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Fußball-Bezirksliga: Seit dem Torwart-Comeback von Julian Pohlmann hat Spvg. Steinhagen sechsmal gewonnen und einmal 0:0 gespielt

Vom Notnagel zum Glücksgriff

Steinhagen (WB). Wenige Tage vor dem Spitzenspiel gegen VfB Schloß Holte droht die bis dato erfolgreiche Saison des Fußball-Bezirksligisten Spvg. Steinhagen im November aus den Fugen zu geraten. Der Aufstiegsaspirant steht nach dem Kreuzbandriss von Stammkeeper Philipp Schremmer und dem Ausfall von Ersatzschlussmann Felix Runde plötzlich ohne Nummer eins da. Vier Monate später führt das Cronsbachteam die Tabelle an, steuert auch dank tadelloser Leistungen von Torwart Julian Pohlmann auf Titelkurs.

Stephan Arend

Torwart Julian Pohlmann zählt zu Steinhagens Erfolgsgaranten. Sonntag in Wellensiek will die Spvg. Platz eins verteidigen. Foto: Sören Voss

Der 28-Jährige hat bereits in der Saison 2013/2014 in Steinhagen gespielt und immer noch gute Kontakte zu seinen ehemaligen Mitspielern. Einer von ihnen funkt vor dem Holte-Spiel SOS. »Tobi Kreutzer hat mich angerufen und gefragt, was ich im Moment so mache«, erinnert sich Pohlmann an die erste Kontaktaufnahme. Weil er beim Westfalenligisten Victoria Clarholz im Sommer nach vier Jahren aufgehört hat, keine der Anfragen anderer Vereine gepasst hat und er stattdessen als Co-Trainer beim A-Jugend-Bezirksligisten JSG Peckeloh/Oesterweg eingestiegen ist, hat der Sozialversicherungsfachangestellte als Torwart gerade nichts zu tun – und entschließt sich zum Comeback am Cronsbach.

Das Problem: Ihm fehlt Spielpraxis, da er vor seinem Abschied aus Clarholz einige Monate verletzt gewesen ist. Lediglich beim Training seiner A-Jugend hat er ab und an im Tor gestanden. Doch der Kaltstart gelingt. Gegen Holte hält Steinhagens neue Nummer eins (»mit maximal 80 Prozent meines Leistungsvermögens«) sein Tor sauber. Auch danach verliert die Spvg. mit Pohlmann zwischen den Pfosten keine Partie, spielt nur einmal unentschieden.

»Julian ist ein absoluter Glücksgriff für uns«, sagt Mario Lüke. Und weil man auch einmal übertreiben darf, um seine Sichtweise deutlich zu machen, fügt Steinhagens neuer Trainer schmunzelnd hinzu: »Julian ist im entscheidenden Moment zur Stelle, er erinnert an Manuel Neuer zu besten Zeiten.« So wie zuletzt beim 1:0 gegen Hicret, als der Schlussmann in der Nachspielzeit den Sieg rettet. Es ist der erste Schuss auf sein Tor an diesem Nachmittag. Zuvor hat Pohlmann, der längst bei 100 Prozent angekommen ist, allerdings auch mit seiner Strafraum-Beherrschung gepunktet.

Julian Pohlmann sieht der neuen Saison gelassen entgegen

Nach der Erfolgsserie hat Steinhagen im Aufstiegsrennen die besten Karten. Der Tabellenvierte VfR Wellensiek ist am Sonntag der letzte Kontrahent aus den Top 6. »Natürlich kennen wir auch die nächsten zwei drei Gegner. Doch unser Fokus liegt ganz klar auf Wellensiek«, betont Steinhagens Nummer eins die Bedeutung der Begegnung. Die Rückkehr in die Landesliga wäre für Julian Pohlmann ein Höhepunkt. Aufgestiegen ist er nämlich noch nie »so richtig« – auch nicht mit seinem Stammverein SC Peckeloh, für den er vor seinem Wechsel 2013 nach Steinhagen spielte: »Als wir mit dem SCP in die Landesliga zurückgekehrt sind, da war ich verletzt.«

Was ihm damals verwehrt geblieben ist, das soll nun gelingen. Pohlmann hat ein gutes Gefühl – und das liegt auch am Trainer: »Es mag kitschig klingen, doch unsere Mannschaft und Mario Lüke haben sich gesucht und gefunden. Seine Ansprache vor dem Spiel und die Kommunikation im Training sind super, ebenso die detaillierte Einstellung auf den Gegner.« Da sich der Schlussmann zudem innerhalb des Teams wohl fühlt, hat er auch für die kommende Saison zugesagt – trotz oder gerade wegen der Saison 2013/14.

Damals musste er als schon gestandener Landesliga-Torwart seinem jüngeren Teamkollegen Philipp Schremmer den Vortritt lassen, saß fast das ganze Jahr auf der Ersatzbank. Dem erneuten Duell mit Schremmer in der kommenden Saison sieht der Keeper gelassen entgegen, zumal sein Torwartkollege nach schwerer Verletzung wohl noch Zeit braucht, um wieder ganz der Alte zu sein. Pohlmann »Ich wünsche Philipp, dass er möglichst schnell wieder 100-prozentig fit wird. Wir beide haben immer ein gutes Verhältnis gehabt und werden wieder locker mit der Situation umgehen. Ich habe aber keine Angst vor dem Konkurrenzkampf und muss mich überhaupt nicht verstecken.«

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