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Meinen Corona-Pause: Brakeler Martin Lausberg lässt das Auto möglichst oft stehen

Mit dem Rennrad auf dem Weg zum Mond

Brakel

Martin Lausberg liebt es vielseitig. Zumindest normalerweise. Volleyball, Basketball, Fußball und Rennrad sind die bevorzugten Sportarten des Brakelers. Durch die Corona-Einschränkungen bleibt im Lockdown allerdings nur noch eine einzige übrig. „Daher bin ich im vergangenen Jahr so viele Kilometer gefahren wie noch nie“, lacht der 51-Jährige.

Sylvia Rasche

In den Sommerferien zieht es Martin Lausberg am liebsten in die Alpen. Die berühmte Passstraße zum Stilfser Joch hat er bereits bezwungen. Foto: privat

Das Rennradfahren hat er zu Studienzeiten in Münster für sich entdeckt und seither als Ausdauersport und Ausgleich neben den Ballsportarten schätzen gelernt. „Je älter man wird, desto mehr rückt der Ausdauersport in den Mittelpunkt, da es zumindest mit Basketball, das sehr schnell und athletisch gespielt wird, immer schwieriger wird“, sagt Lausberg.

Seit 1992 zeichnet er seine Strecken auf, und wenn alle Umstände passen, könnten bis Ende des Jahres 300.000 Kilometer auf dem Tacho stehen. „Wenn man berücksichtigt, dass ich auch vor 1992 schon viel gefahren bin, dürfte das fast die Strecke bis zum Mond sein“, schmunzelt Martin Lausberg. Trotzdem ist das Radfahren nur Hobby und ein schöner und wichtiger Ausgleich im Alltag. „Im Mittelpunkt meines Lebens stehen ohne Wenn und Aber meine beiden Kinder“, beteuert Lausberg.

Begonnen hat die Sportleidenschaft des gebürtigen Münsterländers als Volleyballer beim TuS Graf Kobbo Tecklenburg. Mit 13 begann er dort und spielte sich als Student unter der Leitung des Ex-Nationalspielers Lutz Schulte-Uebbing bis in die Landesliga. „Als ich weg war, ist der Verein noch zweimal aufgestiegen und hat es mit fast der gleichen Besetzung bis in die Oberliga geschafft“, berichtet Lausberg. Er hatte sein Studium der Mathematik und evangelischen Theologie in Münster inzwischen abgeschlossen und war als Lehrer des Gymnasiums Brede Brakel in den Kreis Höxter gezogen. „Da wären die Fahrten zu den Spielen am Wochenende einfach viel zu weit gewesen“, meint der groß gewachsene Sportler.

Sprunggewaltig am Netz: Martin Lausberg (gelbes Trikot) platziert den Ball am gegnerischen Block vorbei. Als Student hat er in der Landesliga gespielt. Foto: Andreas Grawe

Weil in Brakel seinerzeit eher Basketball als Volleyball gespielt wurde, sattelte Martin Lausberg um – und stieg auch mit den Korbjägern des TV Brakel bis in die Landesliga auf. Volleyball spielte er in einer sehr erfolgreichen Mixed-Hobbygruppe weiter, inzwischen hat sich daraus eine Beachvolleyball-Truppe gebildet.

Den Basketballern ist Lausberg als Schiedsrichter treu geblieben. Sie kennen ihn und sein Rennrad inzwischen bestens. „Anfangs gab es manchmal komische Blicke, wenn ich auch im Winter mit dem Rennrad zu den Spielen gefahren bin. Inzwischen haben sich die Mannschaften daran gewöhnt“, berichtet der Brakeler. Er versucht, im Alltag möglichst viele Strecken mit dem Rad zurückzulegen. „Ich nehme das Auto nur, wenn es wirklich nötig ist.“

Durch sein ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingshilfe kam er vor fünf Jahren zur Non-Stop-Ultra. „Ich habe im Herbst 2015 eine Fußball-Mannschaft für Flüchtlinge ins Leben gerufen und dabei den damaligen Vereinsvorsitzenden Adalbert Grüner kennen gelernt“, berichtet Martin Lausberg. Das Fußballteam gibt es allerdings in der Form nicht mehr – aus gutem Grund. „Mehrere der jungen Männer sind inzwischen in regulären Fußballvereinen aktiv, andere haben keine Zeit mehr, weil sie arbeiten“, freut sich Lausberg über die gelungene Integration. Eine lockere Fußballgruppe, an der Deutsche und Flüchtlinge teilnehmen, gibt es einmal in der Woche weiterhin – wenn nicht gerade das Corona-Virus die Fußballer ausbremst.

Bergtraining direkt vor der Haustür. Am Teufelsberg zwischen Erkeln und Tietelsen genießt Martin Lausberg die Aussicht. „Wir leben in einer der schönsten Radregionen Deutschlands. Foto: privat

„Ich hatte zwischendurch mal Angst, dass wir auch hier in Deutschland einen so strengen Lockdown bekommen würden wie in Frankreich. Dort durfte man das Haus auch nicht zum Sport verlassen. Hier durften wir glücklicherweise immer draußen aktiv sein“, sagt der Pädagoge, der vor allem froh ist, dass die 15-Kilometer-Bannmeile im Winter nur gut eine Woche im Kreis Höxter gegolten hat. „Das hätte meinen Radius schon eingeschränkt.“

„Wir leben hier in Ostwestfalen und besonders im Kreis Höxter in einer der schönsten Radregionen Deutschlands“, bringt er die Möglichkeiten vor der eigenen Haustür auf den Punkt. In den Sommerferien zieht es ihn zum Radfahren trotzdem auch an neue Orte, am liebsten in die Alpen. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man die Berge mit eigener Muskelkraft bezwungen hat“, schwärmt Lausberg und hofft, auch im kommenden Sommer wieder Bergluft einatmen zu können.

Kurz gefragt:

Lauf- oder Krafttraining: Ich bin der Ausdauertyp. Krafttraining mache ich gar nicht. Ich laufe nur ganz selten, habe aber einmal am Triathlon in Neuenheerse und zweimal an dem in Godelheim teilgenommen. Das waren sehr schöne Erlebnisse.

Bringdienst oder selber kochen:Selber kochen. Allerdings muss es in der Küche schnell gehen.

Playstation oder Netflix:Ich habe mir in der Corona-Zeit tatsächlich einen Netflix-Account zugelegt. Allerdings gucke ich nicht so viel. Im Fernsehen bevorzuge ich eher Sportübertragungen als Serien.

Podcast oder Buch: In den Schulferien lese ich sehr gerne Bücher, egal ob Krimis, Biografien oder Sachbücher. In der Schulzeit bin ich dagegen schon froh, wenn ich es schaffe, „Die Zeit“, die ich abonniert habe, ausführlich zu lesen.

Spotify oder Radio: Im Auto höre ich schon mal Radio, ansonsten bevorzuge ich CDs.

Lieblings-Internetseite: Wetter-online. Das Wetter ist für Radfahrer immer wichtig. Außerdem bin ich öfter bei kicker.de oder ebay-kleinanzeigen unterwegs.

Sportlerbiografie: Sehr beeindruckt bin ich von Dirk Nowitzki. Ich halte ihn für einen der größten deutschen Sportler überhaupt. In seinen Vertragsverhandlungen in der NBA hat er sich mehrfach bemüht, weniger zu verdienen, damit dem Club noch genug Geld für ein starkes Team um ihn herum blieb. Diese Einstellung finde ich großartig.

Corona-Rituale: Ich bin kaum noch in Gesellschaft, aber das dürfte ja auf die meisten Menschen zutreffen. Zum Glück gibt es auf dem Rad praktisch keine Ansteckungsgefahr.

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