1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Lokalsport
  4. >
  5. Erste Partie nach Führung abgebrochen

  6. >

Fußball: VfB Beverungen, einer der beiden Vorgängervereine des FC BW Weser, vor genau 100 Jahren gegründet

Erste Partie nach Führung abgebrochen

Beverungen

Es ist der 28. Juli 1921. Am Abend treffen sich acht junge, fußballbegeisterte Beverunger im Café Buhre in der Weserstraße. Es ist die Geburtsstunde des VfB Beverungen, eines der beiden Vorgängervereine des FC Blau-Weiß Weser.

Ein Mannschaftsbild des VfB Beverungen am Hakel. Der Sportplatz lag vor dem 2. Weltkrieg näher an der Weserbrücke, wurde später etwa 40 Meter weseraufwärts erlegt. Der vierte Spieler von links ist VfB-Urgestein Anton Dannenberg. Foto: privat

Nach der Gründungsurkunde kamen genau heute vor 100 Jahren Fritz Tewes, Willy König, Richard Mansbach, Gisbert Schübeler, Hartwig Buxbaum, Siegfried Cohen, Isidor Israel und Fritz Pollmann zusammen, um einen Fußballverein zu gründen. Sie nannten ihn „Verein für Bewegungsspiele 1920“.

Der erste Vorstand des VfB wurde von Willy König geführt. Als Geschäftsführer wurde Rentmeister Fritz König gewählt und Gisbert Schübeler verwaltete die Vereinskasse.

Nach ersten Jugendspielen im August/September 1921 waren im Dezember genügend Spieler vorhanden, um auch eine Seniorenmannschaft zu stellen. Am 3. Dezember 1921 führte die Seniorenmannschaft des VfB in ihrem ersten Spiel beim MTV 1862 Carlshafen mit 1:0, ehe das Partie wegen Dunkelheit abgebrochen werden musste.

„Über die Gründe, warum der Verein die „1920“ im Vereinsnamen trug, obwohl offiziell im Juli 1921 gegründet, ranken sich mehrere Spekulationen. Es ist aber naheliegend, dass man sich auf 1920 bezog, weil zu dieser Zeit erste sportliche Aktivitäten stattfanden“, berichtet Bernd Hake, Ressortleiter Ehrenamt und Mitgliederpflege im Vorstand des FC BW Weser.

So hat die Redaktion der „Lauenförder Blätter“ in der Ausgabe 21 vom Mai 2020 einen Zeitungsausschnitt vom 17. August 1920 veröffentlicht, in dem über ein Wettspiel des erst seit zwei Monaten bestehenden Fußballklubs „Jugend-Sport“ in Wehrden berichtet wurde. Im ersten Spiel konnte gegen einen weit überlegenen Gegner ein beachtliches 1:1 erreicht werden. Dies dürfte eine logische Begründung für die Jahreszahl „1920“ im Vereinsnamen sein und wird auch durch neuste Erkenntnisse gestützt.

Mit Anzug und Krawatte präsentiert sich der VfB Beverungen 1932 bei einem Pokalspiel in Drenke dem Fotografen. Foto: privat

Andere Erklärungsversuche dürften unpassend sein, ein eindeutiger Beweis kann aber nicht geführt werden. Zudem berichtet Hubertus Grimm in seinem Buch „70 Jahre Fußball in Beverungen“, dass die damalige Beverunger Zeitung in der Ausgabe vom 4. August 1921 über die Vereinsgründung des VfB und über das erste Wettspiel gegen die 2. Mannschaft des Jugend-Fußballvereins SV Germania Eissen von 1920 e.V., das mit 5:1 gewonnen wurde, berichtet hat. Man muss daher von der offiziellen Vereinsgründung vom 28. Juli 1921 ausgehen.

Vor dem 2. Weltkrieg lebten in Beverungen zahlreiche jüdische Mitbürger. So gehörten auch einige zu den Gründungsmitgliedern des VfB (Isidor Israel, Siegfried Cohnen, Hartwig Buxbaum). Der Geschäftsmann Isidor Israel war Jugendobmann und im Jahr 1925 für einige Monate Vereinsvorsitzender. Er war als Torwart über Jahre eine Stütze der Mannschaft. Auch der Kaufmann Sally Goldschmidt engagierte sich nicht nur von 1925 bis 1933 als Geschäftsführer im VfB, sondern auch im Kreisvorstand Höxter und als Fußballsachbearbeiter des Hellweggaues, wie sich damals der überregionale Verband nannte.

Unbekannt ist, was aus den jüdischen Mitgliedern des VfB in der schlimmsten Zeit deutscher Geschichte mit Vertreibung, Vernichtungslager und Krieg geworden ist.

Der zweite Fusionsverein des FC BW Weser, der SC Lauenförde, wurde nach dem 2. Weltkrieg gegründet.

In der Gastwirtschaft Paulmann versammelten sich am 10. Oktober 1945 19 begeisterte Sportfreunde und beschlossen die Gründung eines neuen Sportvereins mit dem Namen SC Lauenförde. Die erforderlichen Gremien wurden gewählt und so konnte der Sportbetrieb nach Beendigung des Kriegs wiederaufgenommen werden. Es war eine Neugründung erforderlich, da der 1928 gegründeten Verein „Arminia Lauenförde“ nicht unter dem früheren Namen fortgeführt werden durfte. Somit kann auch dieser Verein auf eine weit über 75jährige Tradition zurückblicken.

Die Vorstände der zuvor stark rivalisierenden Fußballvereine VfB 20 Beverungen und SC Lauenförde näherten sich im neuen Jahrtausend stark an, dass es im April 2013 zu einer Verschmelzung beider Vereine kam.

Die Idee war, die zu erwartenden Auswirkungen des demografischen Faktors mit dem Nachbarverein abzufedern. Eine Entscheidung von großer Tragweite, die angesichts der Rivalität und der Tradition besonders bei älteren Mitgliedern weniger Gefallen fand. So waren auch in der Mitgliedschaft des SC Lauenförde zwei Anläufe erforderlich, bis eine ausreichende Mehrheit für eine Verschmelzung vorlag.

Besonders ist hierbei, dass der Verein in beiden Ortschaften aktiv ist, die durch die Weser und die Landesgrenze NRW/Niedersachsen getrennt sind. Auch zum MTV Derental besteht eine enge sportliche Verbindung, da seit der vergangenen Saison deren Seniorenspieler in der 2. Mannschaft des FC BW aktiv sind. Durch den gemeinsamen Sport in Senioren- Damen- und Jugendmannschaften wird das nachbarschaftliche Zusammenleben über die Landesgrenze hinweg ausgebaut und gefördert. Der FC Blau-Weiß Weser hat sich im Hinblick auf die Grenzsituation das Motto „Grenzenlose Leidenschaft“ gegeben und will diesen Anspruch auch leben.

Startseite