1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Lokalsport
  4. >
  5. Steinhagen
  6. >
  7. Granulat muss weg – Sperrung droht

  8. >

Fußball: Kunstrasen-Plätzen droht das Aus

Granulat muss weg – Sperrung droht

Halle (WB). Das Granulat, das auf den meisten Plätzen (circa 35 Tonnen) als Füllstoff verwendet wird, fällt unter die Rubrik »Mikroplastik«. Insgesamt gelangen laut ein Studie in Deutschland ungefähr 11.000 Tonnen Granulat durch Regen, Wind und die Spieler in die Umwelt und ins Grundwasser. Um das in Zukunft zu verhindern, will die EU nun so schnell wie möglich ein Verbot für das Kunststoffgranulat einführen. 2021 soll dieses bereits in Kraft treten.

Jens Horstmann

Das Granulat hat ausgedient. Doch was passiert mit vielen Kunstrasen-Plätzen, wenn es verboten wird? Foto: Oliver Schwabe

Betroffen wären von dieser Regelung auch die Gemeinden und Vereine im Altkreis Halle. Insgesamt sieben Kunstrasenplätze wird es in Werther (3), Steinhagen (2) und Halle (2) bald geben. In Bielefeld ist knapp die Hälfte der 19 Kunstrasenplätze mit dem umstrittenen Granulat ausgestattet. Bei einer Sperrung wäre ein geordneter Ligen- und Trainingsbetrieb kaum mehr möglich.

Übergangsfristen

Für die Stadt Halle wäre ein derartiges Verbot jedoch von keiner Bedeutung. Denn der Kunstrasenplatz an Haller Masch wird bald zugunsten von Bauland verschwinden. Dafür entstehen unterhalb des Schulzentrums zwei neue Kunstrasenfelder, die jedoch ohne Granulat auskommen. »Wir haben uns bereits bei der Planung der Felder für Füllung aus Kork entschieden«, erklärt Benjamin Potthoff von der Abteilung Ordnung, Schule, Kultur und Sport. »Zum einen war natürlich schon das Mikroplastik ein Thema, weshalb wir uns gegen Granulat entschieden haben. Des weiteren heizt sich Kork nicht ansatzweise so auf.« Und gegenüber dem schwarzen Granulat, welches aus alten LKW-Reifen hergestellt wird, bietet Kork noch einen weiteren Vorteil. Denn bei großer Hitze beginnen die Granulat-Teilchen unangenehm zu riechen. Für Potthoff ist es allerdings schwer vorstellbar, dass ein Verbot ohne eine Übergangsregelung durchgesetzt wird: »Alle Plätze auf einmal umzurüsten, dafür haben die entsprechenden Firmen ja gar nicht die Kapazitäten.«

Auf diese Übergangsfristen hofft auch Gabi Schneegass in Steinhagen. Denn als der Kunstrasenplatz am Steinhagener Cronsbach vor zwei Jahren erneuert wurde, entschied sich die Gemeinde für ein Gemisch aus dem grünen Granulat und Sand. So, wie es auch vor einigen Jahren beim Kunstrasenbau beim TSV Amshausen verwendet wurde. »Wir haben diese Entscheidung ja nicht leichtfertig getroffen, sondern uns bewusst für die zu dem Zeitpunkt umweltfreundlichste Variante entschieden«, erklärt Schneegass. Da es noch keine klare Regelung für Umbaumaßnahmen und Übergangsfristen gibt , sind den Verantwortlichen derzeit die Hände gebunden. Schnegass erklärt: »Der Gesetzgeber überlegt noch, wie genau es ablaufen soll. Und so lange das nicht bekannt ist, weiß auch niemand, ob er zusätzliche Kosten für einen Abtrag aufbringen muss.«

Eines steht für Gabi Schneegass aber fest: »Wenn es keine Übergangsfristen gibt, müssten viele Plätze erst einmal geschlossen werden. Und darunter würden die zahlreichen Sportler leiden. Das kann doch keiner wollen.«

Ältere Plätze

Bei der Stadt Werther kann man der Entscheidung der EU dagegen gelassen gegenüberstehen. Als der Platz des BV vor gut einem Jahr erneuert wurde, entschieden sich die Verantwortlichen für eine Korkbefüllung. »Wir haben uns lange Gedanken gemacht und uns auch nochmal den Platz in Kloster Oesede angeschaut. Danach haben wir uns dann für Kork entschieden«, erklärt Guido Neugebauer von der Stadt Werther. BV-Trainer Daniel Eikelmann nennt einen weiteren Vorteil: »Früher habe ich in Jöllenbeck gespielt. Wenn die Sonne da richtig geknallt hat, hat sich das Granulat nochmal ordentlich aufgehitzt. Das kommt jetzt nicht mehr vor. Aber im Spielverhalten habe ich keine großen Unterschiede festgestellt.« Hätte man sich dagegen für Sand statt Kork entschieden, wäre der Unterschied augenscheinlich. Die Bälle würden deutlich weniger springen. Auch die Verletzungsgefahr wäre größer.

Auf den älteren Plätze der Stadt, in Langenheide und Häger, liegt dagegen das verpönte grüne Granulat. Da beide Vereine beim Bau auch als Bauherren aufgetreten sind, wäre die Stadt Werther zunächst einmal aus der Verantwortung. Häger Fußballobmann Jörg Müller steht dem Thema dennoch relativ gelassen gegenüber: »Alles was die Umwelt schont und entlastet ist richtig. Aber dass demnächst unzählige Plätze geschlossen werden, weil der Umbau bis 2022 nicht umgesetzt werden kann, dafür fehlt mir schlicht die Fanatsie.«

Startseite