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Arminia in der 2. Bundesliga auf Platz fünf – Sarah Grünheid schießt 17 Tore

Viel gelernt, um noch stärker zu werden

Bielefeld (WB). Im ersten Lehrjahr gleich die Gesellenprüfung gemeistert, mit Auszeichnung dazu: Arminias Fußballfrauen haben dem Aufstieg in die 2. Bundesliga eine bemerkenswerte Premierensaison folgen lassen und den größten Erfolg der Vereinsgeschichte mit einem fünften Platz in der Abschlusstabelle veredelt.

Jörg Manthey

Vorstandsmitglied Bernard Kiezewski (links) und Fußballobmann Werner Jöstingmeyer verabschiedeten vor dem letzten Heimspiel Lena Göllner und Karolina Bochra. Foto: Hans-Werner Büscher

»Wahnsinn. Sensationell. Ist doch irre für einen Aufsteiger«, sagt der »hyper-ehrgeizige« Trainer Markus Wuckel, stolz wie Oskar, mit Verweis auf die beiden Mitaufsteiger: Der 1. FC Union Berlin und Bramfelder SV müssen gleich wieder direkt absteigen. Und es war noch Steigerungspotenzial sichtbar, im taktischen Bereich, im Spielaufbau, im Umschaltverhalten. Was Fußballobmann Werner Jöstingmeyer imponierte: »Wir sind nicht annähernd mit dem Wiederabstieg in Verbindung gebracht worden.«

Im DFB-Pokal kam Arminia weit, akquirierte so neue Fans und scheiterte erst in der dritten Runde am Starensemble des Finalisten VfL Wolfsburg (0:2). Wuckel bezeichnet seine Crew zwar als »charakterlich überragend«, attestierte ihr wohlwollend, regelmäßig »an Grenzen gegangen« zu sein, sah sich im Verlaufe der Saison aber genötigt, unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Sein Bannstrahl traf Romina Burgheim, die von sich aus aufhörte, Kamila Kmiecik und Aylin Yaren. Das sei einzig »zum Wohle der Mannschaft« gewesen.

Wuckel zeigt sich experimentierfreudig

»Für den Gesamterfolg haben wir eine intakte Mannschaft gebraucht. Nur darum ging es.« Werner Jöstingmeyer rückt Markus Wuckels Anteil am Erfolg ins rechte Licht. Der Coach ist bereits seit 14 Jahren in Amt und Würden. »Dass es so gut gelaufen ist, liegt an seiner hervorragenden Arbeit.« Um einzuschränken, dass der Verein mit dem wachsenden Erfolg an Grenzen stoße. »Die Vorstandsarbeit lastet auf wenigen Schultern. Im organisatorischen Umfeld der Mannschaft müssen wir uns unbedingt breiter aufstellen.«

Markus Wuckel zeigte sich im Verlauf der Saison experimentierfreudig und erfand sein Team angesichts einer ihm zu hoch erscheinenden Anzahl an Gegentoren mehrfach neu. Außer Torhüterin Vivien Brandt wurde jede Spielerin mal auf einer anderen Position getestet. Doch des Trainers Hoffnungen auf eine konstante Stabilität erfüllten sich nicht ganz. Die letzte Partie, das 3:4 gegen Herford , deckte das ganze Dilemma geballt auf, als der Gegner die Unsicherheiten der Viererkette eiskalt zum Derbysieg zu nutzen wusste. Für Wuckel war’s zugleich eine »Motivationshilfe«.

Trotz der großen DSC-Stärke, beseelt von Alles-oder-Nichts-Mentalität Rückstände und Spiele drehen zu können: 54 Bielefelder Gegentore soll es in der Serie 2017/18 möglichst nicht geben. Die neue Runde ist für die 2. Bundesliga der Frauen als Qualifikationssaison ausgeschrieben. Jeweils die ersten Sechs der Nord- und Südstaffel schaffen den direkten Sprung in die eingleisige 2. Liga. Grund für den Strukturwandel ist die vom DFB gewollte »Rückeroberung des Spitzenplatzes im internationalen Frauenfußball«.

»Aufsteiger-Bonus« ist kein Argument

Die alte Fußballweisheit, dass das zweite Jahr für einen Aufsteiger das schwerste ist, werde auf Arminia nicht zutreffen, prophezeit Markus Wuckel – im Gegenteil. »Es wird einfacher für uns. Es war ein Vorteil, dass wir ein Jahr Zeit hatten, uns auf die Qualifikation vorzubereiten. Dass wir gesehen haben, wo die Hebel anzusetzen sind. Wir haben in diesem Jahr viel gelernt und wissen jetzt, was auf uns zukommt.« Dass der Aufsteiger-Bonus nun entfalle, lässt Wuckel nicht als Argument gelten. »Sowas hatten wir gar nicht. Wir sind von der Konkurrenz von vornherein sehr hoch eingeschätzt worden.«

Die perspektivischen Planungen sind frühzeitig weit fortgeschritten. Aktuell hat Wuckel einen 23-er Kader beisammen. »Wir sind in Abwehr und defensivem Mittelfeld qualitativ breiter aufgestellt. Die Neuzugänge haben durchweg eine gute Mentalität und ermöglichen uns allerlei Varianten. Ich habe mehrere Aufstellungen im Kopf.« Angesichts der zu erwartenden Steigerung des fußballerischen Spielniveaus hat sich Wuckel schon festgelegt, dass Kapitänin Maxi Birker ihr Team wieder wie in der Regionalliga-Meistersaison als klassische »Zehn« mit allen kreativen Freiheiten anführt.

Vorbereitung startet Mitte Juli

Offizieller Startschuss für die Vorbereitung auf die neue Saison, die am 26./27. August mit der ersten DFB-Pokalrunde beginnt, ist am 10. Juli. In den zwei Wochen davor werden die DSC-Spielerinnen ein spezielles Trainingspensum im Fitnessloft absolvieren, Ausdauer und Kraft tanken. Vom 11. bis 13. August rückt der Zweitligist ins Trainingslager ein. Traditionell führt die Fahrt zum »Landerlebnishof Schmidt-Mühle« nach Bad Fredeburg. Unter anderem sind Testspiele gegen drei Erstligisten vorgesehen: Werder Bremen, Borussia Mönchengladbach und den USV Jena. »Um uns an starke Gegner zu gewöhnen«, so Wuckel.

Eine Stippvisite in Kaiserau – dort geht es gegen die Mädchen-Westfalenauswahl – wird genutzt, um Athletik-Tests durchzuführen. Wuckel: »Ich möchte mehr Derbys gewinnen als nur eines und auch einen der drei Großen von oben schlagen. Wir haben ja gegen Werder Bremen, VfL Wolfsburg II und BV Cloppenburg alle sechs Spiele verloren.«

Arminias Tore erzielten: Sarah Grünheid (17), Maxine Birker (7), Karolina Bochra (6), Annabel Jäger (3), Laura Liedmeier (3), Lena Schulte (3), Symela Ciesielska (2), Lena Göllner (1) und Tanja Thormählen (1).

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