Marvin Jürgens von Becker-Tiemann Racing belegt bei seiner Premiere im Pro Superstock Cup auf Anhieb Platz zwei

Im Angriffsmodus

Paderborn

Besser hätte die Premiere kaum laufen können: Motorradpilot Marvin Jürgens vom Paderborner Team Becker-Tiemann Racing hat bei seinem ersten Rennen im Pro Superstock Cup ein fettes Ausrufezeichen gesetzt. Der 26-Jährige belegte auf seiner 214 PS starken BMW S 1000 RR auf der schnellen Piste in Oschersleben auf Anhieb den zweiten Platz – die ersten 20 Cup-Punkte!

Jörg Manthey

Marvin Jürgens hat auf seiner 214 PS starken BMW S 1000 RR einen starken Einstand im ersten Lauf des Pro Superstock Cups hingelegt. Foto: Crumb Pictures

Bereits in den ersten beiden freien Trainings deutete Jürgens fesch an, dass er nicht nur mithalten wollte, sondern das Zeug für einen Podestplatz hatte. Und das in einem richtig starken Starterfeld, nicht nur quantitativ (37 Starter aus sechs Ländern), auch qualitativ. Acht Fahrer unterboten in den beiden Qualifikationen die 1:30 Minuten. Mit dabei: Marvin Jürgens, der eine neue persönliche Bestzeit von 1:29.034 Minuten markierte und mit Startplatz zwei belohnt wurde.

Das erste Rennen im Pro Superstock-Cup konnte unter trockenen Bedingungen gefahren werden; ein Privileg, das an diesem Tag nicht allen Startern zuteil werden sollte. Jürgens verteidigte am Start seinen zweiten Platz, musste aber bereits in der ersten Runde zum Führenden, dem Belgier Côme Geenen (BMW), abreißen lassen. Moritz Jenkner, Michael Ghilardi und Garijs Rozkalns lieferten sich dahinter einen Kampf um Platz drei.

In Runde fünf konnte Ghilardi an Jürgens vorbeigehen. Der blieb aber dran und „verbiss“ sich im Heck des Schweizers. Eingangs von Runde sieben eine kurze Schrecksekunde, als Marvin Jürgens durch einen Verbremser weit gehen musste und nur mit Mühe den Viertplatzierten Jenkner (Yamaha YZF-R1) hinter sich halten konnte.

Nichtsdestotrotz schloss er noch im Verlauf der Runde auf den vor ihm fahrenden Ghilardi auf. In der letzten Kurve stach Marvin dann innen durch und konnte sich am Eingang Start-Ziel an Ghilardi vorbeischieben. Es war ein packender Zweikampf mit Höchstgeschwindigkeiten bis zu 295 Stundenkilometer. Der Schweizer steckte nicht auf und konnte, aus dem Windschatten kommend, auf der Start-Ziel-Geraden wieder vorbeigehen. Die mutige Antwort: Marvin Jürgens ließ länger das Gas stehen und konnte sich eingangs der ersten Kurve wieder innen vorbeibremsen. Offenbar durch diese Manöver beflügelt, setzte sich Jürgens in den folgenden Runden vom Verfolgerfeld ab und rettete den Vorsprung bis in Ziel. Sieger Geenen war zu dem Zeitpunkt schon bis auf sieben Sekunden enteilt. Rozkalns komplettierte das Podium als Dritter mit drei Sekunden Rückstand.

So vielversprechend dieses erste Ergebnis war, so ernüchternd endete das zweite Rennen am Sonntag. Wegen Stürze und Rennabbrüchen zuvor verzögerte sich der Start des Pro Superstock Cups, und es war nass, richtig nass. Kurz vor Beginn wurde noch auf Regenreifen gewechselt, das Rennen als „wet race“ gestartet und auf sieben Runden verkürzt. Stehende Pfützen machten das Rennen zu einem 3,667 Kilometer langen Tanz auf rohen Eiern. Marvin Jürgens konnte seinen zweiten Startplatz zunächst verteidigen, wurde jedoch wie Vortagssieger Geenen von Daniel Kirchhoff (BMW) überholt. Ausgangs der dritten Runde passierte es dann: Durch einen Highsider wurde der Pilot von Becker-Tiemann Racing abgeworfen und konnte das Rennen nicht beenden.

„Das passiert, wenn mal gewinnen will. Im Regen ist‘s nun mal ein schmaler Grat. Ich war gerade im Angriffsmodus“, resümierte er „ein verrücktes Wochenende“ mit seiner BMW S 1000 RR. Auch andere Fahrer stürzten im Regen. Mitte der fünften Runde wurde das Rennen ganz abgebrochen. Glücklicherweise zog sich Marvin Jürgens keine schwerwiegenden Verletzungen zu. „Ich liebe es, mit diesem Biest zu fighten, und habe mir nur die Schulter wehgetan.“

Im tschechischen Most soll bis Sonntag erneut angegriffen werden. Heute steht das freie Training an. Jürgens‘ Marschroute: „Der erste Saisonsieg hat Priorität. Ich will auf jeden Fall Punkte sammeln für die Meisterschaft. Durch den Sturz habe ich ja leider schon einen Nuller kassiert.“

Startseite