1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Lokalsport
  4. >
  5. Bad-driburg
  6. >
  7. „Mehr Spannung in Frankreich“

  8. >

Tischtennis: ehemalige Bad Driburgerin Sarah DeNutte im Gespräch

„Mehr Spannung in Frankreich“

Bad Driburg

Sie hat sechs Jahre beim TuS Bad Driburg gespielt und ist im Laufe der Zeit zu einer echten Leistungsträgerin beim Tischtennis-Bundesligisten geworden. Mit dem vor der aktuellen Saison zurückgezogenen Team hat Sarah DeNutte die deutsche Vizemeisterschaft gefeiert und stand im deutschen Pokalfinale in Hannover.

Sylvia Rasche

Sarah DeNutte ballt die Siegerfaust. Die ehemalige Bad Driburgerin führt die französische Liga mit ihrem neuen Team St. Quentin souverän an. Foto: Sylvia Rasche

Nach insgesamt neun Jahren in Deutschland schlägt die Luxemburgerin seit dieser Saison erstmals in Frankreich auf, eilt mit ihrem neuen Team St. Quentin in der Pro A, der ersten französischen Liga, von Erfolg zu Erfolg und hat zudem in der Champions-League das Halbfinale erreicht.

Frau DeNutte, sechs Spiele, sechs Siege: Mit Ihrem neuen Team St. Quentin führen Sie die Pro-A souverän an. Ein toller Einstieg in Frankreich, oder?

Sarah DeNutte: Ja. Es hätte nicht besser laufen können. Wir haben auch alle Spiele deutlich mit 3: 0 oder 3:1 gewonnen. Damit hatten wir nicht gerechnet. Wir dachten eher, dass es ganz enge Partien werden würden. Ich selbst habe eins meiner Einzel verloren und alle anderen gewonnen. Wir möchten in jedem Fall die Play-off-Runde der besten vier Teams erreichen und dann um den Titel mitspielen, Ich glaube schon, dass wir das Potential dazu haben. Es gibt aber noch andere starke Mannschaften in der Liga.

Sie sprechen fließend französisch. Ihr Team ist allerdings sehr international aufgestellt. Haben die Sprachkenntnisse ihren Start trotzdem erleichtert?

DeNutte: Ich glaube ja. In der Tat spreche ich mit meinen Mitspielerinnen fast nur englisch. Mit unserer Trainerin Olga Mikhaylova spreche ich auch mal französisch. Sie ist Russin und spricht sowohl englisch als auch französisch. Allerdings finde ich es sehr schön, dass ich mit den anderen Leuten aus dem Verein, mit dem Präsidenten und den Helfern bei den Heimspielen in deren Landessprache sprechen kann.

In der Champions League in Linz gab es für Sie ein Wiedersehen mit ehemaligen Driburger Teamkolleginnen. Hatten Sie die Möglichkeit, sich zu treffen oder mussten Sie in der so genannten „Linzer Bubble“ Abstand halten?

DeNutte: Alle Mannschaften waren im gleichen Hotel untergebracht. Wir haben uns beim Essen gesehen. Allerdings saßen da jeweils nur zwei Leute zusammen am Tisch. Ich habe mich einmal kurz mit Britt Eerland unterhalten. So richtig viel Kontakt hatten wir aber leider nicht.

Wie schätzen Sie die französische Pro A im Vergleich zur deutschen Bundesliga ein?

DeNutte: Der TTC Berlin hat die Champions League gewonnen, damit kommt die beste Mannschaft Europas aus der deutschen Bundesliga. Allerdings glaube ich, dass die französische Pro A ausgeglichener besetzt ist. In Frankreich spielen zwölf Mannschaften in der ersten Liga, in Deutschland waren es mal acht oder neun. In dieser Saison sind es sogar nur sieben.

Sie haben vor dem ersten Lockdown noch das letzte große Turnier im Oman gespielt und sich anschließend zu Hause ein Tischtennis-Homeoffice eingerichtet.

DeNutte: Ja, das stimmt. Ich war insgesamt sieben Wochen zu Hause. So lange war ich schon ewig nicht mehr am Stück in Luxemburg. Ich habe mich dabei sogar die ganze Zeit zu Hause aufgehalten. Ich bin mal zum Joggen rausgegangen, ansonsten aber nie. Selbst zum Einkaufen haben wir immer meinen Bruder geschickt. Meine Mutter und ich sind zu Hause geblieben. Auf dem Dachboden habe ich mir tatsächlich ein „Homeoffice“ mit einem Tisch und einem Roboter eingerichtet. Da habe ich viermal die Woche trainiert. Manchmal habe ich auch mit meiner Mutter oder mit meinem Bruder aus Spaß ein paar Bälle geschlagen.

Wie ungewohnt ist es für Sie, nicht mehr so viel zu reisen wie sonst? Sie haben in der Vergangenheit immer sehr viele internationale Turniere gespielt.

De Nutte: Das war sehr ungewohnt. Ich habe mal zusammen gezählt, dass ich von Januar bis Mitte März in diesem Jahr 17 Mal geflogen bin. Seitdem gar nicht mehr. Alle internationalen Turniere sind ja ausgefallen. Allerdings fahre ich jetzt nach Frankreich viel mit dem Zug.

Blicken Sie noch mal kurz auf die Zeit in Bad Driburg zurück. Was war besonders schön und was weniger?

DeNutte: Besonders schön war, dass ich in den gesamten sechs Jahren jeweils tolle Teamkolleginnen hatte. Auch jetzt in Frankreich habe ich da wieder richtig viel Glück gehabt. Es ist nicht selbstverständlich, dass man sich so gut versteht. Außerdem haben wir uns in Driburg von Jahr zu Jahr gesteigert. Man hat eine Entwicklung im Team gesehen. Nicht so gut gefällt mir das Spielsystem in Deutschland. In Frankreich spielen wir mit Dreiermannschaften und können die Aufstellung frei wählen, also so wie die Driburger Zuschauer das aus unseren internationalen Spielen kennen. Ich finde, dass das die Spannung deutlich erhöht. Beim deutschen Vierer-System weiß man schon am Anfang der Saison, gegen welche Spielerinnen man wann spielt. Das ist ausrechenbarer.

Wie verbringen Sie Weihnachten und den Jahreswechsel?

DeNutte: Zu Hause in Luxemburg. Ich bin nach unserem letzten Spiel in St. Quentin am Montag nach Luxemburg gefahren. Dienstag habe ich in Düsseldorf meine Wohnung aufgelöst und die letzten Möbel abgeholt. Seit März war ich eh kaum mehr dort. Jetzt bin ich erstmal in Luxemburg, werde vorwiegend hier trainieren und in Düsseldorf mal den einen oder anderen Lehrgang mitmachen. Weihnachten verbringen wir dieses Jahr bei uns in der Familie nur im kleinen Kreis mit fünf Personen. Normalerweise sind wir doppelt so viele. Silvester wird auch ruhig zu Hause.

Was sind die Ziele für 2021?

DeNutte: Schwer zu sagen. Wir müssen ja erstmal gucken, was überhaupt wieder stattfinden kann. Mitte Januar geht es mit zwei Ligaspielen in Frankreich weiter. Da möchten wir natürlich an unsere gute Serie anknüpfen. Danach haben wir zu Hause in Luxemburg die EM-Qualifikation in Turnierform gegen die Ukraine und Belgien. Da möchten wir das EM-Ticket lösen. Im Februar ist das europäische Olympia-Qualifikationsturnier in Russland geplant. Ob das was wird, weiß ich nicht. Im Moment kann ich mir das nur schwer vorstellen. Die Team-WM in Korea ist ja schon abgesagt worden. Ich hoffe, dass sich alle Menschen an die Regeln halten und wir dann möglichst bald wieder normal leben können. Als ich am Montag mit dem Zug von Frankreich nach Hause gefahren bin, war es sehr voll. Da habe ich vorsichtshalber zwei Masken übereinander aufgesetzt.

Startseite