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Andreas Wessels wird am Silvestertag 50 Jahre alt - Auf die Geburtstagsparty muss der Vorsitzende der Spvg. Steinhagen verzichten, da bleibt Zeit für Erinnerungen

Auf eine Kanne Bier mit Rudi Völler

Steinhagen

In Mexiko wird Brasilien mit Pelé Fußball-Weltmeister, in England trennen sich die legendären Beatles, und in Deutschland wird das Frauenfußballverbot aufgehoben. Das alles passierte 1970, bevor Andreas Wessels am Silvestertag geboren wurde. Der Vorsitzende der Spvg. Steinhagen feiert am Donnerstag 50. Geburtstag.

Klaus Münstermann

Die Geburtstagsfeier fällt aus, da bleibt Zeit für die Modelleisenbahn: Andreas Wessels Foto: Klaus Münstermann

Gemeinsam mit WB-Mitarbeiter Klaus Münstermann schaut der dreifache Familienvater auf die größten Spiele seiner langen Fußballerlaufbahn im Trikot der Spvg. Steinhagen zurück. Bobby, wie Wessels von den meisten Vereinskollegen genannt wird, begann mit fünf Jahren beim VfB Fichte und landete über die Stationen TuS Eintracht Bielefeld und SV Brackwede in den 1990er Jahren in Steinhagen.

31. März 1997: Spvg. Steinhagen II - Sportfreunde Sennestadt 2:1. Zwei Jahre zuvor hatte eine schwere Verletzung des rechten Knies Bobby außer Gefecht gesetzt. „Ich hatte mir die Kreuzbänder und ein Innenband gerissen. Zehn Wochen war das Bein eingegipst und ich bin fast ein Jahr an Krücken gegangen. Danach habe ich bei unserer Zweiten nur mittrainiert und mir ihre Spiele angesehen“, erzählt Wessels.

Bis zum Ostermontag 1997. „Trainer Katsche Schnatmeier hatte nur zehn Spieler zur Verfügung und fragte, ob ich spielen könnte“, so Wessels. „Theoretisch ja, aber ich habe keine Schuhe und spiele nur im Sturm“, forderte der gelernte Verteidiger Wessels. Schuhwerk in der eher kleinen Männergröße 40 stellte Dragan Matic zur Verfügung.

„Mit denen habe ich beide Tore zum 2:1-Sieg gegen den A-Liga-Tabellenführer erzielt. Mein Gegenspieler war damals Bülent Cimsir, der später nach Steinhagen kam. Das bietet heute noch Stoff für Frotzeleien“, sagt Wessels.

22. März 1999: Spvg. Steinhagen - VfL Ummeln 2:1. „Diese Bezirksliga-Partie geht mir nicht aus dem Kopf. Wir waren haushoch überlegen, lagen aber 0:1 hinten. Ich hatte gefühlt Chancen für 15 Tore, hätte aber nicht einmal einen Möbelwagen getroffen“, erzählt Wessels. Nachdem er eine Flanke von Martin Schmidt kurz vor Ende der Partie doch zum 2:1 in die Maschen köpfte, wurde aus dem Chancentod der Matchwinner und für die Pressevertreter war Bobby Wessels „Der Mann des Tages“.

9. August 1999: Spvg. Steinhagen - TSV Amshausen 1:0. Nach einem Platzverweis gegen Christian Jung spielte Steinhagen in den letzten Minuten zu zehnt. Dann versprang Amshausens Meik Tischler der Ball bei der Annahme und „ich habe ihn einfach reingehauen“, sagt Wessels. Er wurde zudem kurz vor Ende der Bezirksliga-Partie von Frank Schürmann im Strafraum umgegrätscht. In den Augen des Schiedsrichters gab es keinen Grund einzugreifen. Das sah Bobbys Vater Dieter „Zipper“ Wessels anders. Mit erhobenem Regenschirm schimpfte er nach Abpfiff wie ein Rohrspatz in Richtung des Unparteiischen.

31. Mai 2000: Spvg. Steinhagen - DFB-Traditionself 5:6. „Diese Partie zu unserem 100-jährigen Vereinsjubiläum ist der absolute Höhepunkt meiner Laufbahn“, so Wessels. „Vor 2000 Zuschauern zwei Tore gegen Dieter Burdenski zu erzielen war ein tolles Erlebnis.“

Dabei war Steinhagens Trainer Jochen „Sachse“ Krämer wenig angetan von der Spielvorbereitung seiner Schützlinge. „Klaus Allofs kam eine halbe Stunde zu spät. Da hat Sinan Koc die Wartezeit genutzt, um mit uns in der Kabine auf die Geburt seiner Tochter mit Sekt anzustoßen“, amüsiert sich Wessels.

Nach der Partie sei Rudi Völler zu ihnen gekommen. „Macht mir mal bitte eine Kanne Bier auf. Bei uns gibt‘s nur Wasser, hat er gesagt und ist zwei Stunden geblieben. Als der wenige Wochen später Bundestrainer wurde, konnten wir es zunächst kaum fassen“, so Wessels.

18. April 2004: Spvg. Steinhagen II - TSV Amshausen 1:1. „Mein Vater stand hinter unserem Gehäuse als mir eine Grätsche missglückte und der Ball so in unserem eigenen Tor landete“, sagt Wessels. Dort blieb er aber nicht lange, fand durch ein zu großes Loch im Netz den Weg nach draußen – bis vor die Füße von „Zipper“. Der kickte den Ball zur Seite und rief „Ecke“. Der Schiri ließ sich darauf ein, die Partie endete 1:1 und wenige Wochen später bedeuteten diese „geklauten“ zwei Punkte für Amshausen den Abstieg aus der Bezirksliga und für Steinhagen den Klassenerhalt. „Unsere Nichtabstiegsfeier, war die beste Party, die ich jemals mitgemacht habe“, sagt Wessels.

Weil die zu seinem 50. Geburtstag nun ausfällt, hat er seine Modelleisenbahn nach 30 Jahren aus dem Keller geholt und aufgebaut.

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