1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Lokalsport
  4. >
  5. Verl
  6. >
  7. Wütend über widrige Umstände

  8. >

SC Verl enttäuscht beim 0:0 – Bertels ärgert »Wettbewerbsverzerrung«

Wütend über widrige Umstände

Kaan-Marienborn  (WB). Die steile Steinplatten-Tribüne unterhalb des Waldhanges bietet Panoramablick: Man schaut auf eine alm-ähnliche Kuhweide mit Holzschuppen am Berg. Darunter – in der Senke des idyllischen Breitenbachtals – liegt die Heimat des 1. FC Kaan-Marienborn. Dort holt der SC Verl am Samstag ein 0:0 der eher unansehnlichen Sorte. Aber nicht nur wegen dieser Enttäuschung müssen sich die Gäste in der Herkules-Arena kräftig zusammenreißen.

Christian Bröder

Raus aus dem komischen Container, runter über die steile Alu-Treppe, rauf auf den harten Kunstrasen: Teammanager Horst Lakämper (von oben), die Spieler Daniel Mikic, Robin Brüseke, Marko Stojanovic und Daniel Hammel sowie Co-Trainer Maniyel Nergiz erleben am Samstag mit dem SC Verl ein besonders spezielles Auswärtsspiel beim Aufsteiger 1. FC Kaan-Marienborn. Foto: Jens Dünhölter

Nein, vor allem das Drumherum sorgt für Verdruss: Es sind wieder mal außergewöhnliche Bedingungen, mit denen es die Verler Viertliga-Fußballer am 5. Spieltag der Regionalliga West zu tun bekommen. Gespielt wird bei der Heim-Premiere des Aufsteigers aus dem Siegerland in der mehrwöchig umgebauten Arena auf einem stumpf-harten Kunstrasenplatz. Das Spielfeld trennen eine Tartanbahn, eine schnell überwindbare Rohrrahmen-Barriere und stellenweise nur Flatterband von den diesmal 335 Zuschauern. Damit nicht genug: Umgezogen und geduscht wird sich in Containern, die die Verler aber nur über eine abschüssige Aluminium-Treppe erreichen.

Julian Stöckner

»Die Gegebenheiten sind sehr speziell. Es macht keinen Spaß, hier zu spielen und wir wollten eigentlich einen Beitrag dazu leisten, dass wir in der nächsten Saison nicht noch mal nach Kaan-Marienborn fahren müssen«, erklärt Kapitän Julian Stöckner. Auch aus seiner Sicht kann von Regionalliga-Tauglichkeit in der Herkules-Arena keine Rede sein.

Für Sicherheitsspiele: Umzug ins Leimbachstadion auf Naturrasen

Ohnehin dürfen auf dem Kunstrasen nur »unkritische« Partien ausgetragen werden. Für Sicherheitsspiele, wie das jüngste 1:4 gegen Rot-Weiss Essen, muss der 1. FC Kaan-Marienborn in das benachbarte Siegener Leimbachstadion auf Naturrasen umziehen.

SCV-Boss Raimund Bertels fordert gleiche Bedingungen für alle

Das ist eine Sachlage, die den Verler Vereinsvorsitzenden Raimund Bertels am Samstag so richtig auf die Palme bringt: »Ich hasse solche Umstände. Wir müssen hier spielen, während sich Klubs wie Essen, Oberhausen und Wuppertal schlapplachen und in Siegen auf Rasen spielen dürfen. Die müssen auf dem Scheiß nicht ran, weil sie Sicherheitsspiele haben. Das ist Wettbewerbsverzerrung und absolut ungerecht. Ich bin stinksauer«, erklärt der 51-Jährige und fordert den WDFV zum Handeln auf: »Da muss der Verband etwas tun: Wir müssen hier spielen, andere nicht. Das geht nicht! Wenn, dann sollen alle Klubs die gleichen Bedingungen haben.«

Verler sind schon wieder die Remiskönige

Selbstkritisch räumt Julian Stöckner derweil noch andere Gründe dafür ein, weshalb es im Breitenbachtal bei gefühlten 80 Prozent Ballbesitz nicht zum zweiten Saisonsieg reichte. »Vorne hat es an der letzten Konsequenz gemangelt. Wir spielen wieder 0:0, sind wieder die Könige«, übt sich der 29-Jährige nach dem vierten Remis der Saison (so viele hat keiner) in Galgenhumor. In der Beziehung knüpft der SC Verl nahtlos an die letzte Spielzeit an, die man mit 17 Unentschieden als die Remiskönige der Liga beendet hat.

Statistik: 1. FC Kaan-Marienborn - SC Verl 0:0

1. FC Kaan-Marienborn: F. Hammel - Buceto, Schneider, Gänge, Yigit, Tomas - Radschuweit (62. Brato), Binder - Waldrich (89. Gencal), Lo Iacono (74. Krieger), Ramaj. SC Verl: Brüseke - Schmik, Mikic, Stöckner, Sansar - Müller (43. Schröder) - Kurzen, Haeder (82. Sewing), Langemann, Stojanovic - Hammel (70. Maier). Schiedsrichter: Niklas Dardenne (27), Euskirchen, Verein: SG Sportfreunde 69 Marmagen-Nettersheim. Zuschauer: 335. Gelbe Karten: Tomas (49.), Schneider (69.), Waldrich (81.) – Stojanovic (82.), Schmik (90.+3). Ecken: 2:5 (0:1). Chancen: 3:5 (1:0).

Die Trainerstimmen

Guerino Capretti (36), SC Verl: »Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen: Spiele auf Kunstrasen sind wir nicht gewohnt, doch dafür haben wir es gut gemacht. Wir hatten viel Ballbesitz, ohne dabei für Gefahr zu sorgen. Gegen einen Gegner, der im 5-2-3-System spielt, ist das aber nicht einfach. In der zweiten Hälfte hatten wir klarere Chancen. Maier köpft über die Latte, Langemann knapp vorbei. Meiner Meinung nach war es sogar das beste Spiel in dieser Saison. Der einzige Vorwurf: Wir machen das Tor nicht, womit wir unsere Leistung hätten krönen können. Jetzt sind alle etwas bedröppelt in der Kabine.«

Thorsten Nehrbauer (40), 1. FC Kaan-Marienborn: »Meine Mannschaft sitzt auch ziemlich bedröppelt in der Kabine, wenn auch aus anderem Grund. Eigentlich haben die Jungs alles prima organisiert und umgesetzt. Was fehlte, war der letzte Pass und das nötige Quäntchen Glück. Obwohl die Gäste viel Ballbesitz hatten, haben wir nicht sonderlich viel zugelassen. Im Grunde genommen ist das 0:0 heute ein Punkt für die Moral. Letztlich müssen wir damit mal zufrieden sein.«

Startseite
ANZEIGE