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Auch Bielefelds Trainer anderer Sportarten schauen gerne Handball

»Intensiv und volksnah«

Bielefeld (WB/hw/wie). Ein jubelnder Christoph Kramer im Trikot der deutschen Handballer – der Fußball-Nationalspieler war am Mittwochabend längst nicht der einzige Promi-Sportler auf der Tribüne beim 31:30 der DHB-Mannschaft gegen Spanien. Gehen auch die Bielefelder Trainer beim heutigen Halbfinale gegen Norwegen für einen Abend »fremd«? Das WESTFALEN-BLATT hat sich umgehört.

Das Publikum in Köln hat die deutsche Handball-Nationalmannschaft durch die Hauptrunde bis ins Halbfinale getragen. Auch in Bielefeld wird man das Spiel gegen Norwegen heute Abend genau beobachten. Das WESTFALEN-BLATT hat sich unter Trainern anderer Sportarten umgehört. Foto: dpa

Auf die Handball-Weltmeisterschaft angesprochen, antwortet Oliver Krause fast entschuldigend. »Ich muss gestehen, dass ich bisher kaum etwas vom Turnier gesehen habe, obwohl ich mir Handball grundsätzlich unheimlich gerne anschaue. Aber ich habe ja noch die Chance, das nachzuholen«,sagt der Trainer von Arminias U17. Handball kennt Krause übrigens nicht nur vom Fernsehschirm. Erst vor zwei Monaten war er mit einer kleinen »Arminia-Delegation« beim Zweitligisten TuS N-Lübbecke zu Gast. »Da mal ein bisschen hinter die Kulissen zu schauen, war sehr interessant. Allein in der Aufgabenverteilung unterscheidet sich wesentlich vom Fußball. Als Trainer ist man da fast ein Alleinunterhalter.«

Futsal: Handball ähnlicher als Fußball

Aber auch auf dem Feld hat ihn der TuS inspiriert. »Auch wenn die körperlichen Voraussetzungen nochmal ganz andere sind, gibt es da eine Menge Gemeinsamkeiten. Auch da gibt es klare Strategien und Spielzüge. Als Trainer ist es immer wertvoll, seinen Horizont zu erweitern und zu schauen, was in anderen Sportarten los ist.« Und geht es nach Krause, kann sich der Fußball vom Handball einiges abschauen. »Dass dort der Torwart mittlerweile viel aktiver ins Spiel eingebunden wird, ist zum Beispiel sehr interessant. Ob das auch was für den Fußball sein kann, ist eine andere Frage. Aber dieses innovative Denken und der Mut, etwas auszuprobieren, gefallen mir.«

Für Sebastian Rauch , Trainer beim Futsal-Regionalligisten MCH Sennestadt, liegen Futsal und Handball noch ein ganzes Stück enger zusammen. »Beim Handball erkenne ich teilweise mehr Ähnlichkeiten als beim Fußball.« Und das liege nicht nur am gleichen Spielfeld und den identischen Toren. »Das Prinzip ist ganz ähnlich. Auch wir Futsaler versuchen, durch Blocken des Gegners Räume zu erobern.« Hin und wieder setzt Rauch beim Aufwärmen seiner Mannschaft sogar auf Spielformen mit der Hand.

Hinzu kämen die vielen Parallelen bei den Regeln, zum Beispiel das Überzahlspiel. Gewissermaßen war der Futsal für den Handball ein Vorreiter. Der Flying Goalie, im Handball der siebte Feldspieler, ist schon seit Jahren fester Bestandteil des Repertoires der Futsaler. »Man kann Handball und Basketball kombinieren. Wenn man dann noch den Ball an den Fuß legt, dann hat man Futsal«, scherzt Rauch.

Fairplay ein Vorbild für Fußballer

Nur logisch also, dass auch Emre Atsür vom Basketball-Regionalligisten TSVE Bielefeld die Ergebnisse der deutschen Mannschaft genau verfolgt – wenn auch eher passiv. »Wir haben ja abends meistens Training.« Gemeinsamkeiten entdeckt er vor allem unter dem Korb, beziehungsweise vor dem Handballtor. »Bei uns darf man sich nur drei Sekunden in der Zone bewegen, im Handball den Kreis gar nicht betreten.«

Wenn Michael Baumeister heute Abend vor dem Fernseher sitzt, kommt beim Coach der Volleyballer des Telekom Post SV Bielefeld vielleicht sogar ein bisschen Wehmut auf. »Ich habe das Handball-Gen eingepflanzt und bin Fan vom VfL Gummersbach. Die Schlachten, die sich der VfL früher in der Dortmunder Westfalenhalle geliefert hat, haben mich geprägt.« Auf den Handball ist der Volleyballer fast ein bisschen neidisch. »Diese Intensität und positive Aggressivität gefällt mir. So stelle ich mir auch unsere Spiele vor.« Baumeister ist guter Dinge, dass er nicht nur morgen, sondern auch am Sonntag vor dem Fernseher sitzt. »Gegen Norwegen werden Kleinigkeiten entscheiden. Da gilt es, seine Chancen wieder konsequent zu nutzen.«

Mit Expertisen hält sich Andreas Brandwein vom VfL Theesen bewusst zurück. »Ich habe vom Handball ungefähr so viel Ahnung wie Leute, die ab und zu zum Fußball gehen.« Der Sport spielt im Hause Brandwein trotzdem eine große Rolle. Brandweins drei Töchter spielen allesamt beim TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck in der Jugend. »Wenn ich ihre Spiele sehe, lasse ich den Trainer in mir aber komplett zu Hause«, scherzt Brandwein.

Auch wenn er nicht allzu viele Parallelen zum Fußball ziehen will, imponiert ihm der Handball auf ganz andere Weise: »Da spürt man, dass die Mannschaft eine Einheit ist. Niemand spielt aus Eigennutz und der Sport ist insgesamt deutlich volksnäher.« Auch Theesens Sportlichem Leiter Heinz-Werner Stork gefällt’s: »Was das Fairplay im Umgang mit dem Gegner und den Schiedsrichtern anbelangt, können Fußballer noch sehr viel von den Handballern lernen.«

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