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Handball: Oberliga-Duo seit fünf Spielen ungeschlagen – Ratlosigkeit in Brake

Die Sicherheit kehrt zurück

Bielefeld (WB). In den nächsten zwei Wochen will Geschäftsführer Christian Sprdlik den Trainer des Oberligisten TSG A-H Bielefeld für die kommende Saison bekanntgeben. Sein Wunschkandidat verfüge über die A-Lizenz, »kann junge Spieler aufbauen und formen und genauso mit erfahrenen umgehen.« Ein Fingerzeig: Denn aus genau solch einem Mix soll die TSG anno 2019/20 bestehen.

Jörg Manthey, Arndt Wienböker und Henrik Wittenborn

Auf dem Vormarsch: Sebastian Kopschek und die Oberliga-Handballer aus Jöllenbeck sind seit fünf Spielen ungeschlagen. Das 36:26 gegen Oberaden war der höchste Saisonsieg. Foto: Peter Unger

Zwaka als Mittelmann

Interimscoach Dr. Carl Moritz Wagner nutzte die Pokalaufgabe gegen St. Pauli (»In der zweiten Hälfte haben wir sie gebrochen«), um das ein oder andere im Training Erarbeitete unter Wettkampfbedingungen auszuprobieren. Zum einen streute er als zweite Deckungsformation eine 5:1-Abwehr ein, zum anderen testete er Jonas Zwaka als Mittelmann. »Definitiv eine Option. Er ist ein anderer Spielertyp. Das war ein guter Anfang, auf den wir aufbauen können.«

Richard Sundberg, immerhin finnischer Nationalspieler, setzte im linken Rückraum nur wenig Akzente. Wagner brach für den Skandinavier eine Lanze. »Ricke ist in der Deckung stabil, eine echte Bank. Und vorne arbeitet er gut für Luca Sewing, weil er oft zwei Leute bindet. Der braucht dann nur noch einen Schritt zu gehen und das machen, was er am besten kann: hochsteigen und schießen. Aber natürlich wünsche ich mir von Ricke mehr Zug zum Tor.«

Seit Anfang Dezember ist die TSG ungeschlagen, sammelte seither 9:1 Punkte. Calle Wagner erfreut: »Die Jungs haben erkannt, dass die Dinge, die wir uns erarbeiten, funktionieren.« Und es sei beileibe »keine One-Man-Show. Ich bin sehr dankbar, dass ich aus der Mannschaft unheimlich viel Unterstützung bekomme. Das ist sehr angenehm. Es geht nur als Gemeinschaft. Jeder muss seinen Beitrag leisten, dass es funktioniert.« Wagner werde kein Problem damit haben, in drei Monaten wieder ins zweite, dritte, vierte Glied zu rücken. »Es geht mir um die Entwicklung von Qualität. Um Teamarbeit, Einsatz, Willen, Leidenschaft. Dann kommt der Erfolg manchmal von allein.«

Der Gedanke an den nächsten Gegner SuS Oberaden bereitet dem Trainer Bauchschmerzen. »Das ist für mich eines der schwierigsten Spiele. Die sind robust und zu Hause eine Klasse besser. Wir dürfen uns da nicht den Schneid abkaufen lassen!«

TuS 97 lässt den Ball laufen

Am Samstag in Jöllenbeck erwiesen sich die »Cobras« aus Oberaden als wenig Furcht einflößend. »Gefühlt waren die nicht so stark«, erklärte Daniel Meyer. Der Linksaußen des TuS 97 netzte beim klaren 36:26-Heimsieg insgesamt zehn Mal ein und war damit erfolgreichster Torschütze.

Fünf Spiele ohne Niederlage (8:2 Punkte) und drei Siege in Folge haben die Jürmker sichtbar selbstbewusster gemacht. »Das hat natürlich auch was mit dem Kopf zu tun. Mit jedem Sieg kehrt auch mehr Sicherheit zurück«, erklärt Trainer Eric Husemann. Regisseur Leon Ludwigs ergänzt: »Wir lassen jetzt auch den Ball mehr laufen und spielen die Sachen besser auf den Punkt.« Ein Entwicklungsprozess, den auch Daniel Meyer freudig zur Kenntnis nimmt: »Nach der verkorksten Hinrunde hat nun jeder von uns erkannt, dass es in dieser Liga keine Selbstläufer gibt. Die Einstellung hat in den letzten Spielen gepasst. Im Training geht es jetzt auch körperbetonter zu.«

Die kleine, aber feine Erfolgsserie ist vorläufig mit dem Sprung auf Tabellenplatz neun belohnt worden. Und im Heimspiel am kommenden Samstag gegen den VfL Mennighüffen hat der TuS 97 die Chance, sich weiter Luft zu verschaffen. Daniel Meyer: »Unser Ziel muss es sein, schnellstmöglich das sichere Mittelfeld zu erreichen. Wir wissen, dass wir Qualität im Kader haben. Wir müssen diese aber auch weiter auf die Platte bringen. Wichtig ist es auch, das Tempo hochzuhalten. Das war gegen Oberaden richtig gut. In der zweiten Halbzeit hatten wir den Gegner sicher im Griff.« Entsprechend ernüchternd fiel das Fazit von Oberadens Spielertrainer »Alex« Katsigiannis aus, dessen Team in der Fremde weiter ohne Punktgewinn bleibt: »In der Deckung haben wir keinen richtigen Zugriff bekommen. Auch unsere beiden Torhüter hatten nicht den besten Tag erwischt.«

Brake ohne Selbstvertrauen

Mirko Seliger neben seinem Tor, Kapitän Jannis Johannmeier auf dem Feld, Marius Tiemann neben der Bank und Trainer Lucas Tiemann in der Hallenecke: Beim TuS Brake musste jeder die Enttäuschung des 20:25 gegen den Tabellenletzten ASV Senden kurz nach Abpfiff erst einmal alleine verdauen. »Aber es ist noch nichts verloren«, sagte Trainer Tiemann. Doch Optimismus will sich beim Verbandsliga-Aufsteiger nach der Pleite im Schlüsselspiel derzeit nicht wirklich einstellen.

Dafür überwiegt die Ratlosigkeit. »Wir haben so viel einstudiert und im Training gut umgesetzt«, sagte Tiemann. »Und dann nichts davon umgesetzt.« Denn gerade im Angriff hakte es von Beginn an. Auf gerade einmal 14 Feldtore brachte es der Aufsteiger in 60 Minuten gegen einen keinesfalls überragenden ASV Senden, der zudem ohne sein etatmäßiges Keeper-Duo antreten musste. Dementsprechend unternahm Lucas Tiemann auch keine Versuche, die Leistung des ASV stark zu reden. »Mit dieser Leistung kann man kein Spiel gewinnen.«

Tiemann hatte in den Tagen vor dem Schlüsselspiel die Aufgabe, einer ohnehin verunsicherten Mannschaft nach dem vorzeitigen Ausscheiden von Trainer Hartmut Rittersberger (wir berichteten) zu neuem Selbstvertrauen zu verhelfen. »Aber das ist schwierig. In der Verbandsliga kann fast jeder jeden schlagen. Nur müssten wir allmählich damit anfangen.« An diesem Wochenende sind die Braker beim TuS Nettelstedt II zu Gast, dem das 35:35 gegen die Ahlener SG II reichte, um an seinem kommenden Gegner vorbeizuziehen.

Lucas Tiemann wird das Team voraussichtlich bis Saisonende betreuen. An der bereits aufgenommenen Trainersuche habe sich durch Rittersbergers Abschied nichts geändert. »Wir sind mit einigen Kandidaten in Gesprächen. Aber jetzt kurzfristig jemanden zu finden, ist schwierig.«

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