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Serie Leichtathletik-Kreisrekorde: Neuenheerser Reinhold Stork hält drei Rekorde aus den 1980er Jahren

Zehnkämpfer mit Opas Turn-Talent

Neuenheerse

Seinen Opa Wilhelm hat Reinhard Stork nicht mehr kennen gelernt. „Das sportliche Talent kommt aber ziemlich sicher von ihm“, sagt der Neuenheerser. Was der Großvater am Reck konnte, beweist ein Foto in der Chronik zum 100. Geburtstag des SV Neuenheerse. Was der Enkel als Leichtathlet auf die Beine gestellt hat, kommt unter anderem in der Kreisrekordliste zum Ausdruck.

Sylvia Rasche

In Neuenheerse (hier im Hintergrund der Stausee) hat Reinhard Stork seine ersten großen Leichtathletik-Erfolge gefeiert und ist dann zum LC Paderborn gewechselt, wo er mit dem Team noch zweimal Westfalenmeister wurde. Foto: Sylvia Rasche

Drei der Rekorde, die der heute 51-Jährige zu Schüler- und Jugendzeiten aufgestellt hat, haben die Jahrzehnte überdauert und die Fusion der Sportkreise Höxter und Warburg überstanden. 39 Jahre alt ist die Bestmarke der Schüler M12 im Hochsprung. 1,53 Meter überquerte Reinhard Stork 1982. Das ist seitdem keinem Athleten dieser Altersklasse im Kreis Höxter mehr gelungen. „So richtig erinnere ich mich gar nicht an diesen Wettkampf, das ist alles so lange her“, sagt Stork.

Sehr genau weiß er allerdings noch, dass es ihm die Sprungdisziplinen sofort angetan haben. „Als wir das erste Mal in der Halle die Hochsprunglatte aufgelegt haben, hatte ich sofort Spaß daran. Die neue Technik habe ich damals schnell gelernt“, berichtet Stork, der inzwischen in Scherfede lebt. 1984, als A-Schüler, wurde er erstmals Westfalenmeister im Hochsprung mit 1,73 Meter, später schraubte er seine Bestmarke auf 1,91 Meter.

Erfolgreiches Leichtathletik-Quartett des SV Neuenheerse (von links) Trainer Ludger Stork, Matthias Stork, Reinhard Stork und Trainer Günter Merschmann. Foto: SV Neuenheerse

Er und seine damaligen Mitstreiter waren Leichtathleten der ersten Stunde im SV Neuenheerse. Trainer Günter Merschmann erkannte und förderte sein Potenzial. Später übernahm der Altenheerser Ludger Stork, älterer Bruder von Matthias Stork, das Training. „Die beiden waren nur Namensvettern von mir. Wir sind weder verwandt, noch verschwägert. Trotzdem sind gerade Matthias und ich damals auch mal verwechselt worden“, erinnert sich Reinhard Stork.

Beide waren vielseitig, wollten sich nicht nur auf eine Disziplin festlegen. Ludger Stork förderte das Duo. Aus dem üblichen Dreikampf wurde schnell ein Fünfkampf, dann ein Achtkampf. „Dann fehlten uns ja nur noch Speerwerfen und 1500 Meter zum Zehnkampf. Das haben wir dann auch noch dazu genommen“, erzählt Reinhard Stork.

Die technischen Disziplinen hat Reinhard Stork am liebsten absolviert. Noch heute hält der inzwischen 51-Jährige drei Kreisrekorde aus den 1980er Jahren. Foto: SV Neuenheerse

Neue Grenzen auszutesten, hat ihn vor allem gereizt. Dafür waren die vielen unterschiedlichen Disziplinen des Zehnkampfes wie gemacht. Seine 3,70 Meter im Stabhochspring und die 15,50 Sekunden über 110 Meter Hürden aus einem Zehnkampf in Bielefeld 1987 sind immer noch bestehende Kreisrekorde bei den Männern und den Junioren – obwohl Reinhard Stork damals noch A-Jugendlicher war.

Nach der Schule absolvierte er bei Nixdorf in Paderborn eine Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker. „Jede Ausbildungsklasse hatte pro Woche zweieinhalb Stunden Betriebssport. Darauf hat Heinz Nixdorf sehr viel Wert gelegt“, berichtet Stork. Ihm kamen die Einheiten im benachbarten Ahorn-Sportpark beim späteren Weitsprung-Bundestrainer Uwe Florczak sehr gelegen. Im Winter 1988, als sich sein Heimcoach beruflich veränderte, wechselte Reinhard Stork zum LC Paderborn. „Ohne Probezeit, die kannten mich schon“, schmunzelt der 51-Jährige. Viel bessere Trainingsbedingungen als in Neuenheerse hatte er dort und nutzte diese in der Regel sechsmal die Woche aus. Zwei Team-Westfalenmeistertitel mit der Mehrkampfmannschaft und der 4x400-Meter-Staffel waren unter anderem der Lohn. „An die 4x400 erinnere ich mich noch gut. Die mussten wir abends nach 21 Uhr laufen“, erzählt Reinhard Stork.

Eine langwierige Achillessehnenverletzung sorgte schließlich für das Ende seiner Leichtathetik-Laufbahn. „Damit hatte ich bestimmt ein halbes Jahr zu kämpfen. Anfangs fiel es mir schwer, aber irgendwann habe ich mich daran gewöhnt, nicht regelmäßig zum Training zu fahren“, berichtet der Neuenheerser.

Reinhard Storks Opa Wilhelm, hier bei der Riesenfelge am Reck, gehörte in den 1920er Jahren zu den besten Turnern im SV Neuenheerse. Foto: SV Neuenheerse

Heute hält er sich mit Joggen und Mountainbikefahren fit. „Das Fahrrad habe ich im Mai 2020 gekauft und hatte nach drei Monaten schon 1500 Kilometer auf dem Tacho. Danach war es nicht mehr ganz so viel, weil mir die Zeit fehlte.“ Im Herbst gibt es allerdings eine sportliche Fortbildung technischer Art. Im Fichtelgebirge hat sich Reinhard Stork zusammen mit Arbeitskollegen der Firma Lödige Industries zum „Rock my trail“ angemeldet. „Ich hätte nie gedacht, dass Radfahren mit so viel technischer Finesse versehen sein kann“, hat er sich schon mal vorab schlau gemacht. Aber für technische Sportarten hat Familie Stork ja das ganz besondere Händchen. Ob am Reck wie Opa Wilhelm Anfang des 20. Jahrhunderts oder Enkel Reinhard als Leichtathlet Ende des Jahrtausends.

Storks Kreisrekorde:

110 Meter HürdenMänner und U23 15,50 Sekunden 1987 in Bielefeld

Stabhochsprung Männer, U23, U20 und U18 3,70 Meter 1987 in Bielefeld

HochsprungM12 1,53 Meter 1982 in Paderborn

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