1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Lokalsport
  4. >
  5. Bielefeld
  6. >
  7. Hitze, Staub, Dunkelheit, Gegenwind

  8. >

Desert Dash: Handballer radeln als »OWL Biker-im-Po-Sand« durch die Wüste Namibias

Hitze, Staub, Dunkelheit, Gegenwind

Bielefeld (WB). 373 Kilometer lang. Mehr als 3000 Höhenmeter. 24 Stunden Zeitlimit. Endlose Waschbrett-Schotterpisten. Staub. Brutzelnde Sonne am Tag, Kälte in der Nacht. Hohe Ausfallquote. Perfekte Organisation: Dies kennzeichnet den »Desert Dash«, den längsten Mountainbike-Marathon der Welt.

Jörg Manthey

Handballer auf Abwegen: Volker »Zico« Wöstenfeld (links) und Kumpel Maik Pottmann, einst für die TSG Altenhagen-Heepen am Ball, sind in Namibia zu Wüstensöhnen mutiert. Foto:

Mittendrin bei diesem Martyrium im Grenzbereich: Volker »Zico« Wöstenfeld (54) und Maik Pottmann (53), Handball-Heroen früherer Tage der TSG Altenhagen-Heepen. Wöstenfeld, 1993 mit der TSG in die 2. Bundesliga aufgestiegen und heuer 1. Vorsitzender des TSG-Förderkreises, und sein Kumpel waren bei der 14. Auflage als Zweierteam »OWL Biker Im-Po-Sand« gemeldet. Im gemieteten Support-Jeep unterstützte Wöstenfelds Schwester Annette die beiden Abenteurer vom Teuto. »Das war ein Riesenerlebnis. Der Hammer«, schwärmte Volker Wöstenfeld.

Knapp 1000 Biker aus 14 Nationen, darunter Vollprofis zuhauf, versammelten sich diesmal in der Tiefgarage des Shoppingcenters »The Grove Mall of Namibia«, angepeitscht von entspannungsverneinenden Rock-Rhythmen: Solofahrer, Zweier-Teams und Vierer-Staffeln. Bloß 44 Teilnehmer kamen aus Deutschland. Wöstenfeld: »Für Namibia ist das so’n Statusding wie der Hermannslauf für einen Bielefelder. Ein Mal im Leben musst du den Desert Dash einfach mitgemacht haben.«

»Reine Kopfsache«

Bei gleißender, trockener Hitze mit Temperaturen von knapp 40 Grad ging’s nachmittags los. Mit reichlich Sonnencreme auf der Haut und gut gefüllten Trinkflaschen radelten die Fahrer mitten hinein in die staubige Wüste. Immer sanft bergauf, bei penetrant böigem Gegenwind aus Südwest. »Das hat einen mental echt gefordert und war reine Kopfsache«, kommentierte Wöstenfeld den unsichtbaren Bremsklotz. Für die Bewältigung der Strecke, die von Windhoek durch das Khomas-Hochland bis auf 2000 Meter Höhe führt, bevor die heiße Namib-Wüste bis an die Küste nach Swakopmund durchquert werden muss, hatten die Teilnehmer genau 24 Stunden Zeit. Irgendwann kam der kalte Nebel vom Atlantik angeschwebt.

Heymanns Tipp: »Überleben«

Die ersten 32 Kilometer und die letzten 45 Kilometer mussten Wöstenfeld/Pottmann zusammen als Team absolvieren. Dazwischen lagen vier Etappen à jeweils gut 70 Kilometer, von denen Wöstenfeld die ersten beiden übernahm, Pottmann die dritte. Die ersten 180 Kilometer ging es nur rauf und runter. »Du musst versuchen, die erste Hälfte zu überleben«, hat Namibias MTB-Legende Mannie Heymans mal als Tipp verlauten lassen. Der hatte die Tortur 2010 in aberwitzigen 12:13 Stunden bewältigt; damals war die Distanz aber noch kürzer. Die ersten 32 Kilometer führten rauf zum Kupferberg-Pass. Nach einigen Kilometern auf asphaltierter Straße hinaus aus Windhoek folgten bis zum Ziel nur noch fiese Schotterwege. Gegen Ende gesellte sich teilweise dicker Sand dazu. Einen Rhythmus, einen Tritt zu finden, war kaum möglich. Meinte man, endlich sei es soweit, führte die Rüttelpiste bestimmt gleich wieder durch ein ausgetrocknetes Flussbett, aus dem es dann ultrasteil wieder rausging.

Dichtungsmilch gegen Dornen

Zwischen den sechs offiziellen Checkpunkten, an lauter »Mucke« zu erkennen, befand sich jeweils eine Wasserstelle. Das war hilfreich, strampelte das Peleton doch in totaler Finsternis. »Wir hatten Neumond«, zuckte Wöstenfeld mit den Achseln. So sahen die Fahrer nichts außer dem Lichtkegel vor dem Vorderrad. Gut, dass die Bielefelder klugerweise Ratschläge angenommen und ihre Reifen mit Dichtungsmilch gefüllt hatten. So blieben sie ohne Plattfuß. Denn: »Da waren überall Büsche mit Dornen.« Das Duo wechselte sich ab – bis Pottmann nach seiner Etappe der Gesundheit zuliebe abwinkte. »Wir sind ja beide nicht mehr ganz taufrisch. Ich habe seit ein paar Jahren eine künstliche Hüfte, Maik eine künstliche Herzklappe«, erläuterte Wöstenfeld, der zu dem Zeitpunkt etwa 180 Kilometer in den Waden hatte.

»Sowas Intensives machst du nur ein Mal im Leben«

Auch wenn Wöstenfeld/Pottmann ob des Abbruchs aus der offiziellen Wertung genommen wurden, so fuhren sie doch ins Ziel am Strand von Swakopmund ein. »Und wir waren auch noch vor dem Zeitlimit.« Anders als die quicklebendigen Greenhorns aus Bielefeld sahen manche Finisher aus wie der Leibhaftige. »Die sind direkt im Zelt eingepennt.« Sieger Konny Looser benötigte 14:22 Stunden. Es war für den Schweizer bereits der vierte Streich in Folge. »Zico« Wöstenfeld weiß: »Sowas Forderndes, sowas Intensives machst du nur ein Mal im Leben.« Aber insgeheim lebt bei ihm der Ehrgeiz, es bei diesem brutalen MTB-Eintagesrennen »richtig« ins Ziel zu schaffen. »Vielleicht in einer Viererstaffel.«

Startseite