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Handball-Bezirksliga: Torwart Bastian Latussek rettet Hesselteicher Aufstieg

Drama mit Happy End in letzter Sekunde

Versmold-Hesselteich  (WB). Es ist geschafft: Dank eines knappen 30:29 (18:12)-Heimsiegs über CVJM Rödinghausen II sind die Handballer der Spvg. Hesselteich in die Landesliga aufgestiegen. Das Drehbuch dieses Aufstiegsdrama hätte sich kein Hollywood-Autor besser ausdenken können.

Jens Horstmann

»Landesliga, wir kommen!« Die Aufsteiger der Spvg. Hesselteich von links: Kevin Stöwe, Jannik Mittendorf, Andreas Kattenbaum, Janis von Ameln, Yannik Mithöfer, Carsten Grüntkemeier (verdeckt), Tim Kleine-Tebbe, Sören Twelkemeier, Jonas Mittendorf, Michael Schaldach, André Westmeier, Patrick Bettmann, Jannik Fromme, Ruben Aldejohann (verdeckt), Sascha Jankowski, Zeitnehmer Rüdiger Kottmeyer, Bastian Latussek, Matthias Höppner sowie sitzend Trainer Michael Bohnemeier und Gerd Twelkemeier. Foto: Jens Horstmann

Die Anzeige der Versmolder Sparkassen-Arena zeigt 60:00 Minuten und ein 30:29 für Hesselteich an. Die Schlusssirene ist ertönt und dennoch wird es in der Halle mucksmäuschenstill, die Spannung ist förmlich greifbar. Denn es gibt noch einen Siebenmeter für die Gäste. Ein Remis würde Rödinghausen reichen, um Hesselteich hinter sich zu halten und somit aufzusteigen. Torwart Bastian Latussek zieht sich langsam sein Trikot aus, während sein Torwartkollege Matthias Höppner fassungslos und wütend zugleich in die Kabine stapft und seinen Frust dort erst mal am Interieur auslässt. Hat er gerade sein Team um den Aufstieg gebracht?

16 Sekunden vor Schluss hat Hesselteich Anwurf, schenkt den Ball aber zum wiederholten Male leichtfertig gegen die mittlerweile komplett offensiv deckenden Gäste her. Der Gegenstoß wird unterbunden, der Ball hüpft in Richtung des bis dahin starken Höppner. Statt die Kugel einfach hinzulegen, behält er sie kurz in der Hand. Die Uhr tickt herunter, die Gäste beschweren sich und das Schiedsrichter-Duo entscheidet regelkonform: »Rot« wegen Spielverzögerung gegen Hesselteichs Torsteher und Siebenmeter. Ist jetzt alles für die Katz? Zur Halbzeit hat die Spvg. 18:12 geführt, nach 36 Minuten sogar 21:13. Selbst 95 Sekunden vor Ende waren es noch drei Tore Vorsprung, 29 Sekunden vor Abpfiff auch noch zwei. Und jetzt ziehen sich die Hesselteicher reihenweise das Trikot über den Kopf. Sie wollen den Schlussakt einfach nicht mit ansehen.

Das entscheidende Duell: Latussek schlurft in seiner bekannt ruhigen Art Richtung Tor, Rödinghausens starker Mittelmann Cilian Krenz hat zuvor vier seiner fünf Siebenmeter im Spiel getroffen und wartet an der Marke. Eine Täuschung, dann der Wurf halbhoch links vom Tormann aus gesehen - und »Latus« Hand schnellt heraus, lenkt den Ball hinter seinem Rücken her. Er verpasst den Winkel nur um einige Zentimeter und hüpft gegen die Hallenwand.

Dann explodiert die Arena. Fast 400 der insgesamt 420 Fans halten es mit den Hesselteichern, die Spieler sprinten Richtung »Latu«, der seinen Teamkollegen nicht entkommen kann. Während Höppner sein Glück kaum fassen kann und Tränen der Erleichterung vergießt, sind die Gäste am Boden zerstört. Vergangene Saison haben sie im Entscheidungsspiel gegen Sendenhorst durch einen Siebenmeter nach Abpfiff den Aufstieg verpasst, jetzt wiederholt sich dies auf ähnliche Weise.

Hesselteichs Trainer Michael Bohnemeier jubelt daher nicht sofort, sondern kümmert sich um die Verlierer: »Mein Mitgefühl gilt Rödinghausen. Aber es darf natürlich nie so weit kommen. Wir haben eine überragende erste Halbzeit gespielt und alles richtig gemacht. Unter der Woche haben wir uns auch noch mal genau auf Rödinghausen vorbereitet, aber am Ende hat es einfach eine Eigendynamik entwickelt.« Matthias Höppner weicht seinem persönlichen Helden nicht mehr von Seite: »Die Aktion war dumm und überflüssig. Aber wir waren die ganze Saison ein überragendes Gespann, zum Glück auch heute.« Sein Kollege sieht es ähnlich: »Natürlich war die Situation schwierig, aber ich habe mir gedacht: Mach einfach deinen Job.«

Tore für den Aufsteiger: Fromme (6/4), Kattenbaum (5), Jankowski, Stöwe (je 4), Aldejohann, Mithöfer (je 3), Twelkemeier (2), Ja. und Jo. Mittendorf, Kleine-Tebbe.

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