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Frauenfußball im Altkreis: Marion Baum und ihre Tochter Lea schreiben Amshausener Vereinsgeschichte

Wie die Mutter so die Tochter

Steinhagen-Amshausen (WB). „Ich habe mich durch die Anfrage geschmeichelt gefühlt und wollte die Herausforderung schließlich annehmen”, erinnert sich Marion Baum an die Gründung der Frauenmannschaft beim TSV Amshausen 1993. Die damals 23-Jährige kickte nach zuvor zwei Serien beim Bezirksligisten SC Peckeloh wieder bei ihrem Stammverein SV SG Hesseln und zögerte zunächst, als sie von Jugendleiterin Birgit Harz angesprochen wurde.

Klaus Münstermann

Marion Baum (50) hat die Frauenfußball-Mannschaft beim TSV Amshausen gegründet. Tochter Lea (20) hat ihr sportliches Erbe als Torjägerin angetreten. Foto: Klaus Münstermann

„Rolf Schütter trainierte damals die Mädchenmannschaft, von denen die meisten in der kommenden Serie für die Junioren zu alt waren. Nach einem Probetraining mit den Mädels stand für mich fest, dass ich es mache, wenn noch zwei oder drei Spielerinnen dazu kommen würden”, sagt Marion Baum. Und die kamen mit Natalie Kordes und Katja Scholz, geborene Schmidt. Kordes hat 2020 die Leitung der Frauenabteilung von Baum übernommen und ist zugleich Co-Trainerin der Mannschaft, in der Katja Scholz noch immer mitspielt.

Weniger als zehn Gegentore gefeiert: “In der ersten Serie haben wir jedes Spiel auf die Mütze bekommen. Aber wir sind dran geblieben und als wir in der Rückrunde in Oesterweg das erste Mal weniger als zehn Gegentore kassiert hatten, haben wir richtig gefeiert”, sagt Baum, die zwei Jahre Trainerin und Spielerin zugleich war. „Danach lief’s”, fügt sie mit einem Augenzwinkern hinzu. Der Kader verbesserte sich in den Folgejahren mit Zugängen wie Claudia „Flo“ Weigt kontinuierlich.

Dramatisches Finale vor 200 Zuschauern: Die Ausgangslage vor dem Duell mit Spitzenreiter Oesterweg am letzten Spieltag 1997/98 war klar: Amshausens Mannschaft unter Trainer Peter Bartsch musste gewinnen, um die SG noch abzufangen. Mehr als 200 Zuschauer wollten das Duell auf dem Amshausener Naturrasen sehen. Den Führungstreffer durch Claudia „Flo“ Weigt glichen die von Harald Bestmann trainierten Gäste durch Sarita Damea kurz vor der Pause aus. Das 1:1 hätte dem TSV nicht gereicht. Aber Tanja Beckmann holte nach Vorlagen von Marion Baum (damals Arndt) und Marika Böker zum Doppelschlag zur 3:1-Führung aus. Oesterweg kam durch Katja Tabor nur noch auf 2:3 heran, weil der TSV leidenschaftlich kämpfte. Mit dem Abpfiff war der einzige Bezirksliga-Aufstieg geschafft.

Geheimnisvolles Buch im Kuh-Design: „Das war eine verschworene Truppe”, sagt Peter Bartsch (75) über den Erfolg, zu dem er in seinem einjährigen TSV-Engagement auf ungewöhnliche Weise beigetragen hat. „Vanessa Grieger war gegen Oesterweg in der ersten Halbzeit völlig von der Rolle. Deshalb habe ich sie zur Pause in die Kabine geschickt. Ich habe mich überreden lassen, sie weiterspielen zu lassen und mit ihr gesprochen. Nach dem Wechsel hat sie das Spiel ihres Lebens gemacht”, erinnert sich Bartsch. Dieser Vorfall um seine Spielmacherin fand wie alles rund um die Spiele der TSV-Mädels Niederschlag in seinem „Kuh-Buch“. „Der Einband war schwarz-weiß gefleckt, daher der Name. Darin habe ich mir während der Partien Notizen gemacht, positive wie negative. Deshalb hat das Buch bis heute auch niemand zu Gesicht bekommen.”

Drei Jahre dauert das Abenteuer: Der TSV Amshausen hält sich drei Jahre in der Bezirksliga. Marion Baum muss dabei schweren Herzens meistens zuschauen. „In der ersten Saison habe ich mir einen Kreuzbandriss zugezogen und in der zweiten ist meine Tochter Lea zur Welt gekommen. Aber drei Monate nach ihrer Geburt stand ich wieder auf dem Platz. Da habe ich sie in der Halbzeitpause auch schon mal stillen müssen”, sagt Marion Baum. Seit dem Abstieg im Jahr 2001 ist der TSV nicht wieder aufgestiegen. „Das war auch lange nicht unser erstes Ziel. Wir wollen alle spielen lassen, die Lust dazu haben. Das steht im Vordergrund”, sagt Baum.

Frauen fühlen sich nur geduldet: Der TSV Amshausen ist einer der wenigen Vereine, die seit der Gründung einer Frauenmannschaft in jeder Spielzeit ein Team gestellt haben. Andere wie Spvg. Versmold, SG Oesterweg, SV SG Hesseln und SC Halle haben über kurz oder lang aufgeben müssen. „Der Trend im Mädchen- und Frauenfußball ist im Allgemeinen rückläufig. Andere Vereine werden auch noch Probleme bekommen”, mutmaßt Baum. „Man bekommt das Gefühl, dass Frauen in Vereinen nur geduldet sind. Es ist zwar schön, dass ihr da seid, aber ihr dürft kein Geld kosten. Um Sponsoren müsst ihr euch selbst kümmern”, sagt Marion Baum.

Plötzlich Obfrau statt Vize-Präsidentin: Das macht die 50-Jährige beim TSV mit viel Herzblut. Und das seit 2012 als Leiterin der gesamten Fußballabteilung. „Als Friedrich Böckhaus damals Werner Sötebier an der Vereinsspitze abgelöst hat, wäre ich gerne stellvertretende Vorsitzende geworden. Weil Niklas Schneider aber gleichzeitig als Obmann aufgehört hat, habe ich mich plötzlich in meiner heutigen Rolle wieder gefunden.” Neben ihrer Tätigkeit als Trainerin der B-Junioren hält Marion Baum den Laden jenseits des Spielfeldes zusammen. Auf dem Platz ist Tochter Lea (20) in ihre Fußstapfen getreten.

„Wir müssen aus der Kreisliga raus”: Die 20-Jährige spielt mit Ausnahme eines zweijährigen Intermezzos beim DSC Arminia seit den Bambinis beim TSV und schulte von Verteidigerin erfolgreich auf Stürmerin um. 29 Treffer hat Lea Baum nach sechs Runden erzielt und führt die Torjägerliste ebenso an wie ihre Mannschaft unter Trainer Alexander Wallenstein verlustpunktfrei die Kreisliga-Tabelle. Beim letzten Spiel vor der Corona-Pause gelangen der 20-Jährigen zehn Tore beim 25:0- gegen die 9er Mannschaft des TuS Hillegossen, darunter ein Hattrick innerhalb von nur zwei Minuten. „Das gelingt nur, wenn mich meine Mitspielerinnen sehr gut einsetzen”, gibt sich Lea Baum bescheiden. Zumindest in Bezug auf Ihre Torgefährlichkeit. Denn für diese Saison hat sie ein ganz klares Ziel: „Wir sind wiederholt ganz knapp am Aufstieg vorbei geschrammt. Mit unserer eingespielten Mannschaft werden wir in der Kreisliga kaum noch gefordert und es macht langsam keinen Spaß mehr. Wir müssen da unbedingt raus.”

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