1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Lokalsport
  4. >
  5. Bielefeld
  6. >
  7. Laufen macht glücklich

  8. >

Der Bielefelder Amanal Petros startet am Dienstag über 10.000 Meter

Laufen macht glücklich

Berlin (WB/o.k.). Es wird furchtbar heiß werden im Olympiastadion. Für alle Athleten. Die blaue Tartanbahn wird sich den ganzen Tag über aufheizen. Auch um 20.20 Uhr werden die Temperaturen nicht wirklich erträglich sein, wenn sich die Männer die 10.000 Meter vornehmen.

Amanal Petros (SV Brackwede) gibt heute über 10.000 Meter sein Europameisterschaftsdebüt in der Männerklasse. Foto: imago

Auch Amanal Petros wird die 25 Stadionrunden in Angriff nehmen. Der Läufer des SV Brackwede schaffte in diesem Jahr früh die Norm für die Heim-EM , am 7. April lief der 23-Jährige in Braga neue Bestzeit (28:29,78 Minuten). Auch über 5000 Meter knackte er das Nominierungsmaß (13:40,00) klar (13:34,15). Eine Medaille ist für Petros möglich, Meisterschaftsrennen haben ihre eigenen Gesetze, aber nicht wahrscheinlich. Die Topzeiten der Gemeldeten sind deutlich besser. Richard Ringer etwa lief die 10.000 Meter in diesem Jahr in 27:36,52 Minuten. Für den Bielefelder Petros ist es auf jeden Fall »das wichtigste Rennen meiner Laufkarriere«.

2016 Wechsel zum SV Brackwede

Amanal Petros kam 1995 in Arab (Eritrea) zur Welt. Mit seiner Mutter flüchtete er als Zweijähriger nach Äthiopien, als 16-Jähriger dann alleine nach Deutschland. Und landete in einem Flüchtlingsheim in Bielefeld.

Erst in Deutschland wurde der junge Mann zum Sportläufer. In Afrika rannte er »nur« sechs Kilometer zur Schule und zurück. Ein klassischer Einstieg vieler Läufer aus dem an Ausdauer-Talenten so reichen Kontinent.

Das Laufen war aber auch eine Art Flucht aus der Enge des Heimes. Und sein Bewegungsdrang wurde gefördert. Durch einen Mitarbeiter, seine Pflegefamilie. Beim TSVE Bielefeld entdeckte ihn dann auch Stützpunkttrainer Thomas Heidbreder. Der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit, die 2016 im Wechsel zum SV Brackwede mündete.

Petros bleibt seiner neuen Heimat Bielefeld treu

Und es lief gut. Von Anfang an. Die Liste internationaler und nationaler Meriten ist lang: U23-EM, Silber 2017 über 10.000 Meter; Crosslauf EM, Bronze 2015 Junioren U23; Deutsche Meisterschaften: Silber 2014 10-km-Straßenlauf; Bronze 2015 5000 Meter, Silber 2015 10-km-Straßenlauf; Silber 2016 10.000 Meter, Bronze 2016 5000 Meter; Silber 2016 10-km-Straßenlauf; Silber 2017 10.000 Meter; Gold 10-km-Straßenlauf und vor der EM noch Bronze über 5000 Meter . Und mit der deutschen Nationalmannschaft gewann er im vergangenen Jahr Silber bei der Team-EM.

Und wer schnell läuft, wird auch umworben – von anderen Vereinen. Doch Petros bleibt seiner neuen Heimat Bielefeld treu. Das liegt am Trainer, A-Lizenz-Inhaber Heidbreder, der Laufgruppe – und überhaupt: Heimat ist Heimat.

Die er allerdings immer weniger sieht mit zunehmenden Erfolgen. In diesem Jahr ging es etwa im Februar mit dem DLV nach Iten (Kenia), im März stand Flagstaff in Arizona auf dem Programm, vor den nationalen Meisterschaften fünf Wochen St. Moritz . In die Höhe für neue Höhenflüge.

»Ich möchte sehr gern unter die ersten Zehn laufen.«

Seinen sportlichen Traum hat Amanal Petros schon formuliert: einmal bei Olympia starten, am liebsten schon 2020 in Tokio, am liebsten im Marathon.

Aber heute zählen nur die 25 Runden auf dem blauen Tartan. Petros: »Ich möchte sehr gern unter die ersten Zehn laufen. Das wird nicht einfach, das Feld ist sehr ausgeglichen.«

Startseite
ANZEIGE