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Tischtennis-Bundesliga: TuS Bad Driburg reist zum Spitzenreiter nach Berlin

„Platz zwei ins Ziel bringen“

Bad Driburg (WB). Der TuS Bad Driburg fordert den Spitzenreiter. Nur noch die Badestädter können dem großen Favoriten der Tischtennis-Bundesliga, dem TTC eastside Berlin, auf dem Weg zur Titelverteidigung ein Bein stellen. An diesem Sonntag reisen die Driburgerinnen zum Gipfeltreffen in die Hauptstadt.

Sylvia Rasche

Yuki Tsutsui bekommt gegen Berlin ihren zweiten Rückrundeneinsatz. Ihre Premierenbilanz ist mit 6:3-Siegen positiv. Foto: Sylvia Rasche

Die Berliner haben noch keinen Punkt in der laufenden Saison abgeben. Driburgs Konto „zieren“ lediglich die beiden Minuspunkte aus dem Hinspiel gegen den TTC eastside. „Trotzdem sind wir der Außenseiter. Wir müssen realistisch bleiben. Berlin ist zwei Klassen besser besetzt als wir“, stellt TuS-Manager Franz-Josef Lingens heraus. Er will dem Favoriten mit seinem Team einen harten Kampf bieten, denkt aber nicht an ein mögliches Remis oder gar an einen Sieg. „Berlin wird den Titel verteidigen“, ist Lingens sicher.

Quintett mit EM-Final-Erfahrung

Die Qualität des Kaders des Spitzenreiters bringt ihn zu dieser Auffassung. Alle fünf Spielerinnen standen in ihrer Karriere in mindestens einem EM-Finale. Vier von ihnen haben Europameisterschafts-Titel gewonnen. Mit der Portugiesin Yu Fu (Einzel) und der Deutschen Nina Mittelham (Doppel) sind zwei Berlinerinnen sogar amtierende Europameisterinnen. „Das ist ein echtes Star-Ensemble“, betont Lingens.

Berlins Trainerin Irina Palina (links) coacht Nina Mittelham in der Satzpause. Die Ex-Driburgerin hat in dieser Saison noch kein Einzel verloren Foto: Sylvia Rasche

Zudem wird der TuS Bad Driburg diesmal auf seine Spitzenspielerin Britt Eerland verzichten. Die Niederländerin bekommt wie vor der Saison vereinbart eine Pause. So werden die achtfache Luxemburger Meisterin Sarah DeNutte und die dreifache Deutsche Jugendmeisterin Sophia Klee in Berlin das Spitzenpaarkreuz der Driburgerinnen bilden. Im unteren Paarkreuz schlagen die Westdeutsche Meisterin Nadine Bollmeier und Jugend-Team-Europameisterin Yuki Tsutsui auf.

Klee und Tsutsui fahren zur DM

Klee und Tsutsui haben inzwischen übrigens grünes Licht für ihre Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften in einer Woche in Chemnitz erhalten. Beide hatten sich im Vorjahr ins Viertelfinale gespielt, waren mit jeweils Bronze bei den Hessischen und Westdeutschen Meisterschaften im Januar aber knapp an der direkten Qualifikation vorbei geschrammt. Jetzt gab es die gute Nachricht, dass neben Nadine Bollmeier auch das Nachwuchs-Duo in Chemnitz aufschlagen darf.

Vizetitel als großes Ziel

Vorher wollen sie sich gegen den übermächtigen Gegner aus der Hauptstadt von ihrer besten Seite zeigen. Denn ein Ziel hat sich der TuS Bad Driburg nach der bisher überaus erfolgreich verlaufenen Saison gesetzt: Der TuS möchte zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte Deutscher Vizemeister werden. Da der Tabellendritte aus Kolbermoor am vergangenen Sonntag überraschend in Bingen Federn ließ, sind die Driburger diesem Ziel ein großes Stück näher gerückt, haben jetzt nach Minuspunkten fünf Zähler Vorsprung auf die Oberbayern. „Wir sind so nah dran. Diesen zweiten Platz wollen wir jetzt ins Ziel bringen“, betont Franz-Josef Lingens. Unterdessen vermarktet Berlin sein Heimspiel als Topspiel um die Deutsche Meisterschaft „Lasst uns die Anton-Saefkow-Halle zum Beben bringen“, fordert der Verein seine Fans auf der Homepage auf. Ein Sieg gegen Bad Driburg wäre für die Hauptstädter gleichbedeutend mit dem sechsten Deutschen Meistertitel seit 2014.

Zuschauer-Info: Der TuS Bad Driburg spielt an diesem Sonntag erst um 16 Uhr in Berlin. Wie immer gibt es einen Liveticker auf www.tischtennis.de

Ein Kommentar von Sylvia Rasche

Es mutet merkwürdig an: Da treffen die beiden Spitzenreiter einer Liga aufeinander. Der eine hat 20:0 Punkte auf dem Konto, der andere 18:2 – und doch scheint der Ausgang der Partie vorhersehbar.

Die Erklärung: Tabellenführer Berlin leistet sich ein europäisches Star-Ensemble und spielt damit in einer anderen Klasse als alle anderen Bundesliga-Vereine. Während Driburg in dieser Spielzeit oft auch glücklich gewonnen hat, sind für Berlin 6:2-Siege schon „knappe Resultate“.

Der Favorit fliegt durch die Liga – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa. Der TTC eastside steht im Halbfinale der Champions-League, obwohl er auch hier nicht immer mit seiner besten Formation angetreten ist.

Die Driburger Verantwortlichen wissen das, bleiben gelassen und fangen erst gar nicht an zu träumen. Sie wollen wie zuletzt vor 20 Jahren (!) Vizemeister werden. Das wäre, gemessen an den finanziellen Mitteln, fast ein größerer Erfolg als die Titelverteidigung Berlins.

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