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Fußball: Ein Saison-Abbruch ohne Absteiger rückt immer näher. Steinhagen würde die Herausforderung „Landesliga“ annehmen

„Nikolaus ist kein Osterhase“

Halle (star/hosh). Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) hat seine Vereine abstimmen lassen, ob die Saison abgebrochen und wie sie in diesem Fall gewertet werden soll – mit folgendem Ergebnis (wie bereits Mittwoch berichtet): 11,6 Prozent stimmten für eine Saisonfortsetzung ab September. 24,2 Prozent für einen Abbruch mit Wertung des aktuellen Tabellenstandes (nur Aufsteiger, keine Absteiger). 30 Prozent für einen Abbruch und Wertung nach der Hinrunde (nur Aufsteiger, keine Absteiger). 34,2 Prozent für einen Abbruch und Annullierung (keine Auf- und Absteiger).

Marcel von Domaros bleibt Spvg. Steinhagen als spielender Co-Trainer erhalten – wahrscheinlich in der Landesliga. Foto: Sören Voss

Dass die Saison nach diesem Votum beendet ist, daran gibt es keine Zweifel mehr. Auch scheint klar zu sein, dass keine Mannschaft absteigen muss. Offen bleiben dennoch entscheidende Fragen: Für welche Wertung entscheiden sich die Funktionäre? Gibt es Aufsteiger? Und steigen vielleicht doch wie beim Handball mehrere Teams auf, obwohl über diese Option gar nicht abgestimmt worden ist? Eine solche Quotientenregelung soll bei der Videokonferenz der Westfalenligisten am Dienstagabend Anklang gefunden haben. Dort haben sich übrigens alle beteiligten Vereine für einen vorzeitigen Saisonabbruch ausgesprochen. Es folgen noch weitere Videokonferenzen mit klassentieferen Vereinen. Mit einem Beschlussvorschlag, der auch noch verabschiedet werden muss, ist deshalb nicht vor Anfang Mai zu rechnen. Das WB hat sich bei den heimischen Teams umgehört.

Andreas Wessels (Vorsitzender der Spvg. Steinhagen): „Für mich war eine Annullierung der Saison ohne Auf- und Absteiger keine Option, weil sportlicher Erfolg belohnt werden muss. Ich gehe davon aus, dass wir dort melden, wo wir eingruppiert werden. Ich glaube, dass wir auch für die Landesliga gut aufgestellt sein werden.“ n In Marcel von Domaros hat ein Leistungsträger des aktuellen Landesliga-Vorletzten seine Zusage für die kommende Saison gegeben. Der Defensiv-Spieler soll als spielender Co-Trainer der verlängerte Arm im neu formierten Team von Coach Igor Sreckovic werden. Wessels ist zudem optimistisch, dass auch Ridvan Cinar und Jonas Böhme bleiben. Als weitere externe Neuzugänge stehen Pascal Vorderbrügge (zuletzt Pödinghausen, aber mit Steinhagener Wurzeln) und Torwart Burak Kunt (Marienfeld) fest.

Jörg Müller (SV Häger): „Auch wenn diese Meinung nicht alle beim SV Häger teilen, finde ich, dass die Saison abgebrochen und annulliert werden sollte. Ich will damit auch nicht der Spvg. Versmold eins auswischen. Ich würde Thomas Schmidtke und Rolf Uthmann den Aufstieg von Herzen gönnen. Aber es ist einfach keine reguläre Saison, wenn nicht Hin- und Rückspiele ausgetragen worden sind. Und auch wenn ich mit Uli Hoeneß nicht immer einer Meinung bin, so hat er richtigerweise schon einmal gesagt: Der Nikolaus ist kein Osterhase. Denn oftmals liegt im Winter ein anderes Team vorne als am Saisonende. Und wenn es wieder los geht, sollte eine Entscheidung möglichst wenige Auswirkungen auf die kommenden Jahre haben. Ich möchte keine ungeraden Ligen oder Ligen mit Übergrößen.“

Gökay Bostanci (SC Halle): „Erstmal ist ein Abbruch die richtige Entscheidung. Aber ich finde nicht, dass die Saison komplett annulliert werden sollte. Man darf Mannschaften nicht für ihre gute Leistung bestrafen. Man steckt viel Zeit und Aufwand in so eine Saison. Wir haben als Zweiter aktuell den Relegationsplatz inne. Es wäre schön, wenn so eine Platzierung auch etwas Wert wäre. Die Tabellenführer sollten aber auf jeden Fall aufsteigen.“

Björn Dreß (Spvg. Versmold): „Ich weiß natürlich, dass ich mir als Versmolder da etwas ins eigene Fleisch schneide. Aber ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich eine Annullierung der Saison für die richtige Entscheidung halten würde. Auch wenn es für uns sehr, sehr bitter wäre, weil wir eine so tolle Serie spielen. Aber eine Saison hat nun mal 30 Spiele und nicht 18 oder 19. Viele Teams haben sich im Winter zum Beispiel nochmal verstärkt, aber jetzt keine Chance noch Boden gutzumachen. So ein Aufstieg hätte immer ein ‚Geschmäckle‘. Und so eine Wertung wäre einfach nicht fair.“

Kommentar

Für die Befragung der Vereine haben die Verantwortlichen des FLVW nicht nur Lob bekommen. Auch kritische Töne waren zu hören. Es stimmt ja. Dass fast jeder Vereinsvertreter bei der Abstimmung vor allem das Wohl seiner Mannschaften im Blick hat, das ist zum einen menschlich. Zum anderen wird so ein objektives Stimmungsbild verwässert. Dennoch ist nicht nur der Wunsch nach dem Saisonabbruch (88,4 Prozent) ein eindeutiges Ergebnis. Die Mehrheit der Vereine (65,8 Prozent) hat sich mit der Stimme für Option eins, zwei oder drei dafür ausgesprochen, dass sportlicher Erfolg belohnt werden und es Aufsteiger geben soll.

Bleibt zu hoffen, dass dieses Votum bei der Entscheidung der Funktionäre berücksichtigt wird. Und auch wenn nicht danach gefragt worden ist, haben die Vereine noch einen anderen Wunsch: Eine zeitnahe Regelung, damit die Hängepartie endlich ein Ende hat.

Stephan Arend

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