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2. Tennis-Bundesliga: Versmold kündigt Protest nach 3:6-Heimniederlage an – war Heras spielberechtigt?

Manipulation: Sennelager Spieler gesperrt

Versmold   (WB). Spielmanipulation im Profi-Tennis ist derzeit ein großes Thema. Der Argentinier Nicolas Kicker ist jüngst für sechs Jahre gesperrt worden. Nun hat das Thema »match fixing« auch die 2. Bundesliga in Deutschland erreicht.

Stephan Arend

Versmolds Teamchef Karsten Wolf: »Ich habe eine Verpflichtung gegenüber dem Verein und dem Team, dass die Spielberechtigung von Heras überprüft wird.« Foto: Sören Voss

Patricio Heras vom Versmolder Zweitliga-Rivalen TuS Sennelager ist der Spielmanipulation bei einem Challenger Turnier 2015 in Kolumbien für schuldig befunden und mit sofortiger Wirkung gesperrt worden, bis die Bestrafung zu einem späteren Zeitpunkt bestätigt wird. Zudem soll er weitere korrupte Angebote nicht gemeldet haben. . Pikant ist: Die entsprechende Nachricht veröffentlichte die zuständige Untersuchungskommission »Tennis Integrity Unit« (TIU) am vergangenen Freitag, just als Heras zwei Punkte zum Sennelager 6:3-Auswärtserfolg in Versmold beisteuerte. Ist das Ergebnis somit rechtens?

Für Versmolds Teamchef Karsten Wolf stellt sich die Frage, wann Heras über seine Sperre informiert worden ist und die entsprechende Nachricht gelesen hat. »Ist das vor den Doppeln passiert, haben wir Zweifel an seiner Spielberechtigung. Und das lässt sich ja anhand von Leseprotokollen der Mail herausfinden« Damit eine Untersuchung ins Rollen kommt, kündigte Wolf gestern an, »nach internen Besprechungen sehr wahrscheinlich Protest gegen die Spielwertung einzulegen.«

Laut Sennelagers Teamchef Marc Renner hat Heras die Benachrichtigung seiner Sperre am Freitag während der Partie erhalten. »Nachdem ich nach dem Spiel entsprechende Hinweise bekommen hatte, haben wir zusammen seine Mails gecheckt. Um 15.11 Uhr ist die Nachricht bei ihm eingegangen.« Renner betont, im Vorfeld der Partie und der Saison nichts von den Vorwürfen gegen den Spieler gewusst zu haben. Dieser hatte bereits am 6. April in London bei einer Anhörung der TIU zu den Vorwürfen Stellung genommen, seinen Verein darüber aber anscheinend nicht informiert. »Hätte es einen Hinweis von Patricio oder dem Tennisweltverband ITF gegeben, hätten wir den Spieler natürlich nicht eingesetzt. Selbstverständlich haben wir am Sonntag auf ihn verzichtet und werden ihn auch nicht mehr aufstellen. Mehr können wir nicht tun«, sagt Renner. Sollten die sportlich gewonnenen Punkte dennoch am »Grünen Tisch« an Versmold gehen, hätte das laut Sennelagers Teamchef weitreichende Konsequenzen: »Dann würden wir unser Team für die nächste Saison aus der 2. Bundesliga zurückziehen.«

So weit ist es allerdings noch nicht. Zweitliga-Spielleiter Oliver Weber bestätigte gestern auf WB-Nachfrage, dass der Deutsche Tennis-Bund (DTB) erst am späten Freitag-Nachmittag – zu einem Zeitpunkt, als das Büro nicht mehr besetzt war – von der TIU über Heras sofortige Sperre benachrichtigt worden sei. Der DTB hat den Verein Sennelager laut Teamchef Renner dann erst am Dienstag über die Causa Heras informiert. Und die Sperre sei gemäß dieser Mitteilung auch erst ab diesem Zeitpunkt wirksam.

Sollte es nach einem Versmolder Einspruch ein Urteil geben, gegen das wiederum Berufung eingelegt wird und deshalb vor dem DTB-Sportgericht landet, wird laut Weber der Fall erst nach der Saison abgeschlossen sein. Es ist den abstiegsgefährdeten Versmoldern zu wünschen, dass sie zuvor den Klassenerhalt auf dem Tennisplatz perfekt machen.

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