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Radsport: Rösebecker Jörg Redeker erklimmt 8951 Höhenmeter auf dem Mountainbike

Auf Kopfsteinpflaster zum „Mount Everest“

Rösebeck (WB). Den Gipfel im Blickfeld ging es für Jörg Redeker bei den letzten Runden schreiend den Berg hinauf. Nach 16 Stunden, 49 Minuten und 56 Sekunden hatte er 8951 Höhenmeter mit seinem Mountainbike erklommen. Damit radelte sich der Rösebecker in die Everesting Hall of Fame und das auf der Kreisstraße 44 zwischen Dalhausen und Jakobsberg.

Astrid E. Hoffmann

Der zweite Streckenteil hat es in sich: Jörg Redeker (zweiter von links) wird von den leidenschaftlichen Radlern (von links) Michael Arens, Ralf Schönwald und Christian Thewes ein paar Mal begleitet, sie leisten damit wertvolle Unterstützung. Foto: Astrid E. Hoffmann

Die Figur des Jakobus, des Älteren, am Ortseingang von Jakobsberg war steinerner Zeuge des Spektakels. Als Jakobsberger war Christian Thewes live dabei. Er hatte von Jörg Redekers Vorhaben der Bergbesteigung gehört und sich spontan entschlossen, ein paar Runden mitzufahren. Thewes Arbeitskollege Michael Arens und der ehemalige Fußballer Ralf Schönwald traten ebenfalls in die Pedale, um den Rösebecker Mountainbiker zu unterstützen.

Am Basislager, dem Parkplatz an der Bahnunterführung am Fuße der gepflasterten Straße Richtung Jakobsberg, motivierten Piet van Klaveren aus Daseburg, Matthias Rose aus Rösebeck und Thorsten Stoppelkamp aus Borgentreich den mutigen Radler. Später kamen Redekers Sohn Max Wetzel, selbst Crosscountry-Lizenzfahrer, und Tochter Maja dazu. Auch sie nahmen den Berg unter die Räder um ihrem Vater Ansporn zu sein. Auf der 2,3 Kilometer langen Fahrstrecke vom Parkplatz bis zur Kreuzung in Jakobsberg wurden etwa 188 Höhenmeter überwunden, das bedeutete 49 Mal hinauf und wieder hinunter um die 8848 zu erreichen.

Die magische Zahl

8848 heißt die magische Zahl der „Everesting Challenge“, benannt nach dem gleich hohen Mount Everest. Bei dieser Herausforderung geht es darum, einen Berg, sei er noch so klein, so oft hinauf und wieder hinunter zu fahren, bis eben diese 8848 Höhenmeter „erklettert“ worden sind. Es muss in einem Versuch abgehandelt werden, eine Zeit ist nicht vorgegeben, geschlafen werden darf aber nicht und es muss immer der gleiche Weg genommen werden.

Marathon-Premiere

Eine Herausforderung hatte Mountainbiker Jörg Redeker gesucht. Für dieses Jahr hatte sich der Lizenzfahrer der Bad Bikers Wernigerode (im Harz), der selbst keine Rennen mehr fahren wollte, einen Marathon vorgenommen. „Ich bin eigentlich kein Läufer, es macht mir nicht so viel Spaß wie das Rad fahren, aber es reizte mich“, sagt der 48-Jährige. Nach zwei Monaten Training klappte es gleich Ende Mai in 3:30 Stunden.

Jörg Redeker hatte in diesem Jahr Sascha Gerken aus Wettesingen trainieren wollen und auch damit begonnen. Dann wurden die Rennen abgesagt, Sascha Gerken fand im Internet die Everest Challenge. „Eigentlich dachte ich, das ist nicht zu schaffen, da wir beide nur Kurzstrecken fahren“, sagt Redeker, ließ sich aber auf ein paar Proberunden ein - und wagte sich an das große Unternehmen.

Start um 5 Uhr morgens

Um 5 Uhr morgens gibt es los., bis Mittag war schon beinah die Hälfte geschafft. Später am Vormittag war auch Sascha Gerken in die „Challenge“ eingestiegen. Er hatte nach einem Arbeitsunfall drei Monate nicht trainieren können und sich daher nur den halben Everest vorgenommen.

Jörg Redeker hatte sich bewusst diesen Berg ausgesucht, da man bei flacheren Bergen zu viel Zeit beim Herunterfahren verliert. „Steil tut weh, geht aber schneller“, spricht der ehrgeizige Sportler aus Erfahrung. Und weh tat es nach ungefähr 4000 Höhenmeter im Knie. „Es war ein stechender Schmerz und ich dachte, jetzt geht nichts mehr“, erklärt der Berufskraftfahrer. Sohn und Sportstudent Max Wetzel schlug vor, die Trittfrequenz senken. Das klappte auch gut, doch nun wurden die Muskeln mehr beansprucht und es stellten sich Krämpfe ein. „Ich bin nur noch schreiend den Berg hochgefahren, wenn da nicht die Freunde gewesen wären, ich weiß nicht, ob ich es geschafft hätte“, ist Jörg Redeker dankbar für die Motivation von außen.

8687 Kalorien verbrannt

Aber auch sein unbändiger Ehrgeiz trug ihn auf den Gipfel. Damit der „Motor“ lief, nahm er zwölf Flaschen á 800 Milliliter flüssige Nahrung, sieben Bananen, drei selbst gemachte Milchreis mit Obst, zehn Müsli-Riegel und drei Erdnussriegel und eine Flasche Wasser zu sich. Am Ende des Tages hatte er nicht nur 8951 Höhenmeter geschafft, sondern auch 8687 Kalorien verbrannt.

Bereits am Tag danach saß er wieder auf dem Rad, die Beine lockern. „Ich fühle mich total frisch, alles ist richtig gut“, freut sich Jörg Redeker, dass er diese Herausforderung gemeistert hat und ist damit erst einmal zufrieden. In etwa vier Wochen will sein Schützling Sascha Gerken die Challenge wagen - mit Redeker als Motivator.

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