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Handball-Oberliga: Vor dem Heimspiel gegen Jöllenbeck zieht Sebastian Hölmer Bilanz seiner zehn Jahre bei SF Loxten

Schmaler Grat zum bittersten Moment

Versmold-Loxten (WB). Mit dem Heimspiel gegen TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck beginnt an diesem Samstag für Sebastian Hölmer die Abschiedstournee: Noch vier Partien in der Handball-Oberliga, dann wird der Rückraumspieler kurz vor seinem 33. Geburtstag nach zehn Jahren bei den Sportfreunden Loxten seine Laufbahn beenden. In den Seniorenbereich stieg er als Kreisliga-Spieler der Spvg. Hesselteich ein, wechselte 2006 zum damaligen Landesligisten Spvg. Versmold und 2009 zu den Fröschen, wo er zum Leistungsträger aufstieg. Im Gespräch mit WB-Sportredakteur Gunnar Feicht geht es um sportliche Höhen und Tiefen, Talent und Beharrlichkeit, Motivation und Begeisterung.

Noch vier Spiele – dann sagt Loxtens Routinier Sebastian Hölmer auch den jugendlichen Fans endgültig »Servus«. Foto: Gunnar Feicht

Bevor Sie 2006 in die Landesliga wechselten, war für den 20-jährigen Kreisliga-Spieler Sebastian Hölmer ein Ortsduell Hesselteich gegen Versmold II das Highlight. Wo haben Sie sich damals sportlich in zehn Jahren gesehen?

Sebastian Hölmer: Ich wurde oft noch als Rechtsaußen eingesetzt und habe Landesliga-Spiele von Versmold oder Verbandsligist Loxten auf der Tribüne verfolgt. Landesliga bei Versmold I, das hatte ich schon im Blick, aber an Oberliga habe ich nicht zu denken gewagt.

Auch in der Hesselteicher Jugend stand der spätere Halblinke zumeist auf der Rechtsaußenposition: vom Trainer verkannt oder ein Spätentwickler?

Hölmer: Ich glaube, ich habe damals auch schon Leistungen über dem Durchschnitt gebracht. Aber wir waren mit Heiner Steinkühler, Patrick Bettmann & Co. im Rückraum sehr stark besetzt. Da hat sich das so ergeben. Im Nachhinein war es für mich der richtige Weg – eben ein anderer als heute zum Beispiel für Marlon Meyer, der schon mit 19 den Sprung in die Oberliga gewagt hat. Ich habe dann in Versmold von den Erfahrenen wie Marc Uthmann oder André Ketzler viel gelernt. Ähnlich versuchen wir auch heute in Loxten den Jüngeren Tipps zu geben. Und weil die alle Bock haben, bilden wir eine gute Mischung.

Was wird Ihnen nach Abpfiff des letzten Spiels Ihrer Laufbahn am meisten fehlen?

Hölmer: Vor allem das Zusammensein mit der Mannschaft. Durch die vielen Stunden, die man miteinander verbringt, sind gerade die älteren, die schon lange dabei sind, nicht nur Teamkollegen, sondern Freunde geworden.

Die Oberliga ist eine attraktive Klasse, bei den Loxtener Heimspiele herrscht tolle Stimmung. Aber: Standen Sie auch einmal vor der Entscheidung, es noch eine Klasse höher zu versuchen?

Hölmer: Am Ende meiner vielleicht besten Saison habe ich mich ausgerechnet im ersten Entscheidungsspiel um den Oberliga-Aufstieg schwer verletzt. Aber auch wenn es Angebote gegeben hätte: Es wäre zeitlich gar nicht möglich gewesen, den höheren Aufwand für die 3. Liga zu leisten.

Sebastian Hölmer erinnert sich an das Aufstiegsspiel 2013 in Riemke

Welches war für Sie persönlich der größte Erfolg, das schönste Erlebnis? Wann haben Sie die größte Enttäuschung erlebt?

Hölmer: Das hängt alles eng miteinander zusammen. Als größter Erfolg steht der Oberliga-Aufstieg 2014 über allem. Aber die stärkste Euphorie habe ich in der Saison davor erlebt. Da lief es auch für mich persönlich super, wir haben die Entscheidungsspiele gegen Riemke erreicht. Und da folgte dann mein schlimmstes Erlebnis: In der proppevollen Halle führen wir mit sechs Toren – und dann reißt bei mir das Kreuzband. Trotzdem wollten wir es im Rückspiel in eigener Halle packen, die Zuschauer hatten eine Riesen-Choreo vorbereitet – und dann war im Spiel schnell klar, dass wir es nicht schaffen würden. Diese Leichtigkeit und den Flow, die wir vorher in der Saison bis zu diesem bitteren Finale hatten, die haben wir im Aufstiegsjahr danach unter dem Druck, Favorit zu sein, nicht mehr erreicht.

Zwei Kreuzbandrisse, dann Anfang 2018, im ersten Punktspiel nach einem starken Comeback beim Kreispokalturnier, ein Mittelhandbruch: Sie haben sich dreimal nach schweren Verletzungen wieder zurückgekämpft. Was hat Sie dazu motiviert?

Hölmer: Es war ganz einfach der Spaß am Handball und an unserer gemeinsamen Sache. Einfach war es sicher nicht, weil ich auch unterschätzt hatte, wie lange man braucht, um wieder Anschluss zu finden. Zumal nach dem ersten Kreuzbandriss die Heilung nicht planmäßig verlief und ich im Sommer noch mal operiert werden musste. Nach all den Erfahrungen muss ich sagen: Den Zug zum Tor, den ich vor den Verletzungen hatte, habe ich nicht wieder erreicht.

SF Loxten hat sich mit einer Strategie der kleinen Schritte ins obere Drittel der Oberliga vorgearbeitet. Wo sehen Sie die erste Mannschaft in fünf Jahren?

Hölmer: Schwer zu sagen. Für die kommende Saison ist der Kader super aufgestellt, die vielen jungen Spieler haben noch Luft nach oben. Wie es dann weitergeht, wenn weitere Routiniers zu ersetzen sind, ist schwierig einzuschätzen. Die Oberliga ist aus meiner Sicht eine super Spielklasse für einen Verein wie Sportfreunde Loxten.

Was ist im Saisonendspurt noch drin für Sie und das Team?

Hölmer: Wenn wir die nächsten zwei Spiele mit Derbycharakter gegen die Bielefelder Mannschaften gewinnen, haben wir Chancen, die drei Punkte Rückstand auf Platz drei vielleicht noch aufzuholen. Aber es wäre auch ein gutes Ergebnis, wenn ich mich mit Platz vier verabschieden würde.

TuS 97 braucht im Abstiegskampf die Punkte

Nach dem hauchdünnen Sieg bei Schlusslicht Oberaden wollen die Oberliga-Handballer von SF Loxten beim Heimauftritt gegen TuS 97 am Samstag überzeugender auftrumpfen. Die Duelle mit beiden Bielefelder Teams und dem Rangzweiten Hamm II stehen noch aus – da ist Dirk Schmidtmeier sicher, »dass jeder Spieler auch weiterhin alles geben wird«. Weil die Jöllenbecker mit 15: 29 Punkten (nur drei mehr als der vorletzte Rang) im Abstiegskampf stecken, rechnet Loxtens Coach mit verbissener Gegenwehr. Aus dem Hinspiel, als die Sportfreunde fast noch einen 20:14-Halbzeitvorsprung verspielt hätten und am Ende 30:29 gewannen, sind die Hausherren gewarnt: »TuS 97 hat überragende Außen«, sagt Schmidtmeier mit Blick auf Sebastian Reinsch, Daniel Meyer & Co. und hat seine Mannschaft auch auf den starken Rückraum um Mittelmann Leon Ludwigs eingestellt. Beim TuS fehlt Linkshänder Sebastian Kopschek. Bei SFL sind alle Spieler (auch Max Harnacke nach Bänderriss) fit. Malte Weigel (nach einer Grippe) und Heiner Steinkühler (im Zuge der Rückraum-Rotation) setzen aus.

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