Meine Corona-Pause: Daniel Neumann spricht über zehn Jahre beim Fußball-Bezirksligisten SV Dringenberg und seine Jugendzeit beim SC Paderborn 07

„Diese Begeisterung hatte ich nicht erwartet“

Dringenberg

Die Ortsdurchfahrt ist gesperrt. Es würde eh niemand durchkommen. Das ganze Dorf ist auf den Beinen und feiert unter dem eigens erbauten Rathausbalkon das Double aus Bezirksliga-Meisterschaft und Kreispokalsieg. Mitten drin: Daniel Neumann.

Sylvia Rasche

Seit zehn Jahren spielt Daniel Neumann (hier rechts, im Derby gegen den TuS Bad Driburg) für den SV Dringenberg, hat den Kreispokal gewonnen, ist in die Landesliga aufgestiegen, war Kapitän und ist aktuell spielender Co-Trainer des Fußball-Bezirksligisten. Foto: Sylvia Rasche

„So eine Begeisterung habe ich vorher noch nie erlebt und war sehr überrascht, was in Dringenberg alles möglich ist“, sagt der 31-Jährige im Rückblick. Eineinhalb Jahre zuvor war der Siebensterner vom SC Paderborn zurück in den Kreis Höxter gewechselt und hatte maßgeblichen Anteil an der erfolgreichsten Fußballsaison der Vereinsgeschichte des SV Dringenberg. 2012 stieg das Team mit Trainer Richard Soethe in die Landesliga auf und holte sich zudem noch den Kreispokal des alten Sportkreises Warburg.

Inzwischen spielt er seit gut zehn Jahren für die Blau-Gelben, hat als Interims-Trainer zwischenzeitlich ein halbes Jahr Verantwortung übernommen und ist seitdem als spielender Co-Trainer aktiv. „Wenn der Körper mitspielt, kann ich mir noch ein paar Jahre mehr in Dringenberg vorstellen. Ein paar Wehwehchen hatte ich ja schon, war aber glücklicherweise nie ernsthafter verletzt“, sagt Daniel Neumann, der von seinen Mitspielern nur „Charles“ genannt wird. „Als ich nach Dringenberg kam, hatten wir drei Daniels in der Mannschaft, da kam der alte Spitzname aus dem Englischunterricht in der Schule wieder auf“, schmunzelt Neumann, der aus Siebenstern stammt und zusammen mit Ehefrau Fabienne auch dort lebt – gerade mal vier Kilometer vom Burgstadion entfernt.

„Die Doublefeier 2012, bei der wirklich das ganze Dorf auf den Beinen war, war ein absolutes Highlight meiner bisherigen Dringenberger Zeit“, sagt Daniel Neumann (rechts). Foto: Sylvia Rasche

Mit dem Fußball begonnen hat er beim SV Herste mit Vater Burkhard und Onkel Ulrich als Trainer und Co-Trainer. Über den TuS Bad Driburg ging es in der C-Jugend weiter zum SC Paderborn. In der B-Jugend spielte das Team in der Landes- und Westfalenliga, in der A-Jugend wurde Neumann mit den Paderbornern zweimal Vizemeister der Westfalenliga. „Einmal war Wattenscheid 09 vor uns, das andere Mal Preußen Münster, jeweils ein, zwei Punkte“, erinnert sich der Siebensterner, der so die große Chance verpasste, in der Jugend in der Bundesliga zu spielen.

Nach eineinhalb Jahren in in der U21 entschied er sich für die berufliche Perspektive, verließ den SCP und wechselte unter die Burg. „Ich würde alles wieder so machen“, sagt der Bürokaufmann im Vertriebsinnendienst. „Es war richtig, mit 14 nach Paderborn zu gehen. Ich habe dort viel gelernt und durfte später bei den Senioren in den Profifußball reinschnuppern. Zwei, drei Testspiele habe ich mit der ersten Mannschaft bestritten. Dazu kamen immer mal wieder Profis aus der ersten zur zweiten Mannschaft dazu“, erzählt Neumann.

Genau so richtig sei es dann aber gewesen, auf die Karte Berufsausbildung zu setzen. „Ich habe einen sehr abwechslungsreichen Beruf. Wir sind im Bereich 3D-Drucker tätig und erstellen Prototypen im Auftrag von Firmen. Zudem kümmere ich mich um die Auszubildenden“, berichtet der Fußballer, der am SV Dringenberg vor allem die familiäre Atmosphäre schätzt. „Hinter den Kulissen arbeiten seit Jahren die gleichen Leute mit großem Einsatz. Da legen unser Vorsitzender Christian Rohe und sein Team großen Wert auf Kontinuität. Man hat immer einen kompetenten Ansprechpartner“, betont der spielende Co-Trainer.

Im Lockdown vermisst er den Fußball selbst, aber auch die „Gemeinschaft mit den Jungs. Es wird Zeit, dass es bald endlich wieder losgeht. Klar, kann man auch beim Zoom-Meeting etwas für die Fitness tun, aber das ersetzt kein echtes Training mit zwischenmenschlichen Kontakten“, bringt es Daniel Neumann auf den Punkt. Bis es soweit ist, genießt Hund Kaylee die größere Aufmerksamkeit. „Die Spaziergänge sind in Corona-Zeiten länger geworden als vorher“, sagt Neumann.

Entspannter Urlaub in Dänemark 2019: Hund Kaylee genießt auch in der aktuellen Corona-Lockdownzeit längere Spaziergänge mit Daniel Neumann. Foto: privat

Und wer weiß, vielleicht gibt es ja nach dem Fußball-Re-Start noch mal irgendwann einen guten Grund einen Balkon am alten Dringenberger Rathaus zu errichten. Dann – soviel ist sicher – würde sich Daniel Neumann über gar nichts mehr wundern. Nach einem Jahrzehnt weiß er genau, was unter der Burg so alles möglich ist.

Kurz gefragt

Lauf- oder Krafttraining: Laufen. Ganz klar. Das habe ich von meinem Vater, der auch immer gerne gelaufen ist. Wenn es mit dem Fußball mal vorbei ist, könnte ich mir vorstellen, einen Marathon zu laufen.

Bringdienst oder selber kochen: Ich koche leidenschaftlich gern und probiere auch immer mal wieder neue Gerichte aus. Manchmal suche ich mir neue Rezepte im Internet, manchmal lasse ich mich auch einfach im Supermarkt inspirieren.

Playstation oder Netflix: Ich besitze zwar eine Playstation, nutze sie im Moment aber kaum. Spielen hat für mich auch was mit Gesellschaft zu tun. Derzeit gucke ich daher eher Serien bei Netflix.

Buch oder Podcast:Weder noch. Das ist beides nicht so meine Welt.

Spotify oder Radio:Ich höre gerne Radio, weil es da neben der Musik immer auch aktuelle Infos aus der Region und der Welt gibt. Der Mix gefällt mir.

Lieblingsinternetseite:Youtube und Google. Meistens suche ich gezielt nach Informationen. Entweder nach Rezepten oder Reisezielen.

Sportlerbiografie: Gelesen habe ich noch keine und bin eigentlich auch nie ein Fan von einzelnen Spielern gewesen. Wenn ich einen benennen müsste, wäre es Oliver Kahn, der mit seiner Meinung öfter polarisiert.

Corona-Rituale: Ich gehe nicht mehr so oft einkaufen wie früher, dafür kaufe ich jetzt größere Mengen.

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