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Sieben-Kontinente-Sportserie: Non-Stop-Ultra bietet internationales Team auf

Asiaten laufen für Asien

Brakel

Sie sind in Asien geboren, als Jugendliche nach Europa geflüchtet und nehmen nun in Brakel auf der „Asien-Etappe“ erstmals an der Sieben-Kontinente-Sportserie 7CRun teil.

Sylvia Rasche

Für Asien auf Kilometerjagd (von links) Najib Asghari, Jawad Haidry und Jalal Mohammadi. Es fehlt Masooud Zamani. Foto: Adalbert Grüner

Adalbert Grüner, ehemaliger Vorsitzender der Non-Stop-Ultra Brakel, engagiert sich in der Nethestadt seit Jahren ehrenamtlich in der ökumenischen Flüchtlingshilfe und kennt die vier Afghanen schon lange. „Alle vier sind als unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge in Brakel angekommen und waren zunächst im Kolpingwerk untergebracht“, berichtet der 69-Jährige.

Um den jungen Männern an den Wochenenden Abwechselung zu bieten, organisierte Grüner einen Lauftreff. „Manchmal waren bis zu 20 Läufer mit mir unterwegs, manchmal auch nur zehn. Die Fluktuation war zu Beginn groß. Später bildete sich ein enger Kern der Gruppe“, berichtet Adalbert Grüner, der die jungen Flüchtlinge auch mit zum Lauftreff seines Vereins, der Non-Stop-Ultra Brakel, nahm und für Volksläufe anmeldete. Ein wichtiger Schritt für die Integration.

Die vier Afghanen, die er nun für den 7CRun angemeldet hat, leben inzwischen in eigenen Wohnungen in Brakel und absolvieren alle vier eine Ausbildung. „Daher können wir unter der Woche derzeit auch nicht tagsüber laufen. Aber am Abend mit Stirnlampe geht es ja auch“, sagt Jawad Haidry. Der 22-Jährige, der in seiner Heimat Kung-Fu betrieben und Kinder im Kick-Boxen unterrichtet hat, lernt Eklektiker bei Elektro Kruschel in Nieheim. Zusammen mit Jalal Mohammadi ist er auch beim TV Brakel in der Kick-Box-Abteilung aktiv. Beide sollten diesen Herbst eigentlich ihren ersten Übungsleiterschein machen. Doch der Kursus ist wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden.

Mohammadi absolviert eine Lehre zum Automechaniker bei Ford-Sommer in Brakel, befindet sich bereits im dritten Lehrjahr. „Jalal hat auch schon erfolgreich am Hermannslauf teilgenommen“, berichtet Adalbert Grüner. „Das war mein erster sehr langer Lauf. Unterwegs habe ich schon gelitten, aber am Ende habe ich mich gefreut, dass ich es geschafft habe“, erzählt Mohammadi, der einige Jahre im Iran lebte. „Für uns ist der Lauftreff sehr wichtig. Schade, dass wir uns aktuell mit den anderen dort nicht treffen dürfen“, bedauert der junge Athlet.

Fast jedes Wochenende ist Adalbert Grüner mit seinen internationalen Aktiven in der Region unterwegs. „Normalerweise zumindest. Im Moment ist das ja alles nicht möglich. Daher ist es für die Jungs schön, dass sie jetzt mit dem 7CRun eine neue Motivation zum Training haben, wenn die Wettkämpfe ausfallen“, so Grüner.

Jalal Mohammadi fungiert zwar als Teamleiter, doch im Hintergrund sorgt der ehemalige Vereinsboss dafür, dass alles läuft. Er hat das Quartett angemeldet und übernimmt auch die Ergebnismeldung. „Da nicht alle über eine Laufuhr verfügen, ist das die einfachste Lösung“, sagt der erfahrene Ausdauerläufer.

Er kümmert sich auch darum, dass „seine“ Jungs das passende Equipment zum Laufen haben, ersteigert im Internet Laufschuhe und Kleidung, sammelt Spenden und freut sich über die Unterstützung, der er bei dieser Arbeit von verschiedensten Seiten erfahren hat. „Natürlich ist es mühsam und manchmal ärgere ich mich auch über den einen oder anderen. Doch wenn ich alles zusammen nehme, überwiegen die Freude und der Spaß“, betont Adalbert Grüner, der in einem Werkraum im Kolping-Berufskolleg zweimal in der Woche mit Schülern einer internationalen Klasse der Berufsschule alte Fahrräder repariert und sie anschließend Flüchtlingen zur Verfügung stellt. „Damit haben wir 2015 begonnen“, berichtet Grüner.

Derzeit müssen die Athleten aber ohne ihren Lauftreffleiter auskommen. „Da man ja nur noch zu zweit laufen darf, mussten wir die Termine absagen“, so Grüner. So macht sich das Quartett in Eigenregie auf den Weg.

Nach der Arbeit geht´s auf die Strecke. Das gilt dann auch für Najib Asghari, der sich in zweiten Lehrgang einer Maler-Ausbildung im Malerfachbetrieb Josef Willeke in Gehrden befindet, und Masooud Zamani, der im Reha-Zentrum Bad Driburg Klinik-Berlin eine Ausbildung zum Koch absolviert. Das Lauftraining ist auch für sie ein willkommener Ausgleich und sorgt – zumindest in Nicht-Corona-Zeiten – auch für Kontakte zu Einheimischen. „Im Verein sind die Flüchtlinge gut integriert“, betont Adalbert Grüner.

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