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Fußball: Die Brakeler Familie Carmisciano drückt im EM-Halbfinale Italien die Daumen

„Das ist ein echtes Team“

Brakel

So macht Fußball Spaß“, sagt Rosario Carmisciano und freut sich auf das EM-Halbfinale zwischen Italien und Spanien an diesem Dienstag in London. Klar, dass der Brakeler mit seiner Familie den „Azzurri“ die Daumen drückt.

Von Sylvia Rasche

Die Brakeler Familie Carmisciano drückt im EM-Halbfinale Italien die Daumen. Das Foto zeigt von links: Matteo (22 Jahre), Alessio (31), Rosario (66), Giovanni (33) und Maria-Giovanna Carmisciano (23). „Die Trikots stammen aus verschiedenen Jahren“, erklärt Giovanni Carmisciano, der hier das Trikot der WM 2006 mit der Nummer 3 des Siegtorschützen Fabio Grosso trägt. Foto: privat

Seit 1977 lebt der Sizilianer in der Nethestadt, seine Frau Susanne ist Deutsche, die vier Kinder sind hier geboren. „So haben wir bei großen Turnieren immer zwei Optionen und sind glücklich, wenn Deutschland oder Italien am Ende vorne stehen“, lacht der 66-Jährige, der damals eigentlich nur einen Freund in Brakel besuchen wollte. „Dann habe ich mich verliebt und bin geblieben. Inzwischen lebe ich viel länger in Deutschland als vorher in Italien.“

Die bisherigen EM-Auftritte Italiens in Rom, London und München haben Rosario Carmisciano überzeugt: „Das war richtig guter Fußball. Es ist enorm, wie Trainer Roberto Mancini die Mannschaft verwandelt hat“, schwärmt er. „Von Catenaccio ist glücklicherweise keine Rede mehr. Italien spielt mutig nach vorne.“

Heimische Sportinteressierte kennen den gebürtigen Italiener vor allem als exzellenten Tennisspieler. Bis in die Westfalenliga hat er es geschafft. Und das, obwohl er erst mit 37 Jahren überhaupt mit dem Training begonnen hat. „Ich habe meinen Sohn Giovanni immer zum Training gebracht, ihm zugeguckt. Irgendwann habe ich es selbst mal versucht und hatte sofort Spaß daran.“ Heute jagt er immer noch mit Begeisterung der Filzkugel nach – und schaut seinen inzwischen erwachsenen Kindern beim Fußball zu.

Dafür muss er in der kommenden Spielzeit keine weiten Wege auf sich nehmen. Der älteste und der jüngste Sohn sind dann gemeinsam mit der Spvg Brakel in der Landesliga aktiv. Giovanni (33) als Co-Trainer und Matteo (22) als Spieler.

Der zweitälteste Sohn Alessio lebt in Paderborn, hat zuletzt beim FC BW Weser gespielt, legt aber aus beruflichen Gründen aktuell eine kleine Fußballpause ein. „Wenn Not am Mann ist, kann ich aber einspringen, weil ich mich selbst fit halte“, hat er seinem Trainer versprochen. Bei der EM fiebert Alessio Carmisciano mit der „squadra azzurra“ mit. „Seit Deutschland raus ist, schlägt nur noch das grün-weiß-rote Herz“, lacht Carmisciano. Und das hatte zuletzt allen Grund zur Freude.

Das sieht auch Giovanni Carmisciano so: „Italien spielt viel attraktiver als früher. Roberto Mancini hat die Mannschaft, die nach der verpassten WM-Qualifikation 2018 am Boden lag, neu aufgebaut und verjüngt. In Italien herrscht wieder Fußball-Euphorie“, berichtet der AC-Mailand-Fan. Man merke an vielen kleinen Dingen, dass es sich um ein echtes Team handle. „Das ist in wichtiger Schlüssel zum Erfolg, das hat man auch beim deutschen Team 2014 in Brasilien gesehen“, vergleicht Giovanni Carmisciano.

Fußballerisch gibt es innerhalb der Familie übrigens unterschiedliche Fanlager: „Meine Tochter Maria-Giovanna ist Schalke-Fan“, sagt Rosario Carmisciano kopfschüttelnd über die Vorlieben der 23-Jährigen. Er selbst schwärmt neben Juventus Turin nämlich ausgerechnet für Borussia Dortmund. Der BVB ist auch der Lieblingsverein von Alessio Carmisciano. „Den italienischen Vereinsfußball verfolge ich intensiv, aber als neutraler Fan, weil mein Club US Palermo leider in die 3. Liga abgestiegen ist“, berichtet der 31-Jährige. Matteo schwärmt wie Giovanni für den AC Milan.

Heute Abend schlagen allerdings alle Herzen der Carmiscianos für das gleiche Team. „Wir sind optimistisch“, sagt Rosario Carmisciano. Der Tipp: Italien schafft es ins EM-Finale von London. Und vielleicht gibt es ja wie zuletzt bei der WM 2006 in Deutschland am kommenden Sonntag wieder einen italienischen Titel zu bejubeln. „Das wäre schön, aber erstmal ist Spanien eine hohe Hürde“, bleiben die Carmiscianos trotz aller Euphorie im Heimatland des Vaters auf dem Boden.

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