeld zu gehen. Aber jetzt möchte ich die Chance gerne nutzen. Es wird ein kleines Abenteuer. Und wenn es am Ende nicht reicht, dann ist das eben so. Es wird trotzdem eine tolle Erfahrung.“

Was Schröder dagegen nicht erwähnt: Es ist bereits seine zweite Chance auf Oberligafußball. Als Jungspund hatte er die Option, bei Arminia Bielefeld in der Oberliga-Reserve anzugreifen. Aufklärung leistet Daniel Eikelmann, der aktuell den BV Werther trainiert und beim VfL Ummeln erster Seniorencoach von Schröder war. „Ich war relativ schnell überzeugt, dass Daniel eine Menge Potenzial hat. Zufällig hatte ich damals gute Kontakte zum DSC, wir konnten ein Probetraining für ihn organisieren. Und hinterher hat mir Trainer Carsten Rump gesagt, sie würden ihn wohl nehmen.“ Doch Schröder entschied sich gegen den Oberligisten und sagte auch Westfalenligist VfL Theesen ab, um zur Spvg. Steinhagen zu gehen. „Von der A-Liga in die Landesliga, das hat sich als der richtige Schritt angefühlt“, blickt Schröder zurück.

Eikelmann sieht genau hier eine besondere Qualität des Stürmers: „19 von 20 Nachwuchsspielern hätten wahrscheinlich zugesagt. Aber Daniel war immer schon unbekümmert. Das macht ihn auch auf dem Platz so stark.“

So ging Schröder mit der Empfehlung von 30 Saisontoren von A-Ligist Ummeln an den Cronsbach. Auch in Steinhagen gehörte der großgewachsene Linksfuß bei Coach Daniel Keller direkt zum Stammpersonal und hatte mit neun Treffern seinen Anteil am starken vierten Platz in der Landesliga. Keller: „Daniel ist bei uns eingeschlagen wie eine Bombe. Mit seinem Tempo war er der perfekte Sturmpartner für Basti Herrmann. Ich kann mich noch erinnern, dass wir immer wieder Tore über ein festes Schema erzielt haben: Ballgewinn, tiefer Ball auf Daniel nach außen, Tor Herrmann. Ich hätte ihm schon damals den nächsten Schritt zugetraut - mit dem Tempo. Aber aufgrund der unklaren beruflichen Situation machten diese Gedankenspiele überhaupt keinen Sinn.“

Dass aufgrund der Spielweise schnell Parallelen zu „Raumdeuter“ und FC-Bayern-Urgestein Thomas Müller gezogen werden, verwundert daher nicht. „Das habe ich tatsächlich schon mal gehört“, lacht Schröder. Und natürlich gab es auch eine Menge Glückwünsche aus der Heimat: „Als Daniel Keller den Artikel zum Wechsel in den sozialen Medien geteilt hat, kamen ein paar Nachrichten. Unter anderem auch einige Sticheleien: Was passiert wäre und ob ich plötzlich ein anderer Spieler wäre? Aber eigentlich hat sich bei mir nichts verändert“, beteuert der sympathische Linksfuß lachend. Bleibt nur noch die Frage, wann der Ball denn überhaupt wieder rollt und ob sein Wechsel sich womöglich deshalb verschiebt: „Das kann aktuell niemand abschätzen. Ich lasse es einfach auf mich zukommen.“

Unbekümmert wie eh und je, auch wenn dieser Wesenszug zurzeit wie bei so vielen auf eine harte Probe gestellt wird.

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