1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Lokalsport
  4. >
  5. Beverungen
  6. >
  7. „Ein unfassbar krasses Gefühl“

  8. >

Serie Meine schönsten Sporterlebnisse: Beverunger Marius Krause nennt seinen ersten Gleitschirmflug im Frühjahr 2019 in Südtirol

„Ein unfassbar krasses Gefühl“

Beverungen (WB). Marius Krause liebt die Freiheit – besonders beim Gleitschirmfliegen, Angeln oder Oldtimer fahren. Der ehemalige Regionalliga-Spieler hat sich vor knapp fünf Jahren aus der Fußball-Branche zurückgezogen. Und sucht bei anderen Hobbys ein neues Lebensgefühl.

Rene Wenzel

„Mit einer gewissen Demut ist man leicht angespannt und höchst konzen­triert“. sagt Marius Krause (hier in der Nähe von Bordeaux an der Dune de Pilat) zum Gleitschirmfliegen. Foto:

„Beim Fußball stand man immer unter Beobachtung. Da hatte ich auch nie die Zeit für andere Sachen. Es ging oft um Dinge, wie beispielsweise, wer verdient mehr Gehalt, wer fährt das bessere Auto oder wer trägt die teureren Klamotten. Das alles zählt jetzt nicht mehr“, sagt Krause.

Der Beverunger denkt bei der Frage nach seinen schönsten Sporterlebnissen auch gar nicht zuerst an besondere Fußballspiele vor tausenden Zuschauern. Der 28-Jährige erinnert sich viel lieber an seinen ersten Flug mit dem Gleitschirm im Frühjahr 2019. In den Alpen in Südtirol erlebte er ein „unfassbar krasses Erlebnis“. Als blutiger Anfänger stürzte er sich einen Abhang hinunter. „Mit mehr Vertrauen als Verstand“, sagt Krause: „Es war eine einschneidende Erfahrung, als ich zum ersten Mal den Boden verlassen habe. Da war auf einmal 600 Meter unter mir nichts mehr.“

Auf den ersten Sprung folgten im Sommer des vergangenen Jahres noch mehrere Abenteuer mit dem Gleitschirm. In Andalusien in der Nähe von Sevilla und Malaga machte der 28-Jährige zusammen mit einem Kumpel wieder eine besondere Erfahrung. „Da sind wir von einem Berg aus gestartet und dann mit den Geiern zusammen geflogen. Die Vögel waren nur zehn, zwanzig Meter von uns unterwegs. Es war ein tolles Gefühl, den Tieren beim Fliegen in die Augen gucken zu können“, schwärmt der Beverunger.

Marius Krause trägt einen 28 Kilogramm schweren Karpfen aus dem Wasser. Angeln ist eines der Hobbys des Beverungers, der auch dabei den Moment genießt und die Umgebung wahrnimmt. Foto:

Angst ströme bei solchen Abenteuern nicht durch seinen Körper. Es könne zwar schon ruppig in der Luft zugehen, doch bisher habe es noch keine großen Probleme gegeben. „Mit einem gesunden Respekt gehe ich immer an den Start. Die Schirme sind sehr sicher und es ist nicht so gefährlich wie beispielsweise Motorrad fahren. Man ist mit einer gewissen Demut leicht angespannt und höchst konzen­triert“, erklärt Krause. Eigentlich würde er bald wieder durch die Lüfte segeln. Doch ein geplanter Trip im Mai kann in Zeiten von Corona nicht wie geplant stattfinden.

Den Moment genießen und die Umgebung wahrnehmen – das trifft auch auf ein anderes Hobby des Ex-Regionalliga-Fußballers zu. Für viele kaum vorstellbar, bringt das Angeln nach seinen Worten auch einen ordentlichen Adrenalinkick mit sich. Krause denkt dabei an seine besonderen Erlebnisse irgendwo in Frankreich an einem einsamen See zurück – ohne Handyempfang, ganz umschlossen von einer wunderschönen Natur. „Wir sind zu zweit oder alleine unterwegs, fahren raus mit dem Boot auf den See und werfen die Angel aus. Dann fahren wir zurück zum Ufer, schlafen und werden durch ein lautes Piepen der Angel geweckt“, berichtet Krause. Dann beginnt der Puls höher zu schlagen.

Zurück ins Boot, rauf auf den See – mitten in der Nacht bei Dunkelheit, totaler Stille und Mondschein. „Wenn du um halb vier einen Biss hast und einen 30 Kilogramm schweren Fisch dann hochgezogen hast, kannst du nicht mehr einschlafen. Da ist man total aufgedreht“, sagt der Beverunger, der ein großer Frankreich-Fan ist.

Marius Krause fliegt dort gerne mit seinem Gleitschirm, geht an einem abgelegenen See angeln und will in dem Nachbarland demnächst einen weiteren Traum verwirklichen. „Ich habe zusammen mit meinem Vater einen Mercedes-Van insgesamt eineinhalb Jahre lang restauriert. Im März habe ich den TÜV für das 44 Jahre alte Auto bekommen. Sobald man wieder reisen darf, werde ich losfahren“, so der vielseitige Sportler.

Wo es langgehen soll? „Komplett entschleunigt reisen, entspannt unterwegs sein und keine festen Ziele setzen“, antwortet der 28-Jährige. Einfach treiben lassen durch Frankreich, Andorra, Spanien und Italien – so soll ungefähr die Route bei der ersten Europa-Tour mit dem Mercedes Benz 206D aussehen. Die Fußballfloskel „von Spiel zu Spiel“ zu denken zählt beim selbstständigen Unternehmer schon lange nicht mehr. Er guckt mittlerweile von Tag zu Tag. Mit dem Gleitschirm, der Angel oder dem Lenkrad des Oldtimers in den Händen.

Startseite