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Während seine Weggefährten aus Oesterweger Zeiten seit mehr als einem halben Jahr nicht kicken dürfen, kämpft Sebastian Mai in der Regionalliga West mit Rot Weiss Ahlen um den Klassenerhalt.

„Wir wissen dieses Privileg zu schätzen“

Altkreis/Ahlen

Seit mehr als einem halben Jahr ruht der Amateurfußball wegen der Corona-Pandemie. Sebastian Mai genießt das Privileg, weiterhin spielen zu dürfen. Der Versmolder (20) kämpft mit Rot Weiss Ahlen um den Klassenerhalt in der Regionalliga West.

Klaus Münstermann

Sebastian Mai (rechts, im Spiel gegen Lippstadt) kämpft mit Rot Weiss Ahlen um den Klassenerhalt in der Fußball-Regionalliga. Foto: Marc Kreisel

„Wir hatten im November nicht damit gerechnet, dass es für uns weiter geht. Aber meine Mitspieler und ich sind sehr froh darüber und sehen es nicht als selbstverständlich an. Wir wissen das zu schätzen“, sagt Mai.

„Ich weiß nicht, wie meine Stimmung wäre, wenn ich seit sechs Monaten nicht spielen dürfte“, so Mai, der fünf Mal pro Woche trainiert. Nur der Montag ist frei. Auf Corona wird einen Tag vor jedem Spiel getestet. „Ich hoffe für alle anderen Fußballer, dass es für sie bald wieder los geht“, sagt Sebastian Mai.

Mit vier Jahren hat er bei der SG Oesterweg mit dem Fußballspielen begonnen. Mit sechs Jahren kam Tennis und mit zehn Jahren Handball bei der Spvg. Versmold dazu. „Irgendwann musste ich mich dann entscheiden, weil es eine Zeit gab, als ich nach dem Handballtraining direkt zum Fußball nach Wiedenbrück gefahren bin“, erinnert sich Mai. Als Zwölfjähriger wechselte er zum Nachwuchs des dortigen Regionalligisten, ehe er sich im zweiten A-Junioren-Jahr dem Ahlener Verein anschloss und dort zum Saisonende in die erste Mannschaft hoch gezogen wurde.

Als Rechtsaußen bislang sechs Saisontore erzielt

Am 22. April 2019 feierte Mai als 18-Jähriger sein Seniorendebüt in der Oberliga gegen Westfalia Herne. Inzwischen spielt Ahlen in der Regionalliga und Sebastian Mai führt die interne Torschützenliste mit sechs Treffern an. Darunter zwei mit links, obwohl er als Rechtsfuß gilt.

Ursprünglich wollte Mai Torwart werden. „Wenn wir früher auf dem Bolzplatz oder in der Schule gekickt haben, bin ich immer ins Tor gegangen. Manuel Neuer war mein Vorbild und ich bin in seinen Klamotten rumgelaufen. Im Verein war ich als Torhüter aber zu klein“, sagt der heute 1,82 Meter große Student der Rechtswissenschaften an der Universität Münster.

Seit einem Jahr Student der Rechtswissenschaften

Die kennt Sebastian Mai kaum von innen, obwohl er im Anschluss an das Abitur auf dem Versmolder CJD-Gymnasium das Studium bereits im April 2020 aufgenommen hat. „Ich war bisher nur einmal für eine Klausur in der Uni und ein paar Male in der Bibliothek, wenn ich eine Hausarbeit schreiben musste. Ich kenne es nur so“, sagt Sebastian Mai und kann dem etwas Positives abgewinnen.

„Dass alles nur online stattfindet hat Vor- und Nachteile. Die Fahrerei entfällt und man kann eine aufgezeichnete Vorlesung auch später nachholen. Allerdings vermisse ich den Austausch mit Kommilitonen, wenn man selbst etwas nicht auf Anhieb verstanden hat“, sagt der Jura-Student.

„Nach der Corona-Pandemie könnte ich mir eine Mischung aus Präsenz- und Online-Veranstaltungen gut vorstellen“, sagt Mai, der sich später vielleicht in Richtung Sportrecht orientieren möchte.

Vertrag in Ahlen läuft im Sommer aus

Zunächst soll jedoch mit Rot Weiss Ahlen der Klassenerhalt geschafft werden. Fünf der 40 Spieltage sind noch zu absolvieren. Ahlen belegt derzeit mit 26 Zählern den vorletzten Rang, punktgleich mit dem Schlusslicht Bonner SC. Der Drittletzte SV Lippstadt hat zwei Punkte mehr. Nur ein Verein steigt am Ende der Saison ab. „Es ist unten alles sehr eng. Aber wir haben in den vergangenen Wochen gezeigt, dass wir besser sind als es unser Tabellenrang vermuten lässt. Jeder Punkt und jedes Tor können jetzt entscheidend sein“, sagt Mai, dessen Vertrag in diesem Sommer ausläuft.

„Die Chance, dass ich in Ahlen bleibe, ist natürlich größer, wenn wir den Abstieg vermeiden. Aber unsere und meine persönliche gute Rückrunde haben andere Vereine aufmerksam werden lassen“, macht der 20-Jährige keinen Hehl daraus, Angebote zu haben und sich einen Wechsel vorstellen zu können. „In der näheren Umgebung spielen ja noch andere Vereine in der Regionalliga.“ Eine Rückkehr zum SC Wiedenbrück ist somit nicht ausgeschlossen.

Studium steht im Vordergrund

Egal, ob er in Ahlen bleibt oder wo immer es hingeht, steht für ihn fest: „Das Studium komplett zu unterbrechen, kann ich mir nicht vorstellen. Etwas kürzer treten, vielleicht.“ Der 20-Jährige betont: „Es gibt schließlich noch ein Leben nach dem Fußball. Und in der Regionalliga wird man auch nicht reich.“

Neben dem Klassenerhalt mit Ahlen wünscht sich Sebastian Mai zwei Dinge: „Etwas Normalität im Alltag, sodass man sich mit Freunden wieder in einem Restaurant treffen kann. Und ich hoffe, dass Zuschauer in den Stadien wieder zugelassen werden. Einmal in Essen an der Hafenstraße oder in Aachen vor Publikum spielen. Das wär‘s.“

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