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Medizinische Versorgung ausdrücklich gelobt – DMSC-Bahn akribisch abgenommen

Applaus in der Jurysitzung

Bielefeld  (WB/jm/hsz). Der Tag danach. Zumindest ein Fahrer, der bei der WM-Challenge des DMSC Bielefeld von der Piste ins Krankenhaus transportiert werden musste, ist wieder zu Hause. Team-Weltmeister Lukas Fienhage aus Lohne hat sich »nur« einen Mittelhandbruch zugezogen.

Der Tag vor dem Rennen: DMSC-Rennleiter Michael Junklewitz und seine nächtliche Fleiß-Schreibarbeit mit wichtigen Infos für alle Funktionsträger. Foto: Jörg Manthey

Vom finnischen Schiedsrichter Mika Laukkanen wurde Fienhage daraufhin disqualifiziert. Eine Fehlentscheidung, die aber nicht weiter ins Gewicht fiel; der 18-Jährige war ja eh außer Gefecht. Paul Cooper (nichts gebrochen) und Jesse Mustonen liegen noch unter ärztlicher Beobachtung auf der Intensivstation in Bethel, Chad Wirtzfeld (am Oberarm operiert) für noch fünf Tage im Kinderkrankenhaus Bethel.

Noch auf der Intensivstation

Vor allem den Finnen Mustonen hat es schwer erwischt: beide Schulterblätter gebrochen, ein Schlüsselbein auch, zahlreiche Rippen durch.

Die Rennärzte Ina Vedder und Dirk Albsmeier sowie die Johanniter-Unfallhilfe unter Leitung von Daniel Welland wurden ausdrücklich für ihre professionelle Versorgung auf der Bahn gelobt. »In der Jurysitzung hat es sogar Beifall für sie gegeben«, berichtet Rennsekretär Stephan Prante (DMSC). »Sowas ist auch ein Qualitätsmerkmal einer Veranstaltung.«

Prante ist froh, dass FIM Jury-Präsident Mick Bates (GB) und seine Kollegen differenzieren konnten. Eindeutiger Tenor: Mit Ausnahme der Unfälle sei es eine top Veranstaltung gewesen. Die DMSC-Crew um Rennleiter Michael Junklewitz ist ausdrücklich für ihren souveränen Umgang mit dem Sturzchaos gelobt worden. »Es war eine super Zusammenarbeit mit allen Offiziellen«, findet Junklewitz, der im Vorfeld nach eigenen Angaben »irgendwie hypernervös und fokussiert auf Sicherheitsaspekte« gewesen sei. Als hätte er so etwas geahnt. Junklewitz ordnete vorab sogar eine Extraschulung für Umgang mit Feuerlöschern an.

Lebensversicherung Airfence

Wie wichtig die in den Kurvenbereichen aufgebaute Airfence als Airbag ist, wurde Sonntag deutlich. Das 70 Zentimeter dicke Luftpolster minderte den frontalen Aufprall des britischen C-Juniors Chad Wirtzfeld mit 1,5 bar Luftdruck ab. Diese aufblasbare Lebensversicherung für die Fahrer ließ sich der DMSC eine Leihgebühr von 2300 Euro kosten. Jonny Wynant, den Wirtzfeld touchierte, kam mit einem Schrecken und leichten Schäden am Motorrad davon. »Ein Spannriemen an der Kupplung ist abgerissen. Das muss noch repariert werden«, sagte der 125er-Weltmeister.

»Ich bin traurig ob der Stürze. Die liegen mir schwer auf der Seele«, bekennt Junklewitz. »Ich bin schon lange auf Bahnen unterwegs. Drei Schwerverletzte zeitgleich in einem Lauf; ich kann mich nicht erinnern, sowas mal erlebt zu haben.« Um nachzusetzen: »Wir haben auch super Sport gesehen; egal, in welcher Klasse. Der Spirit war mit einer WM vergleichbar.« Nach dem deutschen Motorradsport-Gesetz hätte am Ring ein vollwertiger Rettungswagen mit Doktor gereicht. Der Weltverband FIM verlangt derer zwei. Der gewappnete DMSC konnte sofort drei Gefährte zur Erstversorgung einsetzen. Auch für 2019 soll die Bewerbung für einen Prädikatslauf rausgehen, deutet Junklewitz Interesse an einer EM an. Der Brite Mick Bates hatte die Bahn tags zuvor akribisch abgenommen, der DMSC die Lizenz für drei weitere Jahre erhalten.

Die Internetadresse www.agrarwetter.net wurde von den DMSC-Leuten im Vorfeld regelmäßig angeklickt – und wirkte wie eine Beruhigungspille. Mehr als die dort prophezeiten geringen Niederschläge trat wirklich nicht ein. Der Renntag war zu keinem Zeitpunkt witterungsbedingt beeinträchtigt; im Gegenteil: Es herrschten nahezu ideale Bedingungen. Die starken Regenfälle im Vorfeld hatte zur Folge, dass die Fahrer eine griffige Piste vorfanden. Die schnellste Zeit des Tages gelang dem späteren Punktbesten Romano Hummel: 111,9 km/h.

3500 – enttäuschende Zahl

Über die Zuschauerresonanz äußerten sich Michael Junklewitz und Co. enttäuscht. 3500 Besucher rissen zwar kein weiteres Loch in die Vereinskasse, »aber wir haben andere Ansprüche«, bekannte Stephan Prante enttäuscht angesichts des immensen Arbeitsaufwandes vieler Schultern, um diesen Lauf, der in der Wertigkeit des Klubs direkt nach den drei Langbahn-Grandprix’ in den Jahren 2002 bis 2004 lag, zu einer runden Sache zu machen.

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