1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Lokalsport
  4. >
  5. Beverungen
  6. >
  7. Kochs Rekorde seit 1971 unangetastet

  8. >

Serie „Meine schönsten Sporterlebnisse“: Beverunger Franz Koch gewinnt mit Bayer Leverkusen DM-Bronze und startet bei Militär-WM in Italien

Kochs Rekorde seit 1971 unangetastet

Beverungen (WB). Militär-Weltmeisterschaften im sonnigen Florenz, Deutsche Meisterschaften im gut gefüllten Berliner Olympiastadion. Die sportlichen Stationen des Beverungers Franz Koch sind außergewöhnlich. Der im Kreis Höxter eher als Tischtennis-Kreisligaspieler bekannte Beverunger hat seine Top-Leistungen als Leichtathlet erbracht.

Sylvia Rasche

Antrittsschnell: Franz Koch ist mehrfacher Deutscher Seniorenmeister mit der Mannschaft und im Sprint. In jungen Jahren startete der Beverunger für Bayer Leverkusen und hält seit fast 50 Jahren immer noch drei Kreisrekorde des Leichtathletikkreises Hofgeismar. Foto: Claus-Werner Kreft

Rekorde halten seit fünf Jahrzehnten

Im Kreis Hofgeismar sind einige seiner Rekorde sogar seit fünf Jahrzehnten unangetastet. „Der Franz war ein Rohdiamant, der sogar das Zeug zum Weltklasseathleten hatte“, ist sein damaliger Trainer Günter Zeiß noch heute überzeugt. Durch Zufall hatte Zeiß, selbst Deutscher Meister und früherer Deutscher Rekordhalter im Dreisprung, den talentierten Franz Koch bei Bundesjugendspielen entdeckt und in seinen TSV Udenhausen geholt. „Ich habe dann angefangen, einmal die Woche zu trainieren und wurde schnell besser“, erinnert sich Koch, der damals mit seiner Familie nach Friedrichsfeld in Nordhessen gezogen war. Die 10,6 Sekunden über 100 Meter, die 7,23 Meter im Weitsprung und die 3317 Punkte im Fünfkampf hat seit 1971 kein Athlet des Leichtathletikkreises Hofgeismar mehr erreicht.

Franz Koch (unten Mitte) hat Anfang der 1970er Jahre im Kreis Hofgeismar Rekorde aufgestellt, die bis heute gelten. Trainer war der mehrfache Deutsche Meister Günter Zeiß (unten links). Foto: privat

„Dabei waren die Bedingungen damals manchmal abenteuerlich“, lacht Franz Koch und denkt zum Beispiel an staubige Aschenbahnen, die nicht die schnellen Zeiten wie die modernen Tartanbahnen zuließen.

Koch in der Sportförderkompanie der Bundeswehr

Zwei Jahre mischte der heutige Beverunger den nordhessischen Landkreis auf, dann musste er zur Bundeswehr, wurde in die Sportförderkompanie in Porz-Wahn aufgenommen und wechselte in die Kaderschmiede von Bayer Leverkusen. Seine 100-Meter-Zeit verbesserte er dort auf 10,4 (!) Sekunden, die 200-Meter-Zeit auf 21,3 Sekunden, die ganz großen Schritte nach vorn machte er aber nicht mehr. „Ich war die erhöhten Trainingsumfänge nicht gewohnt, habe mich gleich im ersten Jahr verletzt. Leichtathletik war kein Spaß mehr, sondern harte Arbeit“, blickt der pensionierte Grundschullehrer zurück. Außerdem musste er sich eine berufliche Zukunft aufbauen.

DM-Bronze mit Bayer Leverkusen

Trotz dieser Probleme holte er mit der 4x100-Meter-Staffel von Bayer Leverkusen 1973 in Berlin DM-Bronze in 40,45 Sekunden. „Wir haben leider eine Übergabe versemmelt, sonst wäre es vielleicht noch mehr geworden“, sagt Koch im Rückblick. Einer seiner Staffelkollegen war Vizeeuropameister Manfred Ommer.

Im Kreis Höxter ist Franz Koch eher als Tischtennisspieler bekannt. Foto:

Für die Staffel wurde er auch bei den Militär-Weltmeisterschaften 1973 in Florenz nominiert. „Das war ein tolles Erlebnis. Wir sind ins Stadion einmarschiert und haben uns fast wie bei olympischen Spielen gefühlt“, erzählt Franz Koch. Unter anderem war Italiens Star-Sprinter Pietro Mennea mit von der Partie. Sportlich gab es in der Toskana allerdings keine Höchstleistungen. Der Grund: Kochs Magen rebellierte nach dem Genuss des für ihn damals ungewohnten italienischen Olivenöls. „Heute mag ich Olivenöl sehr gerne. Aber damals kannten wir es nicht und ich habe es schlecht vertragen.“

Silber bei Deutschen Hochschulmeisterschaften

Während des Studiums in Göttingen schraubte er sein Trainingspensum wieder zurück, hielt seine Form über einige Jahre, wurde mehrfacher Niedersachsenmeister und sammelte Medaillen bei Deutschen Hochschulmeisterschaften.

Tischtennis als Ausgleich

Als junger Lehrer und Familienvater in Beverungen musste der Sport erst mal ganz hinten anstehen. Als Ausgleich spielte er Tischtennis, zuerst in Hessen, später im WSV Beverungen und aktuell in Blankenau. „Da war ich zwar nicht so erfolgreich wie in der Leichtathletik, mache es aber immer noch sehr gerne. Es ist schön, sich mit den Teamkollegen zum Training oder den Spielen zu treffen. Das hatte ich in der Leichtathletik selten, da ich immer weit weg gewohnt habe“, berichtet Franz Koch, der sich auch in der WSV-Jugendarbeit engagiert hat.

Comeback in Hannover und Bielefeld

Ein guter Freund suchte für seine Mannschaft des LC Hannover noch einen schnellen Läufer. Der damals 40-Jährige Franz Koch sprang ein, wurde mit dem Team des LC Hannover viermal Deutscher Mannschaftsmeister der Altersklasse. Die 100 Meter absolvierte er mit 42 noch in starken 11,2 Sekunden und sprang 6,58 Meter weit. Später lotste ihn Claus-Werner Kreft nach Bielefeld. Franz Koch, der immer noch hauptsächlich Tischtennis spielte und die Trainingseinheiten in der Leichtathletik an einer Hand abzählen konnte, wurde noch zweimal Deutscher Hallenmeister über die 60 Meter (2002 in der Klasse M50 und 2006 in der M55). In der neue Altersklasse M70 wollte er in dieser Saison eigentlich wieder an den Start gehen. „Das wird aber wohl erst nächste Saison etwas.“

Mit dem Rad über die Alpen

Inzwischen ist an der Seite von Ehefrau Gisela noch ein weiteres sportlichen Hobby dazu gekommen: Radfahren. Die schwerste Tour führte das Paar über die Via Claudia Augusta von Augsburg nach Verona. Ansonsten stehen vor allem Flussradwege auf dem Programm. „Da haben wir noch ein paar Routen vor“, blickt Koch voraus.

Und während er in die Pedale tritt und die Landschaft genießt, werden seine Rekorde in der Bestenliste des Kreises Hofgeismar weiter gejagt – seit nunmehr fünf Jahrzehnten!

Startseite
ANZEIGE