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Leichtathletik: TSVE-Ass verzichtet auf Start bei der Jugend-DM in Wattenscheid 

Petros scheut den Druck 

Bielefeld (WB). Im Wat-tenscheider Lohrheide-Stadion ermitteln Deutschlands beste jugendliche Leichtathleten der Altersklassen U 20 und U 18 von Freitag an ihre Titelträger. Valeska Vitt (SV Brackwede) und Sophie-Marie Kohlhase (TuS Jöllenbeck) vertreten die Bielefelder Farben. Amanal Petros (TSVE 1890) verzichtet.

Jörg Manthey

Hindernislauf-Abschlusstraining vor der DM, von links: Jan-Wilhelm Dieckmann, Hendrik Pohle, Trainer Thomas Heidbreder, Sophie-Marie Kohlhase, Valeska Vitt, Franziska Schumacher und Trainer Dr. Guido Kaulmann vergnügt am Wassergraben. Foto:

 Dass »Deutsche« eigenen Gesetzen unterliegen, musste Petros unlängst bei der Männer-DM leidvoll erfahren. Zu übermotiviert, die ausgemachte Strategie verlassen und zu schnell angelaufen, übersäuert – der TSVE-Äthiopier wurde in Ulm durchgereicht und beendete das 5000-Meter-Rennen vorzeitig und frustriert. Da war psychologisches Geschick von Trainer Gerd Grundmann gefragt. »Ich glaube, ich habe gute Aufbauarbeit geleistet«, meinte der vor wenigen Tagen noch zuversichtlich. Am Wochenende weilte Amanal Petros in Hamburg. Ein Telefonat gestern bestätigte jedoch Grundmanns Befürchtungen. Petros unterrichtete seinen Trainer, nicht laufen zu wollen. »Amanal fühlt sich vom Kopf her nicht austrainiert. Er ist einfach nicht gut drauf«, gibt Gerd Grundmann die zögerliche Erklärung seines Schützlings wider.

 Letztlich eine rationale Entscheidung. Ohne mentale Stabilität ist Petros beim Jahreshöhepunkt der nicht wegzudiskutierenden Bürde des Favoriten nicht gewachsen. Seine Fabel-Meldezeit von 13:53,29 Minuten, Jahresschnellster, schürt wohl zugleich eine Angst vor dem Versagen. So ist der Weg frei für Verfolger wie Fabian Gering (LG Vogtland/14:21,82 min) oder Titelverteidiger Sebastian Hendel (LG Vogtland/14:28,67 min), der Petros im Vorjahr noch in Schach halten konnte.

 Für den 19-Jährigen geht die Saison am 16. August weiter mit einem 10-km-Straßenlauf im ostfriesischen Schortens. Am 7. September folgen die Deutschen 10-km-Straßenlaufmeisterschaften in Düsseldorf.

 Valeska Vitt (SV Brackwede) weist über die 2000 Meter Hindernis mit 7:29,03 Minuten die langsamste Qualifikationszeit im 16-köpfigen Starterfeld auf. Entsprechend gering ist der Druck – sie kann dort in ihrem ersten U20-Jahr nur positiv überraschen. Erst seit 2013 sammelt sie Erfahrungen im Hindernisbereich. SVB-Trainer Thomas Heidbreder spricht von einer »ansprechenden Entwicklung« und registriert technische Verbesserungen. »Sie ist erst zwei Rennen gelaufen und hat sich um 17 Sekunden gesteigert. In Wattenscheid ist mehr drin.«

 Eine taktische Tempoverschleppung käme der 17-Jährigen womöglich entgegen. »Sie hat kämpferische Qualitäten, eine gute Koordination, Rhythmus, ein Gefühl für Nähe und Distanz – und Mut. Nach hinten raus ist sie schnell. Ich wünsche ihr, dass sie kühlen Kopf bewahrt, sich mobilisieren kann und das abruft, was sie kann.« Valeska Vitts Aufregungsmodus steigt. Um sich abzulenken, »war ich für drei Tage bei meiner Oma zum Entspannen.« Platzierungsdruck macht sich die Schülerin der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schulen nicht. »Mein Ziel war die Norm. Das habe ich geschafft. Jetzt möchte ich erleben und genießen, was eine DM ist.«

 Wertvolle Erfahrungen sammeln soll ebenfalls Mit-Debütantin Sophie-Marie Kohlhase (15) vom TuS Jöllenbeck, die sowohl über die 1500 Meter Hindernis (5:19,45 min) als auch über die 1500 Meter flach – mit 4:50,67 Minuten national unter den Top 20 – die DM-Norm erfüllt hat. »Ich werde aber wohl nur die Hindernisstrecke laufen«, sagt die Realschülerin, die im Idealfall mit einer einstelligen Platzierung liebäugelt. »Mein größtes Hindernis wird der Wassergraben darstellen. Den bin ich bisher immer nur allein gelaufen. Bei der DM werde ich in einem Pulk sein.« Trainer Dr. Guido Kaulmann traut seinem Schützling eine weitere Steigerung zu. »Sie hat das Potenzial.«

 Alle Wettbewerbe werden im Internet-TV live übertragen (www.leichtathletik.de).

 Nach der DM ist vor der DM. In der Woche drauf, am 16./17. August, werden im NetCologne-Stadion Köln die 1. Deutschen Jugend U 16-Meisterschaften durchgeführt. Drei Bielefelder Talente sind mit von der Partie. Brackwedes Torben Timmerhans (M 15) führt die westfälische Delegation über 300 Meter mit seiner Bestzeit von 36,34 Sekunden an. Auch im Weitsprung (6,49 m) ist er ambitioniert. Kathrin Grenda (W15) vom PSV startet über die 100 Meter, die Wahl-Potsdamerin Katharina Erdmann (W 15/TSVE) über die 3000 Meter.

 Nicht nur das wachsende Potenzial der Athleten um »unseren Edelstein Amanal«, auch die lizensierte und namhafte Bielefelder Trainerriege mit A-Lizenzinhabern und Diplom-Sportlehrern haben bei KLA-Chef Dr. Guido Kaulmann den offensiven Entschluss reifen lassen, die Rußheide als Leichtathletik-Stützunkt akkreditieren zu lassen. Er sieht etliche Kandidaten für den D-Kaderbereich, ebenso für den FLVW-Perspektivkader. »Es muss uns gelingen, die Trainingskooperationen weiter zu verbessern«, möchte er Synergieeffekte optimieren.

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