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Hermannslauf: Michael Amstutz hat seinen Lieblingslauf zum 33. Mal bestritten

Dieser Termin ist bis 2039 geblockt

Kreis Höxter

Der Weg vom Hermannsdenkmal zur Sparrenburg hat für ihn Kultstatus. Michael Amstutz bleibt auch bei der 50. Auflage des berühmten Hermannslaufes der einzige Sieger aus dem Kreis Höxter. 1990 und 1992 hat der gebürtige Bad Driburger den Lauf gewonnen – und die schweren 31 Kilometer am Sonntag zum genau 33. Mal bewältigt.

Von Sylvia Rasche

Die Promenade in Bielefeld ist für den zweifachen Hermannslaufsieger Michael Amstutz immer ein besonderer Moment. Er hat am Sonntag seinen 33. Hermann hinter sich gebracht und strebt die 50 an. Foto: Oliver Schwabe (Archiv)

„Ich bin immer angekommen“, betont Amstutz und schmunzelt, wenn er an seinen langsamsten Hermann überhaupt denkt. 1991 brach er als Titelverteidiger völlig unterzuckert knapp zwei Kilometer vor dem Ziel zusammen, musste im Zelt des Roten Kreuzes mit Traubenzucker wieder aufgepäppelt werden. „Als es mir wieder besser ging, habe ich geduscht, mir dann die Startnummer wieder angeheftet und bin zurück zu der Stelle gelaufen, an der ich vorher ausgestiegen war“, berichtet Amstutz. Er finishte in 4:05 Stunden. „Es steht nirgendwo, dass man unterwegs keine Pause machen darf“, lächelt er.

Normalerweise braucht der frühere Westdeutsche Juniorenmeister im Marathon aber keine Auszeit. Zweimal hat er den Klassiker gewonnen, war neunmal unter den Top-10 und ist mehr als zehnmal unter der magischen Zwei-Stunden-Marke ins Ziel gekommen. Inzwischen benötigt er um die 2:40 Stunden für die Strecke, am Sonntag genau 2:39,07. „Aber die Zeit ist nicht so wichtig“, betont Amstutz und vergleicht den Hermannslauf mit Olympischen Spielen. „Da weiß hinterher auch keiner mehr, wer wie schnell gelaufen ist. Wer Olympiasieger geworden ist, weiß man dagegen immer...“

Der Driburger, der längst in Brakel lebt, hat sich ein anderes ganz besonderes Ziel gesetzt: „Ich will die 50 vollmachen.“ Beim persönlichen Goldjubiläum wäre er dann stolze 72 Jahre alt. „Es sind jedes Jahr sehr viele ältere Läufer am Start“, weiß er aus seiner langjährigen Erfahrung. In diesem Jahr bewältigten sogar sechs Athleten der M80er Klasse den Lauf erfolgreich.

Allen gemeinsam sei, dass die „letzten zehn Kilometer immer weh tun‘“, meint Michael Amstutz – und natürlich der Muskelkater am Folgetag. „Montag ging es eigentlich ganz gut. Bei mir kommt der Schmerz oft erst am Dienstag“, erzählt der 55-Jährige, der nach eigenen Angaben inzwischen gelassener geworden ist. „Für mich es wichtig, gut durchzukommen und den Lauf zu genießen. Da gucke ich nicht auf fünf Minuten.“ Zwischen dem Hermann im Oktober vergangenen Jahres und der 50. Auflage an diesem Sonntag hat Michael Amstutz lediglich zwei Wettkämpfe bestritten, den Velmerstotlauf und den Osterlauf. „Es gab ja nur wenige Volksläufe. Die Solo-Läufe waren nicht meine Welt.“ Nur zwischen 30 und 45 Kilometer habe er wöchentlich trainiert und lieber die eine oder andere Rad-Ausfahrt eingeschoben.

Der Hermannslauf ist für ihn eine Art Familientreffen, nicht mit Verwandten, sondern mit langjährigen Laufkollegen. „Es ist schön, sich regelmäßig hier wiederzusehen und sich auszutauschen“, sagt der zweifache Sieger, der sich den Termin am letzten Sonntag im April bis ins Jahr 2039 frei halten wird – mindestens.

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