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TSG-Linksaußen Julius Hinz hat schon Einsätze im EHF-Cup gehabt – »Plan B« Bielefeld

»Schaue nur noch von Spiel zu Spiel«

Bielefeld  (WB). Der Bursche ist ein Künstler auf Linksaußen. Julius »Julioo« Hinz hat es mit seiner spritzigen und abgezockten Art bei der TSG A-H Bielefeld schnell zum Publikumsliebling gebracht: wieselflink, selbstbewusst und ausgestattet mit einem reichhaltigen Repertoire an Wurfvarianten. Hinz ist einer, der stets 100 Prozent für den Handball-Oberligisten gibt.

Jörg Manthey

Extrem schnell, dynamisch und trickreich: Linksaußen Julius Hinz ist ein Gegenstoß- und Siebenmeter-Experte. Foto: Bernhard Pierel

»Julius ist ein Musterspieler. Auch menschlich eine Granate«, schwärmt TSG-Geschäftsführer Christian Sprdlik. »So wie er sich auf der Platte gibt, ist er auch außerhalb des Feldes. Lebensfreude pur.« Der Blondschopf studiert Deutsch und Sport im ersten Mastersemester an der Leipnitz-Universität Hannover. Hinz hat sich bislang als überaus vereinstreu erwiesen. Ehe er 2017 vom TSV Hannover-Burgdorf zur TSG A-H Bielefeld wechselte (»Ich habe eine neue Herausforderung gesucht«), war er zwölf Jahre lang ein Eigengewächs der grünen Recken-Schmiede. »Ich habe mit fünf Jahren mit dem Handball angefangen.« In der niedersächsischen Landeshauptstadt erlebte er tolle Momente. Erster Bundesliga-Einsatz mit 17 Jahren. »Das hat Spaß gemacht«, erinnert er sich etwa an einen Kopfleger aus ungünstigem Schusswinkel, mit dem er mal DHB-Nationaltorhüter Silvio Heinevetter ausguckte.

»In Leon war’s richtig cool«

20 Jahre alt war er, als Hinz seine Premiere auf internationalem Parkett geben durfte: EHF-Cup-Einsätze in Spanien (30:30 bei Ademar Leon), in Schweden bei Lugi HF oder gegen die Ungarn von Csurgói KK. Insgesamt acht Tore markierte der Linksaußen gegen diese Gegner. »2014 war ein geiles Jahr. In Leon war’s richtig cool. Angeheizte Stimmung, verrückte Fans, und wir klauen da einen Punkt.« Insgesamt bekam Hinz bei den »Recken« aber nicht die erhofften Spielanteile. Überwiegend wurde er in der U23 in der 3. Liga Ost eingesetzt. »Dieses Springen hin und her wollte ich nicht mehr.« So suchte er eine neue Herausforderung. Ex-Mittelmann Marius Kastening stellte den Kontakt her, und Christian Sprdlik schnappte sofort zu. Julius Hinz räumt ein, dass er anfänglich skeptisch war, dann Sprdliks Projekt aber als ungemein reizvoll empfand. Trotzdem sei die TSG 2017 nur »Plan B« gewesen. »Eigentlich wollte ich in die 2. Liga. Doch ich hatte keinen Verein gefunden.« Den vermeintlichen Abstieg hat er bis heute nicht bereut. »Es ist richtig cool mit den Jungs.« Seit kurzem bildet er eine Fahrgemeinschaft mit Neu-Torhüter Fabian Ullrich, wie er aus Hannover-Burgdorf gekommen.

Drei Brüder, drei Linksaußen

Julis Hinz ist das Nesthäkchen einer Handball-Dynastie. Kurios: Seine älteren Brüder Tobias und Fabian, beide auch Niedersachsenauswahlspieler, waren ebenfalls Linksaußen. Den Trainerwechsel – Apollo Just raus, Calle Wagner rein – hat er ohne Murren akzeptiert. »Ich bin Spieler. Meine Aufgabe ist es, konzentriert meinen Job zu machen. Ich gebe immer Vollgas; egal, wer Trainer ist.« Seine TSG-Zeit hat ihm freilich schon eine wertvolle Lektion geschenkt. »Ich habe dazugelernt. Ich bin kein Freund mehr davon, zu weit in die Zukunft zu gucken. Ich schaue nur noch von Spiel zu Spiel, von Aufgabe zu Aufgabe. Das sollten wir alle so machen.« Julius Hinz wird am 4. März 26 Jahre alt. Soweit will er gar nicht gucken und freut sich jetzt auf St. Pauli, auf seinen ersten Einsatz im Deutschen Amateurpokal. Das Achtelfinale steigt an diesem Samstag (17 Uhr) im Heeper Dom. »Darauf liegt unser Fokus. Wir haben richtig Bock zu gewinnen. Alle wollen nach Hamburg.«

Mit 108 Toren die Nummer eins der TSG

Klar, dass Christian Sprdlik seinen Transfer-Volltreffer, der mit 108 Treffern (davon 40 Siebenmeter) die interne Torjägerliste anführt, gerne halten und von einem dritten TSG-Jahr überzeugen würde. »Ich fühle mich hier wohl und denke, dass ich mit meiner Leistung zufrieden sein kann. Besser geht natürlich immer. Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht sagen, was wird«, sagt Julius Hinz ausweichend. Seine variable Kunst hat sich wohl herumgesprochen, vielleicht sogar bis in die gewünschte 2. Liga. So oder so will er »Plan B« gerne noch um zwei charmante Anekdoten anreichern: dem Finale um den Deutschen Amateurpokal in Hamburg plus den Aufstieg in die 3. Liga West. »Ich glaube fest daran und werde dafür alles geben!«

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