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Fußball: Fichte-Konzept geht schon auf – VfR geht im Sturm den »Wellensieker Weg«

Frischer Wind auf der Rußheide

Bielefeld (WB). Wo steht der VfB Fichte? Zumindest in Zahlen konnte Trainer Mario Ermisch das nach dem souveränen 4:0 zum Landesliga-Start gegen den Hövelhofer SV schon erstaunlich präzise formulieren. »Bei 70 Prozent« sah der Coach seine neuformierte Mannschaft nach den ersten 90 Minuten der Saison.

Henrik Wittenborn

Gutes Debüt: Marcel Rohde (Mitte) krönte seinen ersten Einsatz für den VfB Fichte mit dem Tor zum 4:0. Foto: Thomas F. Starke

Fichte überzeugt taktisch

Für Gegner vom Hövelhofer Kaliber dürfte das keine gute Nachricht sein. Zu überlegen präsentierten sich die also noch nicht ideal eingespielten Hüpker bereits gegen den Aufsteiger. »Taktisch sah das schon gut aus«, resümierte Ermisch. An der Seite vom kurz vor der Pause verletzt ausgewechselten Benjamin Mulamba durfte sich Marcel Rohde (neu von A-Ligist VfL Ummeln) beweisen – und überzeugte nicht als einzige Neuverpflichtung.

Gerade die Oberliga-Erfahrung vom umtriebigen Kapitän Orkun Tosun (zuletzt FC Gütersloh) und dem enorm offensiv auftretenden Außenverteidiger Mert Cingöz (Arminia U23) verlieh dem Bielefelder Spiel viel der in der Abstiegssaison verloren gegangenen Stabilität. Der HSV konnte sie allerdings auch kaum einmal auf die Probe stellen. Stattdessen machte es sich der VfB in der Phase vor dem Doppelschlag zum 3:0 und 4:0 mit Ungenauigkeiten und Unkonzentriertheiten mitunter selbst schwer. »Auch das Tempo hätte sicher noch ein bisschen höher sein können«, meinte Ermisch.

Der radikale Schnitt in der Abstiegssaison oft pomadig und fahrig auftretenden Mannschaft hat dem VfB also offensichtlich neues Leben eingehaucht. Immer wieder hatte Ermisch in der abgelaufenen Saison über die fehlende Energie und Zielstrebigkeit geklagt – und letztlich das neue Konzept, in dem die Hüpker vor allem auf »lernwillige Spieler« setzen wollen, eingeläutet. »Die Truppe macht im Training einen guten Eindruck.«

Suche nach einer Nummer Neun

Bloß eine Schwäche schwebt auch nach der Sommerpause weiter über der Rußheide: Mit dem 4:0 landete der VfB zwar einen Kantersieg, doch hätte der noch deutlich höher ausfallen können. Schlampig ausgespielte Konter und Nervenflattern in Eins-gegen-Eins-Situationen – das muss den Hüpkern bekannt vorgekommen sein. »Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Und das ist ein Punkt davon«, sagte auch Fichtes Sportlicher Leiter Murat Karanfil.

Arbeit könnte auch noch einmal auf Karanfil selbst zukommen. Bis Ende August könnte noch personell nachgebessert werden. Zwar sei keine externe Verstärkung mehr geplant, »aber wir halten die Augen offen.« Sollte der VfB noch einmal nachlegen, dann wohl in der Offensive, zumal Stürmer Mulamba noch vor der Pause verletzt ausgewechselt werden musste. Ein Indiz dafür: Die Rückennummer Neun ist noch nicht vergeben.

Auf Hövelhofer Seite war man schon vor dem Anpfiff sauer. Der Aufsteiger beklagte sich, dass die Partie auf dem benachbarten Kunstrasen angesetzt gewesen sei, aber auf dem Rußheide-Rasen gespielt wurde. Murat Karanfil konnte die Irritationen verstehen, betonte allerdings auch: »Auf dem Staffeltag wurde extra nochmal darauf hingewiesen, dass Mannschaften Schuhe für beide Untergründe dabei haben sollten.« Hintergrund der Verlegung war die turnusmäßige Platzsperre auf der Rußheide während der Sommerpause. Die sollte eigentlich erst am gestrigen Montag aufgehoben werden, die Stadt gab allerdings kurzfristig schon ihr Okay für Sonntag. Laut Karanfil habe man es in Reihen des VfB daraufhin versäumt, Hövelhof vorab über die Verlegung zu informieren.

Interne Lösung beim VfR

Mit einer soliden Vorbereitung im Rücken, aber mit einem Manko legte auch Bezirksligist VfR Wellensiek Sonntag los. Die in den Tests dürftige Torausbeute beschäftigte Trainer Dominik Popiolek immer wieder. Probleme, die nach dem 6:1 gegen den TSV Oerlinghausen schon der Vergangenheit angehören? »Wenn man das Ergebnis sieht, kann man vielleicht dazu kommen. Aber Tatsache ist auch, dass wir noch öfter hätten treffen können«, meint Popiolek. Und dennoch: Der Auftakt machte Mut. Nach dem Abgang von Cem Kalkan in Richtung B-Ligist SC Halle war die Torjäger-Position zumindest nominell vakant. »Cem hat sich sehr spät für den Wechsel entschieden. Da waren die interessanten Stürmer schon vom Markt«, sagt Popiolek.

Gespräche mit möglichen Nachfolgern seien zwar zuhauf geführt worden, die Ideallösung war allerdings nicht dabei. Die soll jetzt im Laufe der Saison gefunden werden – in den eigenen Reihen. Ali Albayrak (zwei Tore gegen Oerlinghausen), Rahman Fazlijevic (ein Treffer) und Othman Rabah sollen Kalkans Abgang kompensieren. Popiolek hat ein gutes Gefühl, schließlich hat der »Wellensieker Weg« vor einem Jahr nach dem Abgang von Felix Buba schon einmal Schule gemacht.

Dornberg freut sich doppelt

Thies Kambach, Trainer beim Bezirksligisten TuS Dornberg, freute sich gleich doppelt über das 5:1 zum Start bei SW Sende. Zum einen überzeugte sein Team mit einer soliden Leistung, zum anderen revanchierte man sich damit sportlich für vor dem Anpfiff aufgekommene Irritationen. Der ertönte in Sende nämlich zur eher ungewöhnlichen Zeit von 18 Uhr am Sonntagabend. Laut Kambach hatte SWS vorab um die Verlegung um drei Stunden gebeten, weil Trainer Jürgen Prüfer private Termine zu erledigen habe.

Tatsächlich habe sich in Sende jedoch herausgestellt, dass die Gastgeber möglicherweise anderes im Sinn hatten. »Zwei Spieler sind nachmittags aus dem Urlaub gekommen, zwei vom Lehrgang der Futsal-Nationalmannschaft«, sagte Kambach. »Natürlich ist es legitim, ein Spiel dann nach hinten zu verlegen. Aber dann würde ich mir wünschen, dass Sende so ehrlich ist und die wahren Gründe für die Verlegung nennt.«

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