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Fußball: Brakels Jugendobmann Thorsten Kraut hat Nachwuchsfußballer während der Corona-Pause mit „Homeoffice-Programm“ fit gehalten

Mit Zollstock und Wasserflaschen

Brakel (WB). Homeoffice für Fußballer. Was mit Mathe und Deutsch klappt, sollte doch mit dem Ball am Fuß auch möglich sein. Die Jugendfußballer der Spvg 20 Brakel haben das jetzt fast acht Wochen mit Erfolg ausprobiert – sind aber ebenso froh, dass sie ihren Trainingsort in der kommenden Woche voraussichtlich wieder auf den Fußballplatz verlegen dürfen.

Sylvia Rasche

Louis Pahn im heimischen Garten auf dem Weg zum Tor. Schon in der kommenden Woche muss er voraussichtlich nicht mehr alleine üben, sondern darf mit einigen seiner Teamkollegen im Stadion trainieren. Foto: privat

80 Fußballer sind dabei

„Wir haben kurz nach dem Corona-Lockdown mit dem individuellen Training begonnen“, berichtet Jugendobmann Thorsten Kraut, der gleichzeitig auch Trainer der B- und C-Junioren der Rot-Schwarzen ist. Insgesamt haben sich 80 Nachwuchsfußballer der A- bis D-Junioren in etwa 40 Einheiten am „Homeoffice“ beteiligt.

„Wir haben individuelle Programme mit unterschiedlichen Belastungen für die einzelnen Jahrgänge erarbeitet“, berichtet Kraut, der dabei von seinen Trainerkollegen Darius Steiner und Maximilian Müller unterstützt worden ist. So haben die D-, C- und B-Junioren bisher 42 Einheiten absolviert, die A-Junioren 35.

Wasserflaschen eignen sich auch zur Aufbau eines Parcours. Adrian Pack durchläuft den mit dem Ball am Fuß Foto:

Technik, Laufen, kognitive Fähigkeiten, Prävention, Kraftaufbau und auch kleine Wettbewerbe standen auf dem abwechslungsreichen Programm. „Zum Beispiel haben die Jungs berühmte Tore aus der Vergangenheit nachgestellt“, erklärt Kraut und denkt da unter anderem an den WM-Siegtreffer von Mario Götze 2014 oder den Flugkopfball des Niederländers Robin van Persie gegen Spanien ebenfalls 2014. „Jeder durfte sich ein Tor aussuchen“, so Kraut.

Wochenaufgaben gelöst

Auch ansonsten war Kreativität gefragt. „Man kann einen Parcours mit vielen Dingen aufbauen. Da eignen sich auch Stühle oder Wasserflaschen. Eine Koordinationsleiter kann man mit Zollstöcken legen“, berichtet Thorsten Kraut. Und wenn es sein musste, haben die Jungs auch mal einen Mülleimer als Ziel für eine kleine Challenge verwendet.

Die Aufgaben gab es als Tages- oder Wochenplan. Zur Unterstützung und besseren Anschauung hat der Jugendobmann auch Videos mitgeschickt. Das ging jedoch nicht nur in eine Richtung. „Es ist immer wichtig, Rückmeldungen einzuholen, um zu sehen, ob die Belastung passt oder ob das Programm geändert werden muss oder die Jungs eine Pause brauchen“, legte das Trainerteam viel Wert auf Kommunikation.

Challenges bringen Abwechselung

„Beispiele für Challenges waren wie lange der Ball hoch gehalten wurde, auch mal direkt nach einer Laufbelastung oder mit einem zweiten Ball in der Hand, mit Hindernissen und ähnlichen Aufgaben“, berichtet Thorsten Kraut. Zwischendurch sei auch immer mal wieder der eine oder andere Gast dazu gestoßen und habe im eigenen Homeoffice mitgemacht.

Übungen zur Prävention gehören auch im „Homeoffice“ mit zum Programm, wie hier Linus Köring demonstriert. Foto:

Ziel sei vor allen die individuelle Verbesserung der Spieler gewesen. „Jeder hat im Laufe der Wochen gemerkt, bei welchen Aufgaben er mehr schaffte als vorher“, betont Kraut. Das habe die Motivation der Akteure gesteigert. „Gerade jetzt kann man sich selbst fördern und verbessern, Ehrgeiz entwickeln, völlig unabhängig von Liga-Ergebnissen“, stellt der Trainer die Entwicklung der Akteure heraus. Die Spieler schickten ihm einzelne Ergebnisse als Foto oder Video zurück. „Da haben alle wirklich toll mitgezogen, aber das ist ja grundsätzlich auch die Voraussetzung, es geht ja auch um eine eigene Entwicklung.“

Austausch mit U17-Nationaltrainerin

Spannend für Thorsten Kraut war dabei zudem der Austausch mit Friederike Kromp, Trainerin der deutschen U-17-Juniorinnen-Nationalmannschaft, zu der auch die Brakelerin Carlotta Wamser zählt. „Da gab es in vielen Fragen den gleichen Ansatz.“ Er habe in der Fußball-Homeoffice-Phase gelernt, „dass viel möglich ist, sogar mehr, als man vorher denkt.“ Auch aus der Distanz könne man die Jungs motivieren, sich zu steigern und ihnen bewusst machen, wie wichtig das ist.

Trotz aller positiven Erfahrungen in der Corona-Zeit freuen sie sich auch in Brakel darauf, endlich wieder gemeinsam auf dem Fußballplatz zu trainieren. Denn da steht der Coach bei seinen Spielern im Wort: „Ich habe versprochen, dass wir die ersten Einheiten nur Torschusstraining machen...“

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