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Triathlon: Der Versmolder Reinhard Roy (55) meistert seinen ersten Ironman

»Gigantisch«

Versmold (WB). 2500 Sportler aus 72 Nationen stürzen sich am Sonntag-Morgen um 6.30 Uhr in Hamburg beim Triathlon in die Binnenalster – so auch die drei Solbader Reinhard Roy, Tim Esselmann und Heiko Furtmann. Vor allem für den 55-jährigen Roy beginnt ein sportliches Abenteuer. Nach 12:06:47 Stunden erreicht er bei seinem ersten Ironman das Ziel am Rathausmarkt – ein ganz besonderer Moment.

Stephan Arend

Gut gemacht: Reinhard Roy und Heiko Furtmann erreichen beim Ironman in Hamburg das Ziel. Foto:

»Feiern statt fighten«, lautet die Vorgabe der Veranstalter für die letzten 100 Meter. Reinhard Roy nimmt sich die Zeit für einen Belohnungskuss seiner Frau, während die Zuschauer jedem einzelnen Finisher beim Zieleinlauf entgegenbrüllen: »Your are an ironman«. Und genau das – ein Ironman – ist der Versmolder nach 1:16:44 Stunden Schwimmen (3,86 Kilometer), 5:31:48 Stunden Radfahren (180,2 Kilometer) und dem abschließenden Marathon in 5:06:59 Stunden (42,195 Kilometer). Nach der Hitzeschlacht bei Temperaturen um 30 Grad ist das Abendprogramm überschaubar. Roy nimmt seine Medaille entgegen, duscht, belohnt sich mit einem Hamburger und geht Schlafen. Ein Wort reicht, um die Erlebnisse und Emotionen des gut zwölfstündigen Wettkampfes zusammenzufassen: »Gigantisch«.

Auch die Unterstützung der Zuschauer, die den Straßenrand in Dreier- und Viererreihen säumen, macht diesen ersten Ironman zu einem unvergessenen Erlebnis. »In einem Tunnel auf der Radstrecke hat man die Leute mit ihren Trommeln und Tröten schon gehört. Als wir dann aber aus dem Tunnel herausgefahren sind, hat uns ein unglaublicher Lärm empfangen«, erzählt Roy. Noch enger ist der Kontakt zum Publikum beim abschließenden Marathon. »Reinhard, das sieht gut aus, weiter so«, rufen wildfremde Menschen. Die Namen der Sportler sind auf der Startnummer gut zu erkennen.

Trommeln und Tröten

Viele Teilnehmer müssen dennoch schon nach wenigen Kilometern gehen und den extremen Bedingungen Tribut zollen. Mitfavorit Andreas Raelert etwa muss seinen Hawaii-Traum begraben und gibt bei Kilometer 26 der Laufstrecke auf. 28 Starter werden ins Krankenhaus gebracht. Reinhard Roy dagegen, der sich an jeder Verpflegungsstation Eiswürfel in sein Shirt steckt, setzt sein Vorhaben in die Tat um: »Mir war wichtig, heile und gesund ins Ziel zu kommen.« Dass er trotz der Hitze die 12-Stunden-Marke als 1045. der Gesamtwertung und 41. seiner Altersklasse 55 bis 59 Jahre nur knapp verpasst, das ist ein schöner Nebeneffekt.

Ziel: gesund ankommen

Solche Zeiten, Leistungen und Erlebnisse sind vor 14 Jahren bei Roys erstem Kurz-Triathlon undenkbar. Der Inhaber eines Heizungs- und Klimatechnikbetriebs sitzt damals im Versmolder Stadtrat. Für die Staffel wird noch ein Radfahrer gesucht. Die Wahl fällt auf Reinhard Roy, der sich aufs Rennrad schwingt, um etwas für seine Gesundheit zu tun: »Wir haben beschlossen, im nächsten Jahr alle Disziplinen in Angriff zu nehmen.« Im nächsten Jahr ist Roy der Einzige, der sein Wort hält. Später schließt er sich den Triathleten des LC Solbad an und startet seit drei Jahren für die zweite Mannschaft in der Landesliga. »Ich setze mir immer im September/Oktober die sportlichen Ziele fürs nächste Jahr. Und ich erzähle allen davon. Einige Kumpel sagen dann: Der Roy schafft das nicht. Und gerade das ist mein Ansporn«, nennt der Versmolder sein Motivationsrezept. Die Ironman-Vorbereitung ist für einen Selbstständigen allerdings auch eine große zeitliche Herausforderung: »Da sind in der Woche 10 bis 15 Stunden zusammengekommen. Nach der Arbeit bin ich abends im Dunkeln oft mit einer Grubenlampe gelaufen, und man muss erst einmal herausfinden, welches Freibad bis 22 Uhr geöffnet hat.«

Und so träumt Reinhard Roy, anders als die meisten Triathleten, nicht von einem Start bei der Weltmeisterschaft im Triathlon-Mekka Hawaii: »Sport ist mein Hobby. Abgesehen von den Kosten müsste ich drei Wochen Urlaub nehmen. Der Beruf geht vor. Die letzten Jahre war ich nie länger als eine Woche unterwegs.« Nach den Erfahrungen von Hamburg hat ihn das Ironman-Fieber aber dennoch ein wenig gepackt: »So etwas würde ich gerne noch einmal erleben.«

Tim Esselmann ist neben Reinhard Roy und Heiko Furtmann (finisht in 12:38:21 Stunden) der dritte Triathlet des LC Solbad, der in Hamburg an den Start geht. Der erfahrene Ironman schätzt sein Leistungsvermögen genau richtig ein. »Ich habe wenig trainiert. Ich komme aber gut damit zurecht, wenn es heiß ist. Eine Zeit unter 11 Stunden ist realistisch«, sagt Esselmann vor dem Start . Er lässt den Worten Taten folgen und erreicht das Ziel als 399. der Gesamtwertung in 10:48:49 Stunden (1:03:25 Schwimmen/5:28:29 Radfahren/4:05:06 Laufen).

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