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Jöllenbeck: »Weltklasse« nicht mehr finanzierbar

Das Ende des Frauenturniers

Bielefeld (WB/wie). Mehr als 40 Jahre lang gehörte das Internationale Frauenfußball-Hallenturnier des TuS Jöllenbeck zu einem der Winter-Highlights in Bielefeld. Damit ist es nun vorbei. Das »Weltklasse«-Turnier in der Sporthalle Jöllenbeck wird es nicht mehr geben. Die 38. Auflage im Januar dieses Jahres war zugleich die letzte.

Turbine Potsdam (hier eine Szene aus dem Endspiel 2018 gegen Sparta Prag) geht als der letzte Sieger in die Annalen des Internationalen Jöllenbecker Frauenturniers ein. Foto: Bernhard Pierel

»Wir haben uns diese Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht, aber wir hatten keine andere Wahl«, erklärt Turnierdirektor Olaf Beugholt. Das Aus der Traditionsveranstaltung sei auf rein finanzielle Gründe zurückzuführen. Beugholt: »Das Risiko, am Ende sogar Verlust zu machen, ist einfach zu groß geworden. Wir haben eine Verpflichtung gegenüber unseren Mitgliedern und müssen auch betriebswirtschaftlich denken.«

In diesem Jahr seien gerade einmal etwas mehr als 1000 Euro übrig geblieben. »Das steht in keinem Verhältnis zu dem Aufwand, den wir mit unseren vielen freiwilligen Helfern betreiben«, erklärt Olaf Beugholt.

Potsdam letzter Sieger

Hauptgrund für den am Ende (zu) geringen Überschuss seien neben den immer größer werdenden Herausforderungen bezüglich des Teilnehmerfeldes (»Da sind wir immer mehr an die Grenzen des Machbaren gestoßen«) rückläufige Besucherzahlen gewesen. Beugholt: »Die Zuschauer-Einnahmen haben gefehlt. Wenn so eine Topveranstaltung nicht mehr entsprechend angenommen wird, muss man auch Konsequenzen ziehen.«

Der zweimalige Champions-League-Gewinner und Jöllenbecker Rekordteilnehmer Turbine Potsdam geht somit als letzter Sieger in die Annalen des Jöllenbecker Turniers ein, das im Laufe der Jahre viele Weltmeisterinnen, Olympiasiegerinnen und Europameisterinnen gesehen hat.

»Ich möchte allen danken, die so viele Jahre dazu beigetragen haben, dass dieses Turnier mit seinem familiären Charme immer wieder zu einem großen Erfolg geworden ist«, sagt Olaf Beugholt, der mit Blick auf die Premiere im Jahr 1977 anfügt: »Mein Dank gilt natürlich auch meinem Vorgänger Peter Schmidt, der diese Veranstaltung 1977 aus dem Nichts gegründet, gefördert und schon zu seiner Zeit auf ein internationales Niveau gehoben hat.«

Kommentar von Arndt Wienböker

Es hatte sich ein wenig abgezeichnet. Schon im Jahr 2014 musste der TuS Jöllenbeck sein »Weltklasse«-Turnier ausfallen lassen, weil Sponsoren-Zusagen fehlten. Danach wurde es aus finanzieller Sicht ein immer größerer Kraftakt, nationale und internationale Topteams nach Jöllenbeck zu lotsen – auch, weil im Frauenfußball immer professionellere Strukturen Einzug halten. Wenn dann noch die Zuschauer fernbleiben, muss man sich Gedanken machen. Die Entscheidung der Jöllenbecker Verantwortlichen ist eine Entscheidung der Vernunft. Schade, aber absolut nachvollziehbar.

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